Jiayi Zhang: Uralte Suzhou-Schmuckkunst

Die in Österreich lebende Chinesin Jiayi Zhang wird in München beim 4. Inhorgenta Award zum „Design-Newcomer of the year 2020“ gekürt. Die Jury überzeugte das aufwändige und jahrtausendealte chinesische Suzhou-Kunsthandwerk, mit der die Designerin aus hauchdünnen Seidenfäden und hartem Edelstahl hochfeine Schmuckstücke kreiert.

Das Gewinner-Collier erzählt die bewegende Geschichte über Mädchenleben in China und hat den Titel „Jin zhi yu ye“, was übersetzt so viel wie „Goldene Äste und Jadeblätter“ bedeutet. Die Symbolik von natürlicher Seide, goldenen Ästen und grünen Jadeblättern in Verbindung mit starrem, schwarzem Stahl ist dabei sehr bewusst gewählt, wie die Künstlerin betont: „Ein Mädchenleben in China unterliegt auch heute noch sehr vielen Restriktionen. Das gestickte goldene Netz in meinem Collier symbolisiert das Gitter des Käfigs, in dem sich Frauen in China bewegen dürfen. Aber als Künstlerin glaube ich immer daran, dass wir durch Kämpfen Freiheit haben können, wie die Blüte in der Mitte meines Colliers, das aus dem Netz ausbricht“.

Künstlerischer Ausdruck bricht sich in unterschiedlichster Weise Bahn. Jiayi Zhangs Sprachrohr sind ihre Schmuckstücke, die im ersten Augenblick nur „wunderschön“ sind. Aber der Schein trügt: „Mädchen in China werden zwar sehr poetisch goldene Äste und Jadeblätter genannt. Jedoch ist diese Wertschätzung mit vielen Einschränkungen und Regelungen im täglichen Leben verbunden. Meine Jadeblätter aus Seide sind daher in meinem Collier im goldenen Gitterkäfig gefangen. Genauso geht es chinesischen Mädchen beim Aufwachsen. Je mehr grüne, hoffnungsfrohe Blätter sprießen, desto mehr werden sie in ein enges Korsett gezwängt.“

Es sind wahre Kleinodien und sie waren früher nur dem chinesischen Kaiserhaus vorbehalten: die wertvollen Kunstwerke der Suzhou-Seidenstickerei. Jiayi Zhang vereint in ihrer Arbeit die Elemente dieser chinesischen Kultur mit moderner europäischen Schmuckkunst. Die in den Schmuckstücken verarbeiteten Seidenbilder werden aufwändig mit hauchdünnen Seidenfäden doppelseitig bestickt. Der schimmernde Seidenglanz und die enorme Plastizität der farbenfrohen, meist aus der Natur inspirierten Bilder in den Schmuckstücken sind einzigartig.

Jiayi Zhang wurde im Jahr 1986 in der chinesischen Provinz Henan im kleinen Dorf Shunhe geboren und lernte bereits in Kindertagen die Tradition der Suzhou-Seidenstickerei.

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(Fotos: Zhang)