30.07.-07.08.2022: 77. Sommerliche Musiktage Hitzacker – Zeit.Räume

Hitzacker ist ein besonderer Ort: nicht nur, weil sich hierher jeden Sommer von nah und fern, von diesseits und jenseits der Elbe Kammermusik-Pilger neugierig auf den Weg machen, um intensiv in die Wunder des musikalischen Miteinanders zu tauchen. Es ist auch jener Ort, der jahrzehntelang „Zonenrand“ war, unmittelbar an einem unüberwindbar scheinenden Abschnitt, und doch ein „Arkadien“ der besonderen und dichten musikalischen Erlebnisse.

Auch in 2022 wird es mehrere Uraufführungen geben, darunter ein Werk des Komponisten Mark Andre. Hinzu kommt die Erstaufführung eines außergewöhnlichen Gemeinschaftswerkes von Enno Poppe und Rebecca Saunders. Auf „Zeit.Raum“-Entfernung wird in ihm das Schaffen des jeweils anderen kommentiert und in Kombination mit Kammermusik-Klassikern etwa von Mozart, Schumann und Brahms zur Diskussion gestellt.

 „In Zeiten, in denen sich das Kulturleben neu aufstellt – ja aufstellen muss –, sich hinterfragt und den viel zitierten Neustart probt, fühlen wir uns ganz beheimatet: Unser Festival ist darin geübt, seit jeher ein Ort des Aufbruchs und der Erfindung zu sein“, so Wille.

So wird die Eröffnungsproduktion „Kokon“ mit Bas Böttcher (Slam Poetry), Yui Kawaguchi und Ruben Reniers (Tanz), Johannes Fischer (Schlagzeug, Komposition) und dem Kuss Quartett Wortkunst, Performance, Musik und Imagination zusammenbringen – Zeitläufe verschmelzen und nicht nur die zentrale Bühne ist dabei Ort des Geschehens.

Pierre-Laurent Aimard – einer der wichtigsten Pianisten unserer Zeit – setzt gemeinsam mit dem Kuss Quartett die Musik Elliott Carters, die besonders raffiniert Zeit und Raum durch rhythmisch-metrische Verschiebungen aufhebt, zu Mozart in Beziehung.

Die Sopranistin Ania Vegry führt Poulencs Monodrama „Die menschliche Stimme“ auf, eine ergreifende Oper über äußere und innere Distanz. Und, wie um aus Zeit und Raum herauszutreten, erklingt Musik von Frederic Mompou in einem Sonnenaufgangskonzert.

International gefeierte Künstlerinnen und Künstler wie Viviane Hagner, Kim Kashkashian, Ian Bostridge, Harriet Krijgh (erstmals in Hitzacker), Ania Vegry, Pierre-Laurent Aimard, das Quatuor Diotima, die Camerata Bern, Baiba und Lauma Skride und viele andere sind in Hitzacker zu erleben, ebenso – auch das gehört zur DNA des Festivals – besonders talentierte Nachwuchsmusiker wie der Geiger Javier Comesaña Barrera.

In der Not des ersten Pandemiejahres erdacht, wird die Konzertbühne auch 2022 inmitten des Publikums zu finden sein – klanglich, räumlich und atmosphärisch ein vielbesprochener Gewinn.

http://www.musiktage-hitzacker.de

(Foto: Kay-Christian Heine)