Das zerbrechliche Paradies

Das Gasometer Oberhausener zeigt die bewegte Klimageschichte unseres Planeten, globale Zusammenhänge und den Einfluss des Menschen auf seine Umwelt.

Einmal wie ein Astronaut aus dem All auf die Erde schauen?
Die Welt und ihre Verwandlung vom Urkontinent zum besiedelten Planeten beobachten?

In einem 100 Meter hohen Raum schwebt eine gigantische Erdkugel. Auf deren Oberfläche präsentieren sich in brillanter Schärfe neben einer poetisch anmutenden Reise durch Milliarden von Erdenjahren auch die Folgen menschlichen Handelns.

Die innovative Ausstellung dokumentiert breit gefächert Spannungen zwischen überbordender Schönheit und erschreckender Zerstörung unserer Heimat. „Dafür haben wir mit großer Sorgfalt mehr als 100 preisgekrönte Fotografien, aufwühlendes Filmmaterial und original Exponate aus den vergangenen 180 Millionen Jahren zusammengetragen“, erzählt Jeanette Schmitz.

Wissenschaftlich fundiert und auch schön Das Earth Observation Center des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat fleißig Satellitendaten gesammelt: von Wolken, Flugzeug und Schiffsbewegungen, Meeresoberflächen und Meerestiefen, am Tag und in der Nacht. Nils Sparwasser, Projektleiter beim DLR, erläutert die schiere Menge an Daten: „Kein einzelner Satellit ist in der Lage, eine solche Sicht zu liefern, wie sie im Gasometer zu bestaunen ist. Allein die Möglichkeit, Taifune und Hurrikans rund um den Globus zu verfolgen, erfordert die Kombination von einem Dutzend verschiedener Datensätzen. Als Quelle nutzen wir Empfangsstationen in der ganzen Welt, von der Arktis bis zur Antarktis, aber natürlich auch in Deutschland. So etwa in Oberpfaffenhofen oder Neustrelitz“.

All diese Messwerte helfen, das komplexe Ökosystem unserer Erde zu verstehen – wissenschaftlich, aber auch emotional: Vereint in einer animierten Projektion entsteht auf der 20 Meter großen Erdkugel ein Gesamtkunstwerk voll bildgewaltiger Anmut. Unterlegt ist dieses visuelle Erlebnis mit speziell für die Ausstellung verfasster Musik des Österreichischen Komponisten Rupert Huber.

Stickoxide, die Rodung großer Urwälder, Ölverschmutzungen im Meer oder die Visualisierung des Ozonlochs – die zwanzig beleuchteten Globen auf der mittleren Etage des Gasometer Oberhausen zeigen Ergebnisse langfristiger Analysen der Erdbeobachtung durch spezialisierte Satelliten.

Sie bietet einen völlig neuen Blick auf die Erde, wie ihn auch Astronauten so nicht kennen. Multimedial mittendrin. Ein direkter und multimedialer Zugang zu klimarelevanten Informationen mit dem Einsatz modernster Technik. Als lebensechte Hologramme berichten vier internationale Experten über Klimaveränderungen und die Zukunft unserer Erde. Eine wohl einmalige Gelegenheit etwa dem deutschen Gesicht von Fridays for Future, Luisa Neubauer, oder dem Umweltwissenschaftler Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker Aug in Aug gegenüberzustehen.

Wie eine Vampirfledermaus rasant durch die Lüfte flattern oder als knallbunter Pfeilgiftfrosch in einer Landschaft aus Felsen und üppiger Vegetation herumhüpfen? Diesen immens spannenden Blickwechsel ermöglicht eine furiose 3D-Reise in den Nationalpark Tumucumaque im Nordosten Brasiliens. So wird aus der Illusion eines Regenwaldgebiets ganz schnell gelebte Realität.

Der Klimawandel ist da: menschengemachte Umweltkatastrophen sind längst nicht mehr wegzureden. Die Anzahl extremer Wetterereignisse wie Starkregen, Überschwemmungen, Erdrutsche, Hitzewellen und Waldbrände auf der ganzen Welt hat sich seit den 1990er Jahren nahezu verdoppelt. Die Ausstellung spiegelt diese beängstigend aktuellen Ereignisse, führt den Raubbau des Menschen an Umwelt und Tieren vor Augen und erinnert an unsere Pflicht zum aktiven Handeln. Denn es gibt Hoffnung: Internationale Protestbewegungen finden regen Zulauf, besonders bei jüngeren Menschen, und alternative Energieformen decken bereits über die Hälfte des Stromverbrauchs in Deutschland ab.

Exemplarisch für klimaschonende Energiegewinnung steht „Noor“, der weltgrößte Solarkomplex mitten in der Wüste Nordafrikas. Zusätzlich widmet sich die Ausstellung Projekten wie dem sogenannten „Bosco Verticale“, einem an Hauswänden senkrecht wachsenden Großstadt-Dschungel in Mailand oder der „Grünen Mauer Afrikas“, die Klimaschutz mit sozialen Konzepten vereint.

Gasometer Oberhausen, http://www.gasometer.de

Dienstags bis Sonntags: von 10 bis 18 Uhr
Montags: an Feiertagen und in den NRW-Ferien

Bilder:
Thomas Wolf,
Mitte: Erdskulptur Detailaufnahme Pol Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR),
Unten: Dirk Böttger