À bruit secret. Das Hören in der Kunst

Dies ist die vierte in einer Reihe von fünf Themenausstellungen im Museum Tinguely, die sich auf experimentelle Art und Weise in die Welt der menschlichen Sinne begibt. Die Schau rückt den auditiven Sinn ins Zentrum, der beim multisensorischen Erleben von Kunst eine wichtige Rolle spielt. Sie bietet eine Vielfalt von kunsthistorischen, immersiven sowie interaktiven Begegnungen mit uns bekannten und unbekannten Klangwelten dieser Erde.

Sowohl historische als auch speziell für diese Ausstellung realisierte Arbeiten von rund 25 internationalen Kunstschaffenden animieren das Publikum zum genauen Hinhören und eröffnen dabei auch akustische Bereiche, die für das menschliche Ohr normalerweise verborgen bleiben. Wie hört sich die Klanglandschaft des Basler Rheins an, oder wie klingt es unter der Wasseroberfläche des Ozeans? Lassen sich Stadtlärm oder tierische und menschliche Stimmen als bildnerisch-skulpturales Material verwenden? Wie verändern sich die Geräusche des Urwalds im Zuge der Einflüsse von Mensch und Klimawandel? Können Schallwellen auch anders als über die Ohren wahrgenommen werden und wie lassen sich akustische Phänomene visuell darstellen? Gezeigt werden Skulpturen, multimediale Installationen, Fotografien, Papierarbeiten und Gemälde von der Zeit des Barocks bis zur Gegenwart.

Die akustische Welt besteht aus einer Vielfalt an Klängen unterschiedlicher Art, die den Menschen wie eine universale ‚Komposition‘ umgibt. Hörerlebnisse evozieren subjektiv und sozio-kulturell stark unterschiedlich geprägte Emotionen, Erinnerungen und Assoziationen, die auch geschichtlichen Wandlungen unterliegen. Seit den späten 1960er Jahren befassten sich Wissenschaftler, wie beispielsweise der kanadische Komponist und Klangforscher Raymond Murray Schafer mit der Unterteilung unserer akustischen Umwelt in sogenannte Klanglandschaften (englisch: Soundscapes): Dabei werden grundsätzlich drei Arten von Klangwelten unterschieden: natürliche, technische und menschliche, wozu neben der Stimme auch die Musik zählt. Spätestens seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird die von Maschine und Technik bestimmte akustische Landschaft immer vorherrschender und dringt fast überall auf dieser Welt in den ursprünglichen Sound der Natur ein.

R. Murray Schafer forderte eine Sensibilisierung unseres Hörsinns und legte auch wichtige Grundlagen für die sogenannte Ökoakustik, das Festhalten und Erforschen der sonoren Veränderungen unserer Ökosysteme durch Umwelteinflüsse und menschliche Eingriffe.

Vertreten sind Werke u.a. von folgenden Künstler-/innen:
Kader Attia, Ursula Biemann, George Brecht, Pol Bury, Cevdet Erek, Dominique Koch, Christina Kubisch, Fortunato Depero, Marcel Duchamp, Isa Genzken, Hermann Goepfert, Rolf Julius, František Kupka, Oswaldo Maciá, Marcus Maeder, Filippo Tommaso Marinetti, Carsten Nicolai, Emeka Ogboh, Meret Oppenheim, Nam June Paik, Alexander Tillegreen, Robert Rauschenberg, Dieter Roth, Luigi Russolo, Kurt Schwitters, Jean Tinguely, Bill Viola, Jorinde Voigt, James Webb.

Bis 14.05.2023, Museum Tinguely, Basel, www.tinguely.ch

Bilder:
Oben: Das Ohr von Giacometti, Meret Oppenheim
Unten. Weaving, Christina Kusch