Aufbruch in die Moderne. Familie Viegener und die Fotografie

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeigt in der Henrichshütte Hattingen die Ausstellung „Aufbruch in die Moderne. Familie Viegener und die Fotografie“. Mit einer Auswahl von 60 Schwarz-Weiß Fotografien aus 60 Jahren präsentiert das LWL-Industriemuseum in Kooperation mit dem LWL-Medienzentrum für Westfalen ein fotografisches Spektrum.

Am 1. April 1925 wurde im westfälischen Hamm das Fotoatelier Viegener gegründet. Etwa zeitgleich begann in der Fotografie die Epoche der Moderne. Zu dieser Zeit hatte sich das junge Medium neben den „alten“ Künsten bereits etabliert. Die Ausstellung zeigt die Veränderungen, die in der Fotografie in den folgenden Jahrzehnten stattgefunden haben. Die ausgestellten Bilder repräsentieren die gewerbliche Auftragsfotografie zwischen 1925 und 1985. Die Bandbreite reicht vom klassischen Porträt über Straßenszenen bis hin zu Architektur- und Industrie-Aufnahmen.

Die Fotos stammen von Josef Viegener (1899 – 1992), seiner Schwester Maria Viegener (1899 – 1942) und seinem Sohn Werner Viegener (*1937). In ihren Aufnahmen nehmen die drei immer wieder Impulse der fotografischen Moderne auf. Die Besucher können anhand der ausgestellten Fotografien nachvollziehen, wie sich Motive und Blickwinkel im Verlauf der Jahrzehnte verändern und so ein Gespür für die fotografische Bildsprache entwickeln.

„Der Nachlass Viegener steht beispielhaft für viele Fotoateliers in der westfälisch-lippischen Region. Natürlich sind – gerade über die Wirren des Zweiten Weltkriegs – längst nicht alle Bestände erhalten. Und auch können wir nicht alle fotografischen Nachlässe übernehmen. Aber mit dem Atelier Viegener lässt sich die Situation der niedergelassenen handwerklichen Fotografen seit den ‚Goldenen Zwanzigern‘ über sechs Jahrzehnte hinweg sehr anschaulich darstellen“, sagt Dr. Ralf Springer vom LWL-Medienzentrum.

Die ausgestellten Arbeiten zeigen, wie die Handwerksfotografen die Impulse aus der Kunst aufsaugen und in ihre fotografischen Arbeiten einbeziehen. Neben dieser Offenheit für künstlerische Einflüsse, die sich das Atelier bis zur Schließung in den 1990er-Jahren bewahrte, ist LWL-Museumsleiter Robert Laube ein Bezug zum Standort wichtig: „Die Montanindustrie ist für die Viegeners immer wieder ein lohnendes Motiv gewesen. Wirtschaftlich, aber auch gestalterisch, mit überzeugenden Bildkompositionen.“

Viegener online
2.400 Fotografien aus der Sammlung Viegener hat das LWL-Medienzentrum digitalisiert, dokumentiert und online gestellt – erreichbar unter http://www.fotosammlung-viegener.lwl.org.

Ausstellung bis 01.11.2020
LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen
Werksstraße 31-33, 45527 Hattingen
Geöffnet Di bis So von 10 bis 18 Uhr

Bilder:
Oben: Lebensfreude. Spielende Mädchen mit Rollschuhen und Kinderwagen, um 1950.
Mitte: Aus dem Jubiläumsprospekt 1975 „50 Jahre Foto Viegener in Hamm“: Geschäftsgründer Josef Viegener mit Sohn Werner und Enkelsohn Markus.
Unten: Atelier J. Viegener, um 1927.
(Fotos: LWL-Medienzentrum für Westfalen)