„We Want You!“ –  Von den Anfängen des Plakats bis heute

Die Ausstellung deckt eine große Zeitspanne von den Vorläufern des Plakats im 18. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart ab. Beginnend mit dem „wilden Kleben“ etabliert sich Mitte des 19. Jahrhunderts die Werbung an den Litfaßsäulen; ab den 1920er Jahren entstehen erste Kampagnen und bis zur Einführung des Fernsehens Mitte der 1950er Jahre bleibt das Plakat das Leitmedium der Werbung.

Mit der Großfläche gewinnt es in den folgenden Jahren eine neue, starke Sichtbarkeit. Fortan bestimmen technische Neuerungen den Wandel hin zu neuen Formaten und permanenter Präsenz. Durch die Digitalisierung und Vernetzung, durch interaktive Elemente mit direkter Ansprache und zielgruppenorientierter Aussteuerung wird der öffentliche Auftritt des Plakats erweitert.

Vom „wilden Kleben“ über die Litfaßsäule bis in die digitale Gegenwart und Zukunft des Plakats wird anhand von wichtigen Exponaten der Plakatgeschichte, u. a. von Lucian Bernhard, Isolde Baumgart, Hans Hillmann, Alfons Maria Mucha, Henri de Toulouse-Lautrec und Charles Paul Wilp, ein kultur- und medienhistorischer Blick auf die Welt der Werbung geworfen.

Neben der Stilgeschichte der Plakate ist die Art und Weise, wie sie im öffentlichen Raum präsentiert werden, entscheidend für ihre öffentliche Wahrnehmung und Wirkung. Nur selten ist die Beziehung von Werbung und öffentlichem Raum bisher beschrieben worden. Die Ausstellung stellt diesem Zusammenhang anhand von über 300 ausgewählten Plakaten, über 30 frühen Anschlagzetteln, Karikaturen, Illustrationen und zahlreichen Fotografien dar.

Die Ausstellung ist chronologisch sortiert und zeigt, wie die Werbung in ihrer jeweiligen Zeit im öffentlichen Raum zu sehen war. Typische Werbeträger von der Litfaßsäule bis zur Videostele werden im Original ausgestellt. Einen Ausblick in die Zukunft bietet das neueste Modell einer Haltestelle für den öffentlichen Nahverkehr, die Werbung, Information, Dachbegrünung und Stadtmöbel zusammenführt. Weitere zukunftsträchtige Entwicklungen zeigen sich in der Animation von Plakaten. Ein Kapitel präsentiert verschiedene Möglichkeiten, wie sich mittels App oder filmischer Umsetzung Standbilder hin zu Bewegtbildern interpretieren lassen und so neue Sichtweisen auf einzelne Gestaltungselemente geboten werden.

Das Plakat spielte bereits für den Gründer des Museum Folkwang Karl Ernst Osthaus (1847–1921) eine wichtige Rolle: Zur Sammlung seines 1909 gegründeten Deutschen Museum für Kunst in Handel und Gewerbe in Hagen gehörte auch ein Konvolut von Plakaten der besten Gestalter Deutschlands. Nach seinem Tod ging die Museumssammlung an das Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld. Als im Zuge der Neustrukturierung der Essener Museumslandschaft das 1974 gegründete Deutsche Plakat Museum im Jahr 2008 zu einer Abteilung des Museum Folkwang wurde, schloss sich somit auch eine Lücke, die die Breite der Akzeptanz und Präsentation kreativer Leistungen – ganz im Sinne von Osthaus – deutlich erweiterte.

08.04.-28.08.2022, Folkwang Museum, Essen,

Bild: Kiwi. Plakate machen aufmerksam. 150 Jahre Litfaßsäule, Deutschland, 2006, Floriane Mathea, Fachverband Aussenwerbung e.V.