Elisabeth Wagner – hinten links ist Schimmer

Elisabeth Wagners große Vorliebe für elementare Formen entstand ursprünglich durch ihre Auseinandersetzung mit der Konzeptkunst und der Minimal Art. Durch ihr Œuvre zieht sich das Interesse am Begreifen des Raums im Sinne Donald Judds wie ein roter Faden.

Sie stellt immer wieder die gleichen Fragen:
Wie nehmen wir Räume wahr?
Wie verändern sich Museumsräume, wenn in
ihnen Skulpturen platziert sind?
Wie gestaltet sich der Dialog zwischen Objekt,
Grenze und Zwischenraum?

Ebenso gehört Wagner zu den wenigen Bildhauern, die mit großer Selbstverständlichkeit und Souveränität zwischen figürlichen und abstrakten Modi wechseln. Sie schafft durch die Grenzenlosigkeit der Objekte eine sich immer ändernde neue räumliche Wahrnehmung. Passend dazu, verweist der Titel der Ausstellung auf den sogenannten „Schimmer“, der für die Grenze von Objekten steht. Ihr Werk spannt den weiten Bogen von gegenstandslosen Formen und Objekten bis hin zu Bildnisbüsten nach berühmten Porträts der Malereigeschichte (Rembrandt, Goya, Dürer) sowie Tierfiguren.

Die Künstlerin, die seit 1996 als Professorin für Bildhauerei an der Muthesius Kunsthochschule Kiel lehrt, arbeitet bevorzugt mit Materialien, die nicht die Schwere der Tradition (wie Bronze oder Marmor) mit sich tragen. Stattdessen bevorzugt Wagner Gips, Pappe und Tannenzapfen, wodurch sie einen stets sichtbaren und nachvollziehbaren Herstellungsprozess schafft. Ihr Umgang mit dem plastischen Gestaltungsmaterial ist unprätentiös und ihre Arbeiten entziehen sich einem Skulpturbegriff, der lediglich die Erscheinungen der äußeren Welt abbildet. Die bewusste Nutzung fragiler Materialien weist, wie sie selbst sagt, auf die Zerbrechlichkeit des Lebens hin.

Geboren wurde die Künstlerin (1954) in Baden-Württemberg, sie lebt und arbeitet heute in Hamburg und Kiel. Elisabeth Wagner besuchte von 1974 bis 1978 die staatliche Akademie für Bildende Künste in Karlsruhe und studierte dort bei Wilhelm Loth. Außerdem begann sie noch von 1978 bis 1982 ein weiteres Studium bei Franz Erhard Walther an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Durch diese beiden Künstler hat Elisabeth Wagner zwei vollkommen unterschiedliche Welten kennengelernt, sie miteinander verbunden und ihrer Kunst damit einen besonderen Ausdruck verliehen. Seit den 1980er-Jahren befinden sich auch viele Skulpturen und Installationen im öffentlichen Raum in Deutschland.

Ausstellung bis 13.02.2022, Gerhard Marcks Haus, Bremen, www.marcks.de

Bilder:
Lucretia unterm Rock 2010, Gips, bemalt, Packpapier, Rollbrett
Zeichen 2021, Pappe z.T. bemalt, Atelieransicht
VG Bild-Kunst Bonn 2021