Verrückt nach Angelika Kauffmann

Der Kunstpalast in Düsseldorf widmet Angelika Kauffmann (1741 -1807), der berühmtesten Künstlerin im Zeitalter der Aufklärung und Empfindsamkeit, bis zum 24. Mai 2020 eine große Überblicksausstellung.

Den Begriff „Influencerin“ gab es damals noch nicht – heute würden wir Angelika Kauffmann auf jeden Fall so bezeichnen; sie wäre ein Star in den sozialen Medien. Diese bemerkenswerte Frau vertrat damals, in einer Zeit, als Gleichberechtigung wie wir sie kennen so gut wie gar nicht existierte, den neuen Typus einer europaweit vernetzten, weltgewandten Künstlerin. Schon in jungen Jahren wurde die gebürtige Schweizerin als Wunderkind gefeiert. Sie konnte nicht nur gut malen, sondern auch gut singen, entschied sich aber letztendlich für die bildende Kunst.

Ihren Durchbruch erlangte Angelika Kauffmann in London. Protegiert vom englischen Hof setzte sie sich bald in der englischen Kunstszene als gefragte Porträtistin und Historienmalerin durch und erhielt schließlich aus ganz Europa Aufträge. Nach produktiven Jahren in England eröffnete sie 1782 in Rom ihr Atelier, ihr künstlerischer Salon machte sie zu einer europäischen Berühmtheit. Zu ihr Mäzenen gehörten unter anderem Joseph II, Kaiser von Österreich, und die russische Zarin Katharina die Große.

Apropos englischer Hof: Eines ihrer Werke, dass die Herzogin von Braunschweig-Lüneburg mit Prinz Charles George Augustus zeigt, hing lange in den Privatgemächern von Königin Elisabeth II und galt als das Lieblingsbild der Queen. Das Porträt ist in der Ausstellung im Kunstpalast zu bewundern – unter etwa 100 Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen sowie Druckgrafik und Kunsthandwerk. Diese Exponate lassen eine Zeit aufleben, in der es hieß: „The whole World is angelicamad – Die ganze Welt ist verrückt nach Angelika“.

„Viele Werke von Angelika Kauffmann prägten die Kunst und Mode ihrer Zeit und lösten einen regelrechten Kauffmann-Kult aus“ – das hebt die Kuratorin und Kauffmann-Expertin Bettina Baumgärtel hervor. Und Felix Krämer, Generaldirektor Kunstpalast, erklärt „Wir freuen uns, dass wir eine Bühne für dieses besondere Projekt mit internationalem Niveau bieten können!“

Der Rundgang durch die Ausstellung folgt in neun Kapiteln dem Leben der Künstlerin. Viele der hochkarätigen Werke, die hier zu bewundern sind, stammen aus bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen Europas, der USA und Russland. Zu den Leihgebern zählen unter anderem die Royal Collection / HM Queen Elizabeth II, The British Museum, das Victoria and Albert Museum, London, die Staatliche Eremitage, St. Petersburg, die Gallerie degli Uffizi, Florenz, und The National Museum of Women in the Arts, Washington DC.Im Anschluss an die Ausstellung im Düsseldorf wird die Schau in der Royal Academy of Arts in London zu sehen sein.

Kunstpalast Düsseldorf, kunstpalast.de

Angelika Campbell








Bilder:
Oben: Selbstbildnis am Scheideweg zwischen Musik und Malerei, 1794 National Trust Collections (Nostell Priory, The St. Oswald Collection). Purchased by private treaty with the help of a grant from the Heritage Lottery Fund National Trust Collections (Foto: National Trust Images)
Mitte links: Selbstbildnis mit Zeichengriffel, um 1768, Privatsammlung (Foto: Justin Piperger)
Mitte rechts: Ganymed, den Adler des Jupiters tränkend, 1793, vorarlberg museum, Bregenz (Foto: Markus Tretter)
Unten: Bildnis Augusta Friederike Luise, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, Prinzessin von Großbritannien, mit Prinz Charles George Augustus, vor 10.2.1767
, The Royal Collection Trust / HM Queen Elizabeth II (Foto: Royal Collection Trust / Her Majesty Queen Elizabeth II 2020)