Im Auge des Drachen – Keramik aus Vietnam und Thailand

In der neuen Ausstellung präsentiert das Hetjens – Deutsches Keramikmuseum, Düsseldorf, über 80 Keramiken aus Thailand und Vietnam. Die Ausstellung zeigt einen Überblick über die Keramikproduktionen der beiden Länder und die Einflüsse oder Abgrenzungen zum Kunstgewerbe des benachbarten China. Die Exponate reichen dabei vom 2. Jahrtausend vor Christus bis ins 19. Jahrhundert.

Die außergewöhnlichen Stücke, die vornehmlich aus Privatbesitz in die Museumssammlung gekommen sind, werden erstmals gemeinsam in einer Schau gezeigt. „Über 45 Jahre liegt die letzte Ausstellung des Hetjens zu südostasiatischer Keramik bereits zurück, die hauptsächlich thailändische Kunstwerke präsentierte“, sagt Janine Ruffing, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin der neuen Studioausstellung im Deutschen Keramikmuseum. „Seitdem konnte der Bereich durch mehrere private Sammlungen, besonders Vietnam, ergänzt und bedeutend vergrößert werden“, so Ruffing weiter.

Jenseits der noch heute zahlreich erhaltenen Ruinen der historischen Hauptstädte Südostasiens, wie beispielsweise Sukhothai im Norden Thailands, brachten wissenschaftliche Grabungen in Vietnam, zunehmend seit den 1960er-Jahren, laufend neue Kenntnisse über die Kultur, die künstlerischen Traditionen und Lebensformen der indigenen Bevölkerung zutage. So ist in Südostasien eine lange Keramiktradition mit ungewöhnlichen Formen zu beobachten. Bereits vor mehreren hundert Jahren fertigten Töpfer drachenähnliche Wächterfiguren für Tempelanlagen, kleine Architekturmodelle als Grabbeigabe oder Wasserkrüge aus jadegrünem Seladon in Form von Unterwassertieren. Die Tierarten geben auch einen Aufschluss über die religiösen Vorstellungen, so wurde etwa als Abwehr- und Schutzsymbol ein Makara-Drache, eine Figur mit Drachen und Reptilienmerkmalen, am Dach eines Tempels angebracht und stammt als Symbol ursprünglich aus dem überwiegend hinduistischen Indien.

Dem Zufallsfund eines amerikanischen Studenten in den 1960er-Jahren ist es zu verdanken, dass der singuläre Fundort Bang Chiang Einblicke in eine 4.000 Jahre alte Kultur im Norden Thailands geben kann. Nach den ersten Funden, als einzelne Scherben gesammelt, kamen durch Ausgrabungen elegante Gefäßformen mit kräftig roten geschwungenen Linien zutage, die einen großen Formenreichtum und jahrhundertelange Kontinuität der Kultur belegen und daher 1992 zur Aufnahme des Areals in die UNESCO-Weltkulturerbeliste führten.

In Vietnam konzentrierten sich die Produktionszentren für Keramik vornehmlich im Norden. Besonders in der Gegend um Thanh Hóa, ausgestattet mit Tonvorkommen und Wasserzugang, boten sich hervorragende Bedingungen, die über Jahrhunderte eine qualitätvolle Keramikherstellung ermöglichten. Die Bandbreite reichte von weißer, glasierter Ware im 11. und 12. Jahrhundert bis zu Keramik mit grüner Glasur, ähnlich der aus China bekannten Seladonware. Sie sollte die Farbe des Schmucksteines Jade nachempfinden, häufig dekoriert mit Lotusblütenmotiven, dem Symbol für Reinheit und Schönheit. Unabhängig von chinesischen Vorbildern zeigten sich auf der Keramik Tiermotive, wie Elefanten oder Vögel mit langen Pfauenfedern, die einen rein vietnamesischen Bezug hatten.

Über Export und Verbreitung der vietnamesischen Keramik geben archäologische Untersuchungen und die Bergung gesunkener Schiffe vor der Küste und deren Ladung Aufschluss. Spektakulär war vor allem die Bergung eines Schiffes in den 1990er-Jahren vor der vietnamesischen Hafenstadt Hoi An, das über 250.000 Keramikobjekte transportierte. Die Hebung der Ladung mit über 160 Mitarbeitenden dauerte circa vier Jahre und erinnert an einen archäologischen Krimi, da die Wetterumstände in diesem Meeresgebiet und die Lage des Fundortes in einer Tiefe von 70 Metern viele Schwierigkeiten mit sich brachten. Zahlreiche Wracks wurden seitdem im südchinesischen Meer lokalisiert. Sie hatten in erster Linie die so beliebte und seit dem 15. Jahrhundert vermehrt hergestellte, Blau-Weiße Ware geladen, die in alle Welt gehandelt wurde.

28.04.-28.08.2022, Hetjens – Deutsches Keramikmuseum, Düsseldorf, http://www.duesseldorf.de/hetjens

(Bilder: Landeshauptstadt Düsseldorf/Melanie Zanin)