30.05.-31.10.2021 Allerley Hausmittel

Die Sonderausstellung spannt einen Bogen von den sogenannten Bauerndoktoren und „allerley Heilwissen“ bis zu vergessenen Hausmitteln, bäuerlichen Heiltraditionen und regionaltypischen Verwendungszwecken. Altes Wissen über Hausmittel und volksmedizinische Heilmethoden begleiten auch die Veranstaltungen und Vermittlungsprogramme und bieten so ein abwechslungsreiches Jahresprogramm.

In früheren Zeiten vertraute die ländliche Bevölkerung fast gänzlich dem volksmedizinischen Wissen, denn der Weg zum Arzt war für die Bauern einst sehr weit und zu teuer. Bei nicht allzu schweren Erkrankungen wandte man sich eher an den Bauerndoktor oder ein Kräuterweibl. Die bäuerlichen Heiler*innen konnte man mit Naturalien entlohnen oder für sie bestimmte Arbeiten verrichten.

Ein weiterer Grund war, dass diese ebenso aus Bauernhäusern kamen und Angehörige desselben Standes waren wie jene, die sie riefen oder selbst aufsuchten. Es gab keine sozialen und sprachlichen Barrieren und so entwickelte man auch mehr Vertrauen zu ihnen und deren Behandlungsmethoden. Die Abgeschiedenheit vieler bäuerlicher Höfe verlangte nach größtmöglicher Selbständigkeit und so versuchte man sich zunächst einmal selbst zu kurieren.

Bei jedem Bauernhof und jeder Keusche gab es früher einen Hausgarten mit Gemüse, Blumen, Gewürzkräutern und Heilpflanzen, die auch von den Klöstern den Bauern nähergebracht wurden. Jeder Hof setzte sich mit der Wirksamkeit der Kräuter der Umgebung eingehender auseinander, um daraus Tees, Salben oder Tinkturen herzustellen, die auf uralte Erfahrungen ihrer Vorfahren zurückgingen. Trägerinnen des Heilwissens waren in den Familien die Frauen. Das Heilwissen wurde jeweils von der Großmutter an die Mutter, von Generation zu Generation überliefert.

Österreichisches Freilichtmuseum Stübing, 8114 Stübing, Österreich