Entdeckt – Verfemt – Gefeiert

Zum 100. Jubiläum des Museum Folkwang in Essen nimmt diese Ausstellung einen Sammlungsschwerpunkt in den Blick, der eng mit der Geschichte des Hauses verwoben ist. Anhand von etwa 250 Meisterwerken des Expressionismus zeichnet sie die vielfältigen Verbindungen zwischen den Künstler-/innen und dem Museum Folkwang nach. Werke von u. a. Paula Modersohn-Becker, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Franz Marc, Gabriele Münter, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff und Egon Schiele kommen aus nationalen und internationalen Sammlungen nach Essen und werden mit Hauptwerken aus der Folkwang-Sammlung vereint.

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts standen Museumsgründer Karl Ernst Osthaus und der spätere Direktor des Museum Folkwang Ernst Gosebruch in engen Beziehungen mit namhaften Künstler-/innen des Expressionismus. Sie stellten deren Werke oft erstmalig aus und kauften Arbeiten für das Museum. Mit seinen frühen Ausstellungen war das Museum Folkwang nicht nur Vorreiter für andere Museen, sondern inspirierte auch die expressionistische Künstler-/innen. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden dem Museum über 1.400 meist expressionistische Werke entzogen. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Wiederaufbau der Sammlung.

Die wechselvolle Geschichte wird in Expressionisten am Folkwang anschaulich im Werk der Künstlerin Paula Modersohn-Becker (1876–1907). Bereits 1913 wird ihr Schaffen in einer großen Retrospektive am Museum Folkwang gewürdigt. Aus dieser Ausstellung erwirbt Karl Ernst Osthaus ihr Selbstbildnis mit Kamelienzweig (1906/1907). Im Zuge der Beschlagnahmeaktion „Entartete Kunst“ wurde das Gemälde 1937 konfisziert und u.a. in München diffamierend zur Schau gestellt. Von dort geriet es in eine Privatsammlung. 1957 gelang dem Museum Folkwang der Rückkauf.

In „Expressionisten am Folkwang“ wird die Retrospektive zu Paula Modersohn-Becker in Teilen rekonstruiert und mit 11 weiteren Leihgaben kombiniert, die ebenfalls 1913 im Museum Folkwang zu sehen waren. Andere Ausstellungsräume nehmen die Verbindungen zu Künstler-/innen der Brücke oder des Blauen Reiter, aber auch zu Egon Schiele oder Oskar Kokoschka in den Blick. In einem chronologischen Rundgang lässt sich die Geschichte des Expressionismus am Beispiel des Museum Folkwang bis in die Gegenwart verfolgen.

Ausstellung 20.08.2022-08.01.2023, Folkwang Museum, Essen,
http://www.museum-folkwang.essen.de

Bild: Liegender Stier (Foto: Folkwang Museum)