Luxus, Liebe, Blaue Schwerter. Faszination Rokoko

Das Hetjens – Deutsches Keramikmuseum in Düsseldorf zeigt im Jubiläumsjahr seines 110-jährigen Bestehens bis zum 19. Januar 2020 die Sonderausstellung „Luxus, Liebe, Blaue Schwerter“. Sie veranschaulicht die Faszination des Rokoko stilgerecht im Palais Nesselrode. In einer Inszenierung mit historischen Porzellanen, Möbeln und Gemälden werden im Großen Saal des Palais Kostbarkeiten des Hetjens, der Galerie Röbbig sowie aus Privatsammlungen präsentiert.

Das 18. Jahrhundert ist als „das Galante“ bekannt. Keine andere Epoche wird derart mit Luxus und Raffinesse in Verbindung gebracht. Der nach dem alles dominierenden Muschelornament benannte „style rocaille“ überwindet die Schwerfälligkeit des Barock und kommt insbesondere in der angewandten Kunst zum Ausdruck. Das Repräsentativ-Pompöse des Stils Louis XIV. verschwindet unter Louis XV. zugunsten von Intimität und Leichtigkeit. Im Rokoko wird das Interieur als Gesamtkunstwerk angesehen. Dessen einzelne Elemente wie Möbel, Gemälde und Porzellan sollen sich in ihrer Wirkung gegenseitig steigern, um auf diese Weise einen Gesamteindruck von größter Eleganz und Raffinesse zu erzielen.

Im galanten Umgang der Zeit spielten auch kostbare Geschenke eine bedeutsame Rolle und wurden als „Galanteriewaren“ bezeichnet. Glanz und Kostbarkeit standen bei den Galanteriewaren im Vordergrund. Ganz besonders im Werkstoff Porzellan haben diese verspielten Kostbarkeiten Ausdruck gefunden. Die Manufakturen wie Meissen, Nymphenburg und Sèvres wetteiferten in der Erfindung von Dosen, Flakons und Liebesgruppen. Um den Wert des „Weißen Goldes“ zu unterstreichen, wurden die Meissener Porzellane in Paris in feuervergoldete Bronzen montiert und mit Porzellanblumen aus Vincennes geschmückt.

Prachtvolle Montierungen aus vergoldeter Bronze zieren auch die Möbel des Rokoko. Alle geraden Linien scheinen bei Kommoden und Schränken aufgelöst zu sein und werden durch wie scheinbar zufällig gewachsene Konturen ersetzt. Die Oberflächen erzählen mit feinsten Intarsien aus exotischen Hölzern oder glänzenden Lacken aus dem Fernen Osten ganze Geschichten. Die Sonderausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Prinzessin Ira von Fürstenberg und Prinz Amyn Aga Khan.

duesseldorf.de/hetjens

Bilder:
Re: Inszenierung mit historischen Porzellanen, Möbeln und Gemälden aus der Galerie Röbbig sowie aus Privatsammlungen, Foto: Wilfried Meyer
Li: Pendule mit Schäferpaar; Modell: Johann Joachim Kändler, um 1744; Ausformung/Staffierung: um 1745; Meissen; Feuervergoldete Bronzemontierung: Frankreich, um 1755; Porzellanblüten, Frankreich; Sammlung Ernst Schneider; Foto: Horst Kolberg