Fujiko Nakaya. Nebel Leben

Das Haus der Kunst München zeigt die erste Werkschau von Fujiko Nakaya (*1933 in Sapporo, Japan) außerhalb Japans. Nakaya wurde in den 1960er Jahren als Mitglied des New Yorker Kollektivs Experiments in Arts and Technology (E.A.T.) bekannt und erlangte internationales Renommee für ihre immersiven Nebelkunstwerke, die sich über die traditionellen Konventionen der Bildhauerei hinwegsetzten, indem sie temporäre, grenzenlose Transformationen erzeugten, die das Publikum mit einbeziehen und der Atmosphäre Gestalt verliehen.

Schon früh beschäftigte sich Nakaya mit ökologischen Fragen und arbeitete mit Wasser und Luft – Elemente, die angesichts der Klimakrise eine besondere Bedeutung gewonnen haben. Von den frühen Gemälden der Künstlerin bis hin zu ihren Nebelskulpturen, Ein-Kanal-Videos, Installationen und Dokumentationen, die Nakayas kulturelle und soziale Bezüge aufzeigen, bietet diese erlebnisorientierte Ausstellung einen umfassenden Überblick über eine der bedeutendsten Künstlerinnen Japans.

„Nebel lässt sichtbare Dinge unsichtbar werden,
während unsichtbare – wie Wind – sichtbar werden.“
Fujiko Nakaya

Die Nebelskulpturen von Fujiko Nakaya bestehen vollständig aus Wasser. Sie fordern traditionelle Vorstellungen von Skulptur heraus, indem sie sich je nach Temperatur, Wind und Atmosphäre in jedem Augenblick verändern.

Nakayas Gemälde und Zeichnungen zeugen von einer Sehweise, die von wissenschaftlich exakter Beobachtung geprägt ist. Für die Künstlerin ist Beobachtung das Grundprinzip sowohl von Kunst als auch von Wissenschaft. Die Gemälde ähneln abstrakten Landschaften und verweisen auf das Interesse der Künstlerin an zyklischen Prozessen von Zerfall und der Entstehung neuen Lebens. Die gemalten Wolken und biomorphen Formen bilden dabei eine wesentliche Verbindung zu Nakayas Praxis der bewegten Bilder und ihren Nebelskulpturen. 

Fujiko Nakaya ist eine visionäre Künstlerin, deren Arbeit nicht nur von ökologischem Bewusstsein angetrieben wird, sondern die sich auch von den etablierten Traditionen der ostasiatischen und westlichen Bildhauerei abhebt. In ihrem Werk klingt die Geschichte ihrer Zeit mit, ohne sich den Bewegungen Gutai, Mono-Ha oder den europäisch-nordamerikanischen Strömungen von Anti-Form, Process Art und Post-Minimalismus unterzuordnen. Ihr Werk lässt die Grenzen zwischen Wissenschaft, Kunst und Technologie verschwimmen, und lädt durch direkte körperliche Erfahrung dazu ein, die Beziehung von Mensch und Umwelt neu zu denken.

Ausstellung bis 31.07.2022, Haus der Kunst, München
www. hausderkunst.de

(Fotos: Andrea Rossetti)