Klimts letzte Werke – Dame mit Fächer

Den Kopf erhoben, mit selbstsicherem Blick: So begegnet uns Gustav Klimts geheimnisvolle Dame mit Fächer im Belvedere – seit einhundert Jahren erstmals wieder in Wien zu sehen. Das letzte Porträt aus der Hand des Künstlers zeigt eindrucksvoll, wie stark und eigenständig auch seine finale Schaffensphase ist. So nimmt Klimt expressive Elemente der „Jungen Wilden“ seiner Zeit auf, bleibt aber gleichzeitig dem eigenen Stil treu.

In einer Sonderausstellung widmet sich das Belvedere diesem letzten Aufbruch der Malerikone. Generaldirektorin Stella Rollig: „Letzte Werke eines Künstlers umgibt immer eine besondere Aura. So auch Dame mit Fächer und Die Braut. Die beiden mutmaßlich letzten Gemälde, an die Klimt vor seinem Tod Hand angelegt hat, nach mehr als einem Jahrhundert wieder vereint zu sehen macht diese Ausstellung zum Must-See des Frühjahrs.“


Das Porträt Dame mit Fächer entstand im Laufe des Jahres 1917. Als Klimt am 11. Jänner 1918 einen Schlaganfall erlitt, an dessen Folgen er am 6. Februar starb, war das Bild beinahe fertiggestellt. Es handelt sich nicht um ein Auftragswerk, sondern um eine Variation von Klimts Lieblingsthema der „schönen Wienerin“.

KLIMTS LETZTE WERKE
Wohl kurz nach Gustav Klimts Tod im Jahr 1918 entstand in seinem Atelier eine Fotografie. Darauf abgebildet sind zwei Gemälde auf je einer Staffelei: Dame mit Fächer und Die Braut. Während Die Braut sich bereits seit 1971 als Leihgabe im Belvedere befindet, war Dame mit Fächer zuletzt im Jahr 1920 in Wien ausgestellt und seit 1994 nicht mehr öffentlich zu sehen. Ebenjene beiden Gemälde werden nun, nach über einhundert Jahren, erstmals wieder zusammen präsentiert.

Gemeinsam mit einer Auswahl weiterer unvollendeter Werke repräsentieren diese späten ikonischen Gemälde die letzte Entwicklung in Gustav Klimts künstlerischem Schaffen. Die darin ersichtlichen Arbeitsstufen geben Einblick in den Entstehungsprozess. Der Stil des Spätwerks ist Klimts Antwort auf die Konfrontation mit dem Schaffen von Künstlern wie van Gogh, Matisse, Gauguin und den jungen Expressionisten.

Er greift Elemente wie die starke Leuchtkraft der Farben und den offenen, skizzenhaften Pinselstrich auf und erzeugt dadurch eine expressive Ausdrucksform. Obwohl der Künstler in seinen letzten Gemälden auf den Einsatz von Blattmetall verzichtete, blieb er der formalen Errungenschaft seiner Goldenen Periode treu: der Neuinterpretation des Tafelbildes als materielles Objekt im Sinne eines kostbaren Schmuckstücks. In seinem Spätwerk versucht Klimt, diesen Eindruck weniger durch die Anmutung kunsthandwerklicher Gestaltung zu erreichen. Vielmehr sucht er nun auf dieser Grundlage eine expressivere Bildsprache, die eine emotionale, positive und weltbejahende Haltung vermittelt.

Bis 13. Februar 2022, Oberes Belvedere, Wien,
http://www.belvedere.at

Bilder:
Oben: Gustav Klimt, Dame mit Fächer, 1917-18 Leihgabe aus Privatbesitz, Foto: Markus Guschelbauer
Rechts: Foto: Erwin Böhler / Courtesy of the Michael Huey and Christian Witt-Dörring Photo Archive
Links: Gustav Klimts Arbeitsraum im Atelier Feldmühlgasse 11, Wien 13, mit den (unvollendeten) Gemälden Die Braut und Dame mit Fächer, 1918, ONB/Wien Bildarchiv 94884-E, Foto: Moriz Nähr