THIERRY MUGLER: COUTURISSIME

Die spektakulär inszenierte Retrospektive stellt das facettenreiche Werk des visionären Couturiers, Regisseurs, Fotografen und Parfümeurs vor. Sie versammelt mehr als 150 zwischen 1977 und 2014 entstandene Haute-Couture- und Prêt-à-porter-Outfits, Bühnenkostüme und Accessoires, Videos, Fotografien, Entwurfszeichnungen und Archivmaterialien. Etwa 100 Werke berühmter Modefotografen von Helmut Newton (1920–2004) bis David LaChapelle (*1963), die Muglers Kreationen in Szene gesetzt haben, runden die Ausstellung ab.

In den frühen 1970er-Jahren revolutionierte der als klassischer Balletttänzer ausgebildete Mugler die Mode, indem er den fließenden Bohemien-Looks der Hippie-Zeit futuristische und komplex konstruierte Schnitte sowie skulpturale oder elegante körperbetonte Silhouetten entgegensetzte. Mit seinen Entwürfen verlieh Mugler den Menschen, die er einmal als ‚zerbrechliche, schöne Geschöpfe‘ bezeichnete, heroische Stärke. In Zeiten des Cocooning, des Rückzugs aus der als unüberschaubar und bedrohlich empfundenen Welt ins häusliche Privatleben, schuf Mugler mit Anleihen aus der Welt der Tiere und Mythen ebenso wie aus dem Universum moderner Technik und Architektur glamouröse Panzer, die Frauen in Superheldinnen verwandelten.

Er experimentierte dabei mit innovativen Materialien wie Metall, Plexiglas, Kunstpelz, Vinyl oder Latex. „Mein einziges Maß ist die Maßlosigkeit“, sagte Mugler über seine extravaganten Kreationen. Seine Entwürfe wurden von Stars wie Diana Ross (*1944), Liza Minelli (*1946), David Bowie (1947–2016), Céline Dion (*1968) oder Lady Gaga (*1986) getragen, ebenso schuf er Kostüme unter anderem für die Touren und Videos von Stars wie Beyoncé (*1981).

Überall auf der Welt gewann Mugler Mitarbeiter für die Umsetzung seiner fantastischen Ideen – darunter Autolackierer und Lederhandwerker, Drucktechniker und Fotografen, Wissenschaftler und Künstler. Charakteristisch für seine Mode ist eine raffinierte Mischung von Hoch- und Populärkultur, in der veredelte Haute Couture und Drag-Show-Drama zusammentreffen. Sie bewegt sich zwischen Elitismus und Massenwirksamkeit, zwischen Tradition und Transgression.

Als brillanter Geschichtenerzähler mit einer Vorliebe für theatralische Performances hat Mugler einige der spektakulärsten Modenschauen seiner Zeit inszeniert. Er entwarf Kostüme für die von der Comédie-Française und dem Festival d’Avignon verantwortete Inszenierung von Shakespeares Macbeth sowie für die Zumanity-Show des Cirque du Soleil und brachte seine eigenen Revuen wie die Mugler Follies in Paris und The Wyld im Berliner Friedrichstadt-Palast auf die Bühne.

Bis 30.08.2020, Kunsthalle München, kunsthalle-muc.de

Bilder:
Oben:

Ellen von Unwerth, Eva Herzigová, Vogue (Italien), 1992, Digitalprint, Outfit: Thierry Mugler, Kollektion Les Cow-boys, Prêt-à-Porter Frühjahr/Sommer 1992, Foto : © Ellen von Unwerth
Mitte:
li: Brad Branson und Fritz Kok, Comet Lady Blitz, September 1990, Outfit: Thierry Mugler, Kollektion Music-hall, Prêt-à-Porter Herbst/Winter 1990–1991, Foto: © Indüstria / Brad Branson und Fritz Kok
mi: Patrice Stable, Outfit: Thierry Mugler, Kollektion Les Insectes, Haute Couture Frühjahr/Sommer 1997, Foto: © Patrice Stable
re: Ellen von Unwerth (*1954), Eva Herzigová, hinter den Kulissen der Thierry Mugler Fashion Show, Paris, 1992, Silbergelatineabzug, Outfit: Thierry Mugler, Kollektion Les Cow-boys, Prêt-à-Porter Frühjahr/Sommer 1992, Foto: © Ellen von Unwerth