Die Jubiläumsbeiträge der Länder

Das 100-jährige Gründungsjubiläum des Bauhauses wird in vielen Städten gefeiert. Auf vielfältige Art und Weise setzen sich private Akteure und lokale Initiativen ebenso mit dem Bauhaus auseinander wie renommierte Hochschulen und öffentliche Kultureinrichtungen. Bauhaustapeten und Fotografie-Experimente, Typografie und Tanzperformance, Baukultur und Pädagogik – die Themen sind so vielfältig wie das Bauhaus selbst.

Baden-Württemberg

Die Liste namhafter Gestalter der Moderne, die in Baden-Württemberg wirkten, ist lang. Die seinerzeit revolutionären Lehr- und Gestaltungskonzepte von Adolf Hölzel fanden später am Bauhaus ihre konsequente Fortsetzung. 1927 wurde die Werkbundausstellung am Stuttgarter Weißenhof unter Leitung von Ludwig Mies van der Rohe zu einem Meilenstein des Neuen Bauens. Ab den 1950er-Jahren schrieb die Ulmer Hochschule für Gestaltung die Bauhaus-Ideen fort.

Weissenhofsiedlung (1927)
Architekten: Le Corbusier, Pierre Jeanneret

So vielfältig wie die Spuren der Moderne sind auch die Beiträge zum Bauhaus-Jubiläum 2019. Neben der Würdigung des baukulturellen Erbes wird mit der Ausstellung „Bauhaus 2018–1968. Die Rationalisierung des Glücks“ das diskursprägende Ausstellungsprojekt des Württembergischen Kunstvereins „50 Jahre Bauhaus“ von 1968 in Augenschein genommen (bis 23.9.2018). Zudem zeigt das Institut für Auslandsbeziehungen mit der internationalen Wanderausstellung „Die ganze Welt ein Bauhaus“ bisher unbeleuchtete Bezüge zu außereuropäischen Modernen, die 2019 im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe präsentiert wird.

Berlin

Weisse Stadt Berlin (1929–31)
Architekten:
Martin Wagner, Otto Rudolf Salvisberg,
Bruno Ahrends, Wilhelm Büning

Berlin war von 1932 bis zu seiner Schließung auf Druck der Nationalsozialisten 1933 die dritte und letzte Station des Bauhauses. Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten zwei Bauhaus-Direktoren wieder in der Metropole an der Spree: Ludwig Mies van der Rohe entwarf 1967 die Neue Nationalgalerie und Walter Gropius 1960 die nach ihm benannte Gropius-Stadt sowie das zunächst für Darmstadt vorgesehene Gebäude des Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, das ab 1968 für Berlin adaptiert wurde und 1979 eröffnete. Hier findet sich heute die weltweit größte Bauhaus-Sammlung.

Brandenburg

Bundesschule des ADGB (1928–30)
Architekten: Hannes Meyer, Hans Wittwer

Zentrales Gebäude der brandenburgischen Bauhaus-Geschichte ist die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau, die von der Bauabteilung des Bauhauses unter Federführung des zweiten Bauhaus-Direktors Hannes Meyer und Hans Wittwer realisiert und 2017 Weltkulturerbe wurde. Doch nicht nur die Bauhaus-Direktoren, auch namhafte Architekten wie Otto Haesler, Erich Mendelsohn oder Bruno und Max Taut haben in Brandenburg gewirkt. Zum Jubiläum 2019 wird das Bundesland Bauten der Klassischen Moderne und der Neuen Sachlichkeit unter anderem mit der Ausstellung „Das Bauhaus in Brandenburg. Eine Spurensuche in der Architektur. Eine Spurensuche in Industriedesign und Handwerk“ im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst in den Blick nehmen. Als einen weiteren Höhepunkt werden die Potsdamer Tanztage 2019 das choreografische Erbe des Bauhauses aufgreife.


Hamburg

Foto: Hamburger Architektursommer

Hamburg weist mit Fritz Schumacher, Gustav Oelsner und Karl Schneider wichtige Protagonisten der Moderne auf. Schneider und Oelsner erkannten die Bedeutung des modernen Städtebaus und entwickelten unter Verwendung des traditionsreichen Materials Backstein wegweisende Siedlungsbauten, die geprägt waren durch eine moderne, rationalistische Gestaltung im Sinne des Neuen Bauens. Zum 100. Gründungsjubiläum des Bauhauses geht es um die Entwicklung der Moderne im Kontext der vielfältigen zeitgleichen Strömungen in Architektur, Städtebau und Design, aber auch um andere Künste, die mit den Konventionen ihrer Zeit brechen oder gebrochen haben. In Hamburg bündeln sich 2019 eine Vielzahl kultureller und baukultureller Ereignisse: darunter der 150. Geburtstag Fritz Schumachers, 100 Jahre Hamburger Sezession und 25 Jahre Architektursommer, aber auch 150 Jahre Gartenschau und 150 Jahre Kunsthalle.

Hessen

Kirche, Architekt: Ernst May

Der Bauhausgedanke spiegelt sich in architektonischen wie lebensreformerischen Zeugnissen in Hessen wider. Neben der frühen Frauensiedlung „Loheland“ in der Röhn, die im ideengeschichtlichen Kontext zur Bauhausbewegung steht, ist „Das Neue Frankfurt“ (1925–1930) nach wie vor der geläufigste Begriff, wenn es um Hessen und die Moderne geht. Mit der Frankfurter Küche wurden moderne Interieur-Standards gesetzt und mit ihr der Vorläufer unserer heutigen Einbauküche geschaffen.



Niedersachsen

Weltkulturerbe Rammelsberg (Museum & Besucherbergwerk) (1936)
Architekten:
Fritz Schupp, Martin Kremmer

Das Erbe der Moderne in Niedersachsen ist historisch, ästhetisch und architektonisch vielfältig wie in kaum einer anderen Region. Mit dem Alfelder Fagus-Werk und den Übertagebauten am Rammelsberg besitzt Niedersachsen zwei UNESCO-Welterbestätten. Darüber hinaus hat Otto Haesler in Celle zahlreiche Bauten der Moderne geschaffen. Welche Spuren das Bauhaus in Niedersachsen hinterlassen hat und welchen Einfluss es noch heute ausübt, zeigt ein abwechslungsreiches Ausstellungsprogramm.


Nordrhein-Westfalen

Zeche Zollverein Fördergerüst
Schacht XII (1928–1932)
Architekten: Fritz Schupp, Martin Kremmer

Nordrhein-Westfalen stellt seine Beiträge zum Bauhaus-Jubiläum in Kooperation mit den Landschaftsverbänden Rheinland (LVR) und Westfalen (LWL) unter das Motto „Bauhaus im Westen. Gestaltung und Demokratie. Neubeginn und Weichen-stellungen im Rheinland und in Westfalen.“ Im Sinne der Bauhaus-Idee, die Welt neu zu denken, verorten die NRW-Projekte das Bauhaus in seinem kultur-, sozial-, industrie- und politikgeschichtlichen Umfeld. Die fortdauernde Aktualität der Bauhaus-Idee wird dabei verknüpft mit einem Blick auf die Weimarer Republik, der nicht deren Ende und Scheitern in den Mittelpunkt stellt, sondern die Impulse, die nach 1945 wieder aufgegriffen wurden. Mit Ausstellungen zu Kunst, Architektur, Design, Fotografie, Tanz, Theater, Politik und Gesellschaft beteiligen sich u.a. die Landesmuseen, Industriemuseen und Regionalinstitute der Landschaftsverbände.

Einen besonderen Leuchtturm stellt das Projekt „Mies in Krefeld“ dar, in dessen in dessen Rahmen u. a. eine begehbare Skulptur des zeitgenössischen Künstlers Thomas Schütte entsteht.


Rheinland-Pfalz

Weingut Kreutzenberger (1929/30) Architekt: Otto Prott

Bauhäusler wie Herbert Bayer, László Moholy-Nagy, Josef Albers oder Joost Schmidt haben mit der „Neuen Typografie“ oder „Elementaren Typografie“ das Grafik- und Kommunikationsdesign revolutioniert und weltweit geprägt: von der Reklame über Plakat-, Zeitschriften- und Buchgestaltungen bis zum Corporate Design internationaler Marken. Dem Wirken des Bauhauses auf dem Gebiet der Druck- und Schrift- sowie der Plakatkunst widmet sich das renommierte Mainzer Gutenberg-Museum anlässlich des Jubiläums 2019 mit einer umfassenden Typografie-Sonderausstellung und einer begleitenden Publikation. Zudem sollen in Rheinland-Pfalz die Leistungen des Neuen Bauens vorgestellt werden.

Ein Beispiel für diese Bauphilosophie in der Nachfolge des Bauhauses ist der kommunale Wohnungsbau in Ludwigshafen, bei dem die Verbindung von moderner Architektur mit sozialpolitischen Anliegen im Vordergrund stand.


Sachsen-Anhalt

Meisterhäuser Dessau (1925–26)
Architekt: Walter Gropius

Dessau ist die Stadt mit den meisten originalen Bauhausbauten der Welt. Bis heute ist das Bauhaus Dessau wie einst impulsgebender Ort für Besucher, Architekten, Designer, Forscher, Studierende und Künstler aus der ganzen Welt. Im Jubiläumsjahr erwarten den Besucher neben der Architektur auch Ausstellungen und Festspiele zu Pädagogik, Architektur und Bühne, ergänzt um ein vielfältiges Programm der Stadt Dessau zum gemeinsamen Aufbruch in die Moderne. Höhepunkt wird die Eröffnung des neuen Bauhaus Museums Dessau sein. Das Bauhaus war jedoch kein Solitär, und so gibt es in ganz Sachsen-Anhalt Architekturen, Orte und Ausstellungen zur Moderne. Die Städte Magdeburg und Halle mit ihren kleinen und großen Kultur-einrichtungen werden ebenso einbezogen, wie interessante Projekte außerhalb der großen Zentren. Zugleich wird ein Netzwerk von Orten der Moderne geschaffen, das an die bundesweite „Grand Tour der Moderne“ angeschlossen werden soll.


Sachsen

Haus Schminke (1930)
Architekt: Hans Scharoun

Ob Josef Albers’ Glasfenster im Leipziger Grassimuseum oder das Wandgemälde von Oskar Schlemmer im Zwenkauer Haus Rabe – der Freistaat Sachsen bietet zahl-reiche Bezüge zum Bauhaus und zur Moderne. In Dresden wird bereits ab 1909 mit den Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst, als Mitgründern des Werkbundes, an einer Produktionsstätte neuen Typus gebaut – und gleichzeitig an der ersten Gartenstadt Deutschlands, Hellerau. Viele auch für das Bauhaus prägende Denk-ansätze werden dort vorweggenommen. Zum Jubiläum wird das Bundesland mit vielfältigen Veranstaltungen und Ausstellungen an kulturelle Schwerpunktthemen anknüpfen, darunter eine Veranstaltungsreihe im Europäischen Zentrum der Künste, Dresden-Hellerau, und die Austellung „Heimo Zobernig – Demonstrationsraum“ in den Staatlichen Kunstsammlungen, Dresden. Zudem widmet sich das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig der Typographie des Bauhauses.


Thüringen

Haus Hohe Pappeln (1906–07)
Architekt: Henry van de Velde

In Thüringen steht die Wiege des Bauhauses. Ein ganzes Netzwerk von Institutionen sammelt, erforscht und präsentiert heute dessen Erbe und Wirkungsgeschichte, widmet sich aber auch der Frage nach seiner Aktualität für die Lebenswelt heutiger Generationen und seiner Relevanz für die gesellschaftspolitische Gestaltung der Zukunft. Neben den originären Zeugnissen der ersten Bauhaus-Jahre in Weimar werden in das Programm zahlreiche weitere Bauwerke der Moderne von Bauhaus-Meistern und Bauhaus-Schülern sowie deren Umkreis einbezogen wie z.B. in Apolda oder Probstzella. Das Bauhaus-Erbe und seine Bedeutung für unsere Gegenwart werden in Beiträgen der Klassik Stiftung Weimar, der Bauhaus-Universität Weimar, des Deutschen Nationaltheaters Weimar, der Kunstmuseen Erfurt, Jena und Gera, der IBA Thüringen sowie weiterer Partner für die Bevölkerung vor Ort wie für Gäste aus aller Welt erlebbar. Dabei werden bewusst auch Bezüge zum 100. Gründungs-jubiläum der Weimarer Republik und der Moderne hergestellt. Zudem wird in Weimar ebenfalls ein neues Bauhaus-Museum gebaut und zum Jubiläumsjahr 2019 eröffnet.



(Alle Fotos: Tillmann Franzen)