Implicit Tensions: Mapplethorpe Now

Robert Mapplethorpe (*04.11.1946, †09.03.1989), einer der kritischsten und umstrittensten amerikanischen Künstler des späten zwanzigsten Jahrhunderts, schuf gewagte und formal rigorose Fotografien. Er ist bekannt für Bilder, die bewusst soziale Sitten überschreiten, und für die Zensurdebatten, die ihn zu einem Symbol der Kulturkriege in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren machten. In den folgenden Jahrzehnten haben sich Künstler und Kritiker mit dem Vermächtnis von Mapplethorpe auseinandergesetzt, Fragen nach der Wirkungsweise des fotografischen Subjekts gestellt und seine Darstellungen von homoerotischem Begehren, dem schwarzen männlichen Akt und der weiblichen Figur befragt.

Neben einer umfassenden Auswahl von Mapplethorpes Fotografien zeigt der zweite Teil von Implicit Tensions die Arbeiten von Rotimi Fani-Kayode, Lyle Ashton Harris, Glenn Ligon, Zanele Muholi, Catherine Opie und Paul Mpagi Sepuya, Künstlern, die weitreichende Ansätze zur Erforschung von Identität durch fotografische Porträts anbieten.

Nach Mapplethorpes Tod schuf Glenn Ligon Notes on the Margin of the Black Book (1991-93), eine prägnante Antwort auf Mapplethorpes Darstellungen von nackten schwarzen Männern. Ligons wegweisende Arbeit verzeichnete kritische Dialoge um Repräsentationsgeschichten, indem sie diese Bilder in größeren kulturellen Diskussionen über Rasse und Sexualität kontextualisierte. Ausgehend von Ligons Projekt zeichnet diese Präsentation nach, wie Künstler die Implikationen und Machtdynamiken von Mapplethorpes Bildern unterschiedlich beansprucht, von ihnen abgewichen und kritisch dargestellt haben, indem sie differenzierte Perspektiven auf Identität und Differenz bietet.

Anstatt eine Trajektorie des Einflusses abzubilden, schlägt diese Ausstellung einen Zweiwegeffekt vor: Wenn diese Künstler neue Bedeutungen und Möglichkeiten für fotografische Experimente zu ihren eigenen Bedingungen schaffen, produzieren sie auch Kontrapunkte, die das Verständnis von Mapplethorpes Praxis hinterfragen und neu definieren. Die gezeigten Arbeiten zeigen eine Vielzahl von Strategien, die sich in den letzten drei Jahrzehnten im Bereich der Fotografie entwickelt haben, darunter die Konstruktion von Identität durch Selbstporträt, die Bestätigung von Gemeinschaft durch fotografische Repräsentation und die Konzeption von Kunst als Vehikel für soziale Fürsprache.

Bis 05.01.2010, Guggenheim Museum, New York, guggenheim.org

(Bilder: Guggenheim)