„FUTUR 21 – kunst industrie kultur“ Landesweites Festival ab November 2021 an 16 Industriemuseen

Mit dem gemeinsamen Medienkunstfestival wollen LWL und LVR eine Diskussion über Zukunftsthemen des 21. Jahrhunderts anregen und einen neuen Blick auf die Orte industrieller Vergangenheit eröffnen. Die insgesamt 32 Arbeiten knüpfen an die Geschichte der Orte an und beschäftigen sich mit Themen wie Klimawandel, Energiegewinnung, Ressourcen und künstliche Intelligenz. Höhepunkt ist ein vierwöchiges Festival im März 2022.

Für die Licht- und Videoinstallationen werden die Standorte bei freiem Eintritt bis spät in den Abend geöffnet sein. Auch im übertragenen Sinn will „Futur 21“ Industriekultur in ein neues Licht rücken. LWL-Direktor Matthias Löb: „Vor 40 Jahren, als die Fabrikarbeit ins Museum kam, stellten wir die Frage, welche Zukunft diese Arbeit noch hat. Angesichts des Klimawandels stellt die junge Generation das Erbe des Industriezeitalters in Frage, zugleich zieht sich gerade die Aufbaugeneration der Industriemuseen zurück. Für die Industriemuseen ist es an der Zeit, unsere Museen zu Orten zu machen, an denen stärker über Zukunft verhandelt wird.“

32 künstlerische Positionen an 16 Orten

Insgesamt 32 künstlerische Arbeiten werden an den 16 Industriemuseen Vergangenheit und Zukunft miteinander verknüpfen. Milena Karabaic, LVR-Dezernentin für Kultur und Landschaftliche Kulturpflege: „Futur 21 ist nicht einfach ein weiteres Festival der Künste, das Industrie nur als Kulisse nutzt. Unser Festival bringt historische Erinnerung und künstlerische Imagination zusammen. Die überwiegend eigens für die Orte entwickelten Arbeiten sind von den Geschichten inspiriert, die die einstigen Fabriken und Anlagen erzählen. Geschichten von Aufbruch und Fortschritt, von der Gestaltung der Welt durch Arbeit, von der Entfesselung der Energie und Indienstnahme, wenn nicht Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Auf diese Weise können sie Impulse geben, unsere ureigenen Themen auf die Zukunft hin auszurichten. Die einstigen Fabriken werden damit noch einmal zu Orten der Transformation.“

Das Spektrum der gezeigten Arbeiten reicht von Fassadenprojektionen über Video-Installationen bis hin zu interaktiven Mixed-Reality-Games und Audio-Walks. Jeweils eine Position in jedem Museum wird dauerhaft gezeigt und den Impuls von „Futur 21“ nachhaltig verankern. Diese Arbeiten werden ab November wöchentlich an den 16 Museen eröffnet. Eine zweite Arbeit kommt temporär im Rahmen des Festivals im März 2022 hinzu. Je vier Standorte werden sich dann jeweils eine Woche lang einem Thema widmen: Energie, Ressourcen, Fortschritt und Arbeit.

„Mit dem Festival stellen die Industriemuseen Weichen für das 21. Jahrhundert“, erklärte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. „Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Wie können wir nachhaltig mit den vorhandenen Rohstoffen haushalten? Das sind Fragen, die viele Menschen und vor allem die Jüngeren heute beschäftigen. Digitale Kunst als Medium der Zeit kann neue Denkanstöße geben – nicht nur im Rahmen des Festivals, sondern darüber hinaus. Auch mit unserem Begleitprogramm sprechen wir deshalb gezielt junge Menschen an. Sie können sich an allen Standorten im Rahmen der ‚Medienkunstfabrik‘ spielerisch, kreativ und digital – über Smartphone und VR-Technik – mit den Themen auseinandersetzen.“

Zum Auftakt von „Futur 21“ findet am 4. und 5. November auf der Zeche Zollern in Dortmund die Fachkonferenz „Industrial Culture for Future“ statt. Sie soll eine neue „Charta der Industriekultur“ auf den Weg bringen. Panels, Vorträge und Debatten kreisen um die Frage, inwiefern Industriemuseen als gesellschaftliche Foren die Zukunftsthemen der post-industriellen Gesellschaft in den Fokus nehmen können. Die Konferenz endet mit der Eröffnung von zwei Kunstinstallationen in Dortmund und Oberhausen:

Die Performance „Subassemblies“ von Ryoichi Kurokawa im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund (4.11.) bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Konzertstück, audiovisueller Installation und Skulptur. Digitale Abbilder von wuchernder Natur und verfallenden Gebäuden werden dekonstruiert und in neuen Bauteilgruppen (subassemblies) zusammengesetzt.

Die poetische Installation „Waterlicht“ des niederländischen Künstlers Daan Roosegaarde wird das Gelände des Peter-Behrens-Baus in Oberhausen an zwei Abenden (5./6.11.) großräumig symbolisch mit Wasser fluten. „Waterlicht“ ist eine sich ständig verändernde und durch Licht erzeugte virtuelle Flut, in die Besucherinnen und Besucher förmlich eintauchen können. Sie erinnert an die Kraft des Wassers, aber auch an die Auswirkungen der Klimakrise und die Ewigkeitslasten des Bergbaus.

4.11.2021 – 2.4.2022,  http://www.futur21.de

Bilder:
Oben re: „Positively Charged“ Kasia Molga (12.-19.3.2022 Kraftwerk Ermen & Engels in Engelskirchen) übertragen Besucher:innen die Energie ihres Körpers auf ein Lichtdisplay.
(Foto: Kasia Molg)

Oben li: „Waterlicht“ ist eine sich ständig verändernde und durch Licht erzeugte virtuelle Flut, die durch Regen und Wind beeinflusst wird (Foto: Daan Roosegaarde) / Performance des Künstlers Ryoichi Kurokawa, die sich an der Schnittstelle zwischen Konzertstück, audiovisueller Installation und Skulptur bewegt (Foto: Studio RYOICHI KUROKAWA)
Mitte: v.li.n.re.: / Das japanische Künstlerduo „Flightgraf“ realisiert seit 2013 Fassadenprojektionen (Bild: Kirche St. Joseph in Macau, China). Für das historische Gebäude der Tuchfabrik Müller in Euskirchen entwickeln Kento Tomiyoshi und Makoto Shozu eine Projektion über den globalen Fluss von Ressourcen, Textilien und Bekleidung (19.-26.3.2022), (Foto Syuhei Miyanaga)
Unten: v.li.n.re.: In der Walzhalle der Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen installiert der italienische Künstler Quayola eine „Sculpture Factory“: Ein Industrieroboter modelliert aus Materialblöcken endlose Variationen antikisch anmutender Skulpturen (5.-12.3.2022), (Foto: Quayola) / In seiner audiovisuellen Installation „Slow Violence“, die im März 2022 auf der Zeche Hannover in Bochum gezeigt wird, macht Joanie Lemercier die Eingriffe des Menschen in die Umwelt zur Energiegewinnung erlebbar. Mit monumentalen Drohnenaufnahmen dokumentiert Lemercier Zerstörungen durch den Braunkohletagebau im Rheinischen Revier, (Foto: Joanie Lemercier)