11.-23.11.2019 Literatürk Festival „Irgendwas mit Heimat“

Alle reden von Heimat – das 15. Internationale Literaturfestival Literatürk auch. Aber auf eine Art und Weise, die diesem Thema den nötigen Biss und die fehlende diskursive Würze verleiht. Das diesjährige Schwerpunktthema Fokus auf eine oftmals dünkelhaft geführte Debatte. Mit 28 Veranstaltungen, über 100 Mitwirkenden an 15 Veranstaltungsorten in drei Ruhrgebietsstädten lädt Literatürk zur literarischen, engagiert-kontroversen Auseinandersetzung mit einer nahezu unmöglich geworden Möglichkeit ein: Der eigenen Heimat!

Den Anfang der 15. Edition des bundesweit beachteten Literatürk Festivals machen am 11. November Heimatlieder der besonderen Art – vorgestellt vom Schriftsteller und Autor Imran Ayata und dem Komponisten und Theatermacher Bülent Kullukcu auf der großen Eröffnungsfeier in der Zeche Carl im Essener Norden. Beim „GazinoRoyal“-Abend sitzen die Gäste wie in einem traditionellen Istanbuler Gazino an langen Tischen und feiern mit einer Mischung aus Live-Musik, Bauchtanz, audiovisueller Performance und szenischer Lesung die Vielfalt „kanakischer“ Kultur in Deutschland.

Eine klare Absage an jegliche Form von Heimattümelei erteilen dagegen Hengmeh Yaghobifarah, Sharon Dodua Otoo, Mithu m. Aanyal und Max Czollek in dem Erzählband „Eure Heimat ist unser Alptraum“. Das Buch ist ein schonungsloses Manifest gegen Heimat – einem völkisch verklärten Konzept, gegen dessen Normalisierung sich insgesamt 14 Autor*innen wehren. In persönlichen Essays geben sie Einblick in ihren Alltag und halten Deutschland den Spiegel vor: einem Land, das sich als vorbildliche Demokratie begreift und gleichzeitig einen Teil seiner Mitglieder als andersartig markiert, kaum schützt oder wertschätzt. Die Lesung ist am 12. November im Casa des Grillo-Theaters.

Die SPIEGEL-Online-Kolumnistin Ferda Ataman und der farbige Journalist Marvin Oppong berichten wiederum im Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) in Essen darüber, dass sie fortwährend als Exoten betrachtet werden, obwohl sie Deutsche sind und Deutschland ihre Heimat ist. Und während Karen Köhlers Heimat in ihrem viel beachteten Romandebüt „Miroloi“ namenlos ist (Lesung und Gespräch am 21. November in der Buchhandlung Proust, Essen), hat der Autor und Kolumnist DenizUtlu in „Gegen Morgen“ eine Formel zur Heimatberechnung gefunden

Der Autor und Kabarettist Kerim Pamuk zeigt am 20. November in der Zentralbibliothek in Essen, wie Kiffen, Kaffee und Kajal in seine deutsche Heimat gekommen sind. Feridun Zaimoglu und Zafer Senocak hingegen diskutieren hintergründig über „Heimat in des Apfels Kern“ .

Alle Veranstaltungen des Literatürk Festivals sind in deutscher Sprache oder werden mit deutscher Übersetzung präsentiert.

literatuerk.com

(Foto: Veranstalter)