Utopie und Untergang – Kunst in der DDR

30 Jahre nach dem Mauerfall widmet sich der Kunstpalast in Düsseldorf in einer großen Sonderausstellung der in der DDR entstandenen Kunst mit einem besonderen Fokus auf Malerei.

Der Kunstpalast widmet sich 30 Jahre nach dem Mauerfall der in der DDR entstandenen Kunst. Anhand einer Auswahl von 13 Künstlerinnen und Künstlern und mehr als 130 Werken lenkt die Ausstellung den Blick auf die überraschend vielseitige und zugleich widersprüchliche Kunstepoche zwischen 1949 und 1989. Die Künstlerliste berücksichtigt Positionen zwischen Anpassung und Rebellion, Affirmation und Subversion.  „30 Jahre nach der Friedlichen Revolution mit dem Fall der Mauer und der Grenzen innerhalb Deutschlands wird die Ausstellung einen wesentlichen Beitrag leisten zu einem vertieften Verständnis zwischen Ost und West“, so Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinem Grußwort für den Ausstellungskatalog.

Neben bekannten, oftmals als offizielle Repräsentanten der DDR wahrgenommenen Künstlern wie Willi Sitte, Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke zeigt die Schau auch zu entdeckende Malerinnen wie Elisabeth Voigt und Angela Hampel. Wie heterogen die Kunstszene in der DDR war, wird deutlich anhand der Œuvres von Gerhard Altenbourg, Carlfriedrich Claus, Hermann Glöckner, Wilhelm Lachnit, Michael Morgner, A.R. Penck oder Cornelia Schleime.

Die Künstlerauswahl verdeutlicht, dass die zu DDR-Zeiten und bis heute andauernde übliche Gegenüberstellung von freiheitlicher Abstraktion im Westen und ideologisch belastetem Realismus im Osten hinterfragt werden muss. Die offizielle Kunst in der DDR sollte dem Stil des Sozialistischen Realismus folgen; volkstümlich und parteilich im Dienst der Arbeiterklasse stehen und helfen, die sozialistische Gesellschaft aufzubauen und zu festigen.

Viele Künstler unterliefen diese Vorstellung und suchten nach Alternativen zum staatlichen Kunstbetrieb. Sie gerieten häufig in den Fokus kulturpolitischer Debatten, wurden kontrolliert und überwacht. Ziel der Ausstellung ist es, die Objekte nicht allein als historische Dokumente zu betrachten – wie es in der Vergangenheit immer wieder geschehen ist –, sondern sie als Kunstwerke vorzustellen, die zum Nachdenken über unsere gesamtdeutsche Kunstgeschichte auffordern.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Schirmherr der Ausstellung, eröffnete die Schau gemeinsam mit Felix Krämer, Generaldirektor Kunstpalast, am Mittwoch, den 4. September 2019. Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen sowie Burkhard Hintzsche, Stadtdirektor der Landeshauptstadt Düsseldorf, und Felix Krämer begrüßten den Bundespräsidenten bei seinem Eintreffen im Ehrenhof. Steffen Krautzig, Kurator der Ausstellung, übernahm die Führung durch die Ausstellung.

Ausstellung bis 26. Januar 2020, Kunstpalast Düsseldorf, kunstpalast.de

Bilder:
Oben: Gliederpuppe, 1948, Wilhelm Lachnit, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Erbengemeinschaft Wilhelm Lachnit, Foto: bpk / Nationalgalerie, SMB
Mitte:  o.T., 1986, Cornelia Schleime; Privatleihgabe; Foto: Eric Tschernow
Unten: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Foto: Anne Orthen