Christo und Jeanne-Claude: Verhüllte Welt

Die Ausstellung „Christo und Jeanne-Claude – Paris. New York, Grenzenlos“ im Düsseldorfer Kunstpalast zeichnet mit rund 70 Werken die künstlerische Entwicklung von Christo und Jeanne-Claude seit Mitte der 1950er Jahre bis zu Christos Tod im Mai 2020 nach.

Zum ersten Mal wird noch bis zum 22. Januar 2023 das in Frankreich entstandene Frühwerk im Kontext mit Arbeiten von internationalen Weggefährt/-innen wie Arman, Jean Dubuffet, Lucio Fontana, Yves Klein, Niki de Saint Phalle und anderen präsentiert.

Aus dem vielfältigen Bezugsfeld der Avantgarde im Paris der 1950er Jahre wird deutlich, wie die Werkentwicklung des Künstlerpaars verlief und was ihre künstlerische Position ausmacht. Mit ihren Projekten gelang es Christo und Jeanne-Claude, die Grenzen des Kunstbetriebs zu erweitern und eine breite Öffentlichkeit zu begeistern. „Diese Werkschau“, hebt Felix Krämer, Generaldirektor Kunstpalast, hervor, „ist die letzte Ausstellung, der Christo kurz vor seinem Tod im Mai 2020 noch zugestimmt hat. Ich freue mich, dass wir diese Präsentation 60 Jahre nach Christos und Jeanne-Claudes ersten Aufenthalten in Düsseldorf und im Rheinland hier realisieren können“.

Die Ausstellung präsentiert in zehn Themenräumen die wichtigsten Projekte des Künstlerpaares – vom Eisernen Vorhang in Paris 1962 bis zur noch nicht verwirklichten Mastaba in Abu Dhabi. Sie beginnt mit Christos Frühwerk und seinen ersten künstlerischen Arbeiten in Paris. Hier kam der 1935 geborene, an der Kunstakademie Sofia ausgebildete und aus Bulgarien geflohene Christo Vladimirov Javacheff in Kontakt mit den Werken verschiedenen internationalen Kolleg/-innen.

In Paris begegnete Christo 1958 bei der Ausführung eines Porträtauftrags der ebenfalls 1935 geborenen Jeanne-Claude Denat de Guillebon. „Als Christo und Jeanne-Claude ihre ersten Arbeiten entwickelten, war Paris noch das Zentrum der Internationalen Avantgarde“, betont Kay Heymer, Kurator der Ausstellung. „Einen besseren Ort hätten sie nicht finden können, um ihre eigene künstlerische Sprache zu bilden. Wir zeigen in der Ausstellung mit ausgewählten Beispielen ihrer Frühwerke zusammen mit ihren Inspirationsquellen und Weggefährten, wie dieser Prozess von den Anfängen bis zu ihrer vollständigen Eigenständigkeit verlaufen ist.“

Seit Ende der 1950er Jahre pflegte Christo Kontakte zu Galerien und Sammler*innen im Rheinland. Er freundete sich mit Nam June Paik, Joseph Beuys und den ZERO-Künstlern Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker an. In Köln fand 1961 in der Galerie Haro Lauhus Christos erste Einzelausstellung überhaupt statt. 1963 präsentierte er in der Düsseldorfer Galerie Schmela das Werk „Verhüllter VW-Käfer“.

Für das Künstlerpaar, das für die Finanzierung ihrer aufwändigen Kunstprojekte weder Sponsorengelder noch Spenden akzeptierte, wurde der Verkauf von Zeichnungen, Skizzen, Grafiken und Collagen, mit denen Christo die geplanten Projekte visualisierte, zur entscheidenden finanziellen Grundlage für die Realisierung. Bedeutend war zudem das Kommunikationstalent von Jeanne-Claude sowie die Beharrlichkeit des Künstlerduos bei der Verfolgung ihrer Ziele, deren Verwirklichung sich mitunter über Jahrzehnte hinziehen konnte.

Zwei der in der Ausstellung gezeigten Projekte bilden im Werk von Christo und Jeanne-Claude Höhepunkte: die Verhüllung des Berliner Reichstags und die Verhüllung des Triumphbogens in Paris. Bereits 1961 hatte sich das Künstlerpaar mit der Idee beschäftigt, ein öffentliches Gebäude zu verhüllen.

Seit den 1970er Jahren schuf Christo Zeichnungen, mit denen er die Verhüllung des Reichstags visualisierte. Nach umfänglichen Debatten und einem langjährigen Genehmigungsprozess konnte die Verhüllung des politischen Gebäudes 1995 realisiert werden.

Ausstellung bis 22.01.2023, Kunstpalast Düsseldorf

Bilder:
Oben: Verhüllter Triumphbogen, Paris, 1961-2021, Christo and Jeanne-Claude Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn, 2022, Foto: Wolfgang Volz
Links: (von oben nach unten:
Die schwimmenden Stege. Projekt für den Iseo-See, Italien, 2014, Sammlung Ingrid & Thomas Jochheim, Christo and Jeanne-Claude Foundation/ VG Bild-Kunst, Bonn, 2022 Foto: André Grossmann,
Die Tore. Projekt für den Central Park, New York City, 2004, Sammlung Ingrid & Thomas Jochheim, Christo and Jeanne-Claude Foundation/ VG Bild-Kunst, Bonn, 2022 Foto: Hanna Neander,
Verhüllte Flasche und Dosen, 1958–2001, Sammlung Ingrid & Thomas Jochheim, Christo and Jeanne-Claude Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn, 2022 Foto: Hanna Neander,
Die Schirme. Gemeinschaftsprojekt für Japan und die USA, 1988, Sammlung Ingrid & Thomas Jochheim, Christo and Jeanne-Claude Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn, 2022 Foto: Archiv Christo and Jeanne-Claude Foundation
Unten:
li: Verhüllter VW-Käfer von 1961, 1963–2014; Christo and Jeanne-Claude Foundation; Christo and Jeanne-Claude Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn, 2022 Foto: Wolfgang Volz,
re: Christo und Jeanne-Claude während ihrer Aktion Verhüllter VW-Käfer, Düsseldorf 1963, Christo and Jeanne-Claude Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn, 2022 Foto: Charles Wilp,
Ganz unten:
li: Verhüllter Triumphbogen (Projekt für Paris) – Charles de Gaulle, 2019, Sammlung Ingrid & Thomas Jochheim, Christo and Jeanne-Claude Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn, 2022 Foto: André Grossmann,
mi: Verhüllter Reichstag, Berlin, 1971 – 95, Christo and Jeanne-Claude Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn, 2022 Foto: Wolfgang Volz,
re: Mein Kölner Dom, verhüllt (Projekt für Köln), 1992, Sammlung Ingrid & Thomas Jochheim, Christo and Jeanne-Claude Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn, 2022 Foto: Archiv Christo and Jeanne-Claude Foundation