Sachsen im Orangenfieber

Ein fruchtig, lieblicher Duft zieht sich durch die Gärten Sachsens. Ganz besonders der Adel wusste die süße Versuchung der immergrünen Orangenbäume zu schätzen. Bereits im 11. Jahrhundert hielt die Orange Einzug in Europa. Sie galt als die Frucht der ewigen Jugend. August der Starke brachte sie Anfang des 18. Jahrhunderts nach Sachsen. Seine Leidenschaft für diese Zitrusgewächse leitete in Dresden die Orangerie Kultur ein. Über 4.000 Orangenpflanzen befanden sich im Besitz des Kurfürsten. Folgen Sie den Spuren der Orangenbäume, welche selbst zu Barockzeiten weite Strecken zurücklegten, und bis heute mit ihrer Exotik verzaubern.

Im Schloss und Park Pillnitz wurden die Zitrusfrüchte 1609 zum ersten Mal erwähnt. Ihre wahre Pracht entfalteten sie 1725, mit dem Bau des Ringrenngebäudes im Pillnitzer Schlosspark durch Matthäus Daniel Pöppelmann. 1.031 Orangenpflanzen versprühten 1760 hier ihren fruchtig, süßen Duft. 1880 folgte eine Erweiterung mit zwei Flügelanbauten. Die Fläche von 930 m² dient bis heute als Winterquartier für insgesamt 450 Kübelpflanzen aus dem Schlosspark. Über die Herkunft der Bäume lässt sich nur mutmaßen. Durch die Wirren der beiden Weltkriege waren viele Orangenbestände in ganz Sachsen verstreut. Erst nach und nach hielten sie wieder Einzug in Pillnitz. Nur bei sechs alten Zitruspflanzen besteht Gewissheit, dass sie aus dem Bestand des Dresdner Zwingers stammen. Darunter befindet sich die älteste im Kübel gewachsene Zitruspflanze Mitteleuropas, eine 300 Jahre alte Pomeranze.

Eine der größten Sammlungen von Bitterorangen im deutschsprachigen Raum befindet sich im Barockgarten Großsedlitz. 130 Bitterorangen und 300 weitere Orangeriepflanzen gibt es in der Gartenanlage zu bestaunen.

Durch umfangreiche Sanierungsarbeiten der Orangerien konnten 1997 wieder 100 Zitrusbäume aus der Toskana Einzug im Barockgarten halten. Diese schmücken im Sommer den Garten wie zu Zeiten Augusts des Starken. Im Barockgarten werden aktuell die Orangenbäume für den Dresdner Zwinger von einem Orangeur kultiviert und gepflegt und auf den Umzug nach Dresden vorbereitet.





23.-24.05.2020 Sächsische Zitrustage

300 Jahre ist es her, dass August Christoph Graf von Wackerbarth das durch Brand zerstörte Rittergut in Großsedlitz erworben hatte und eigene Planungen für ein Landschloss mit barocker Gartenanlage entwickeln ließ. Sein Rückzugsort vor den Toren Dresdens war von Anfang an eine außergewöhnliche Anlage. Die bewegte Topographie des Geländes wurde als Abfolge von Gartenräumen mit Hilfe großer Achsen erschlossen und gestaltet. Viel Wert legte Graf Wackerbarth auf die funktionierende und reich differenzierte Gartenkultur von Rittergut und Garten, die Ertrag abwerfen sollten.

Die reiche Orangerie- und Gartenkultur thematisiert die Orangerien des Barockgartens. Im Zentrum steht die Ausstellung der historischen Zitrussorten mit ihrem glänzenden Laub, duftenden Blüten und bizarren Früchten. Kultivierung von Orangeriepflanzen, wie sie damals den Barockgarten geziert haben können. Beratung durch die Zitrusgärtner und Verkostung von Zitrusfrüchten sowie verschiedene thematische Führungen und Fachvorträge ergänzen das Programm. barockgarten-grosssedlitz.de

Fotos: Schlösserland Sachsen