Europäische Kulturhauptstadt 2020: Rijeka/Kroatien

Mediterrane, mitteleuropäische und osteuropäische Einflüsse beeinflussten die Entwicklung Rijeka im letzten Jahrhundert und entwickelte so zu ‚Kleineuropa‘.

Am 23.02.2020 eröffnet Rijeka offiziell sein Programm mit mehr als 600 Veranstaltungen im gesamten Jahr und führt Rijeka und seine Besonderheiten in Europa ein und stellt aktuelle europäische kulturelle und soziale Themen in den Vordergrund. Die drei Hauptthemen des Programms wurden als Symbole für die miteinander verflochtenen Identitäten von Rijeka und dem heutigen Europa gewählt: Wasser, Arbeit und Migration. Diese Themen erscheinen im Programm auf unterschiedliche Weise – Ausstellungen, Shows, Opern, Konferenzen, Konzerte, Festivals, Besuche von internationalen und kroatischen Künstlern, Projekte lokaler Vereine, Renovierung von Räumen und Installation von Skulpturen, Buchpromotionen und Begegnungen mit den Bürgern von Rijeka, der Region, Kroatien und Europa.

Kroatiens drittgrößte Stadt hat bessere Zeiten gesehen. Doch die postindustrielle Melancholie soll weichen: das Motto „Hafen der Vielfalt“ steht für neues Leben an der Kvarner Bucht, wo Industriebrachen sich in Kulturzentren verwandeln sollen. Zum Beispiel die ehemalige Holzlagerhalle Exportdrvo, die schon jetzt als Konzertsaal dient. Betoncharme und bunte Graffiti haben ihren Reiz. Die Halle wird 2020 ein Hotspot für Ausstellungen, Filme und Musik sein.

In der Caffe Bar Filodrammatica (Korzo) nippt die Jugend unter zehn bombastischen Kristall-Lüstern am Latte macchiato. Man bestaunt die Opulenz – bis der Blick auf einen Durchgang fällt: Da stapeln sich Leihbücher, reihen sich die Regale der Stadtbibliothek aneinander.

Trotz des Pomps ist es ein klassenloser Ort, zugleich ein Bilderbuch kroatischer Geschichte, zwischen den Jahrhunderten österreichischer, ungarischer, italienischer und jugoslawischer Vorherrschaft. Nur sich selbst gehörten die Kroaten selten.

Auch den industriellen Reichtum sahnten oft auswärtige Fabrikanten ab. Trotzdem boomte Rijeka im 19. Jahrhundert, zählte zu den größten Häfen Europas. Der Aufstieg wäre ohne das Delta der Rjecina, das hier in die Adria mündet, nicht möglich gewesen.

„Sweet and Salt“ hat Morana Matkovic vom Kulturhauptstadtkomitee folgerichtig ihr Projekt genannt, mit dem sie die alten Lebensadern zurück ins städtische Bewusstsein holen will. Gemeint sind sich vermischendes Süß- und Salzwasser. Entlang des Wasserweges werden begehbare Gärten die Hochhausdächer begrünen, im Verkehrsgetümmel ein Pavillon zur Meditation einladen.

rijeka2020.eu

(Fotos: visitRijeka.hr)