„ZERO-Demonstrationen“ – fotografiert von Reiner Ruthenbeck

Reiner Ruthenbeck ist vor allem als Bildhauer bekannt, arbeitete aber seit einer Lehre zum Fotografen stetig auch in diesem Bildmedium. Zwischen freien und konzeptuellen fotografischen Ansätzen hat Ruthenbeck in den 1960er Jahren wichtige Kunstveranstaltungen festgehalten, darunter auch die ZERO-Demonstrationen. Am 5. Juli 1961 hatten die Düsseldorfer ZERO-Künstler zur „ZERO: Edition, Exposition, Demonstration“ vor der Galerie Schmela geladen.  

Angesichts der sich abzeichnenden Bekanntheit der Künstler-Gruppe rund um ZERO, die zu dem Zeitpunkt bereits in unterschiedlicher Zusammensetzung international ausgestellt hatte, ist es nicht verwunderlich, dass auch Ruthenbeck dies Ereignis fotografieren wollte. Seine Bilder verraten den Blick und das Interesse für die skulpturalen Qualitäten der Dinge, denen er von 1962 an durch das Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf zunehmend mehr Gewicht in seiner künstlerischen Arbeit einräumte. 

Im Jahr darauf wiederholten Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker ihre vielfältigen Aktionen auf den Rheinwiesen. Anlass dafür gab der Kulturjournalist Gerd Winkler, der gut komponierte Bilder des „ZERO-Fests“ in seinen großangelegten WDR-Fernsehbeitrag „0 x 0 = Kunst“, einer Versammlung von Porträts internationaler Künstler des ZERO-Netzwerks, als Anfangssequenzen nutzen wollte.

Beide ZERO-Demonstrationen gerieten zu fulminanten Festen und lieferten zu ihrer Zeit spektakuläres Bildmaterial für Kamera und Fotoapparat. Eine Auswahl von Ruthenbecks Fotografien kommen nun in den Räumen der ZERO foundation in einer Ausstellung zusammen.

Zeitgleich ist eine Präsentation zu „Jean Tinguely und ZERO“ zu sehen. Der Fokus liegt auf dem Magazin „ZERO 3“, das im Rahmen von „ZERO: Edition, Exposition, Demonstration“ veröffentlicht wurde und 2021 sein 60-jähriges Jubiläum feiert.

Eröffnung im Rahmen der DC Open, Samstag, 4. September 2021, 15 Uhr,
ZERO foundation, Düsseldorf, http://www.zerofoundation.de

Bilder:
li: Zero Fest 1962 / re: Gerd Winkler filmt v.l.n.r. Otto Piene, Günther Uecker, Heinz Mack, Zero Fest 1963, Fotos: Reiner Ruthenbeck, Stiftung Kunstfonds, VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Über die ZERO foundation

ZERO war ein Neuanfang, ein bewusster Bruch mit den Konventionen. Von NULL ausgehend stellten Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker gegen Ende der 1950er Jahre tradierte Kunst in Frage. Was in Düsseldorf seinen Anfang nahm, entwickelte sich im Laufe eines knappen Jahrzehnts zu einer der bedeutendsten Avantgardebewegungen des 20. Jahrhunderts, die gemeinsam mit parallel entstandenen Gruppierungen und anderen Künstlerkolleg*innen in Italien, Frankreich, Belgien und den Niederlanden die Kunst bis heute beeinflusst. Rund 50 Jahre später sind es erneut Heinz Mack, Otto Piene, Günther Uecker, die zusammen mit der Stiftung Museum Kunstpalast die ZERO foundation als gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts 2008 in Düsseldorf gründen. Die Künstler brachten Kunstwerke und Archivalien wie Fotografien, Korrespondenzen, Einladungskarten, Entwürfe, Plakate und Ausstellungskritiken in die Stiftung ein.

Als international vernetztes Zentrum wissenschaftlicher Forschung befasst sich die ZERO foundation mit dem Erhalt, der Geschichte, der Präsentation und der Kontextualisierung der ZERO-Kunst und der ZERO-Bewegung. Bislang fanden unter anderem Ausstellungen statt im Hyogo Prefectural Museum of Art, Kobe, Japan; Solomon R. Guggenheim Museum, New York, USA; Martin-Gropius-Bau, Berlin; Stedelijk Museum, Amsterdam, Niederlande; und im Pohang Museum of Steel Art, Pohang, Republik Korea.

Die ZERO foundation veröffentlicht die Ergebnisse ihrer Forschung in eigenen Publikationen. Seit 2018 veranstaltet die ZERO foundation im ZERO-Haus in Düsseldorf Vorträge, Filmaufführungen und Ausstellungen.