Fashion Material

Plastiktüten, Telefonbuchseiten oder Videobänder – der Berliner Künstler Stephan Hann schneidert seine Couture aus Materialien, denen kaum Beachtung geschenkt wird. Kombiniert mit edler Seide, Spitze oder Kristallen entstehen Kleider, bei denen die Grenze zwischen Mode und Kunst verschwimmt.

Die Ausstellung ist Teil des Verbundprojektes „Alles nur geklaut? Die abenteuerlichen Wege des Wissens“ mit insgesamt sechs Ausstellungen an verschiedenen Standorten des LWL-Industriemuseums. „In Bocholt wird mit der Mode einen Aspekt des Themas aufgegriffen: Kann Mode überhaupt neu sein, oder ist das, was uns als letzter Schrei verkauft wird, schon einmal dagewesen und folglich doch irgendwie geklaut?“, so Martin Schmidt, wissenschaftliche Referent im Textilwerk Bocholt und Kurator der Ausstellung.


Hann ist Herrenmaßschneider und Modedesigner. Für seine Roben verwendet er alltägliche Materialien: Telefonbuchseiten, Zeitungen, Malervlies, Architekturpläne, Videoband oder Plastiktüten und andere Verpackungen. Dazu spielt der Berliner mit ikonischen Schnitten und Formen und veredelt seine Entwürfe durch den Einsatz von Seide, Spitze oder glitzernden Steinen. „Dadurch entsteht eine völlig neue ästhetische Wertigkeit. Allen Werken ist eine unglaubliche Eleganz zu eigen. Sie spielen mit Erinnerung, entlarven den Luxus und kommentieren den unstillbaren Hunger unserer Gesellschaft nach Konsum“, so Schmidt.

Zu den Objekten von Hann zeigt das LWL-Industriemuseum Arbeiten von Modedesign-Studierenden der Hochschule Hannover. Upcycling, Recycling und Zero Waste sind Bausteine ihres Forschungsprojekts „use less: Designstrategien gegen Verschwendung und hässliche Kleidung“. Sie handeln getreu dem Motto von Vivienne Westwood „Buy less, choose well, make it last“ [Weniger kaufen, bewusst auswählen und gut behandeln]. Auch von der Designerin finden sich fünf Kreationen in der Bocholter Ausstellung. Sie werden ergänzt um Entwürfe aus der Hand des italienischen Modeschöpfers Giorgio Armani.

Ausstellung bis 26.10.2019, LWL-Industriemuseum Textilwerk Bocholt,
Industriestraße 5, 46395 Bocholt, allesnurgeklaut.lwl.org

Bilder:
Von oben:
Papier und glitzernde Swarovki-Steine für das Kleid „Forever and a day“ (Foto: LWL/Betz)
Kleid aus Tetra Pack in einer verpixelten Darstellung (Grafik: LWL)
Detail eines Kleides aus Tetra Pack „Midnight Venus“ (Foto: LWL/Betz)