This is Surrealism! The Boijmans Masterpieces

Vierzig Meisterwerke aus Boijmans ‚Surrealismus-Sammlung‘ zeigt das Cobra Museum in Amstelveen besichtigt werden – Arbeiten von Dalí, Magritte, Man Ray und Agar.

1916 wandte sich eine Gruppe von Dichtern und Künstlern in Zürich gegen den Akademismus und alle vorherrschenden Ansichten zur Kultur. Ihre Ideen werden schnell von anderen aufgegriffen und es dauert nicht lange, bis die Dadaisten – wie sie sich selbst nennen – international agieren. Sie machen „Anti-Kunst“ wie Lärmkonzerte und Unsinnsgedichte. Ihre Ansichten bilden den Nährboden, aus dem der Surrealismus 1924 hervorging. Viele Dadaisten schließen sich daher später den Pariser Surrealisten um André Breton an. Anstatt ihren eigenen übergreifenden Stil zu entwickeln, verfolgen die Künstler eine neue Art von Schönheit, die sie in ihren Träumen, Zufällen und im Unterbewusstsein finden. Sie hoffen, die Kunst auf diese Weise weiter zu erneuern und einen poetischen Schock zu verursachen.

Als Reaktion auf die durch den Ersten Weltkrieg verursachten Gräueltaten lehnen die Surrealisten die Vernunft und alles Gemeinsame ab (wie es die Cobra-Bewegung aus demselben Grund nach dem Zweiten Weltkrieg getan hat). Stattdessen wollen sie Kunst schaffen, die widersprüchlich, irrational und schockierend ist. Um dies zu erreichen, entwickeln sie alle Arten von Spielen und Techniken, die den Zufall anregen und bestehenden Methoden wie Collagen neues Leben einhauchen. Insbesondere Max Ernst beherrscht Collagen sehr gut und inspiriert andere Künstler, darunter Joseph Cornell, ähnliche wundervolle Bilder und Collagen zu schaffen.

Ende der 1920er Jahre führte Salvador Dalí eine neue Technik ein, die auf paranoidem Denken basiert: die paranoid-kritische Methode. Damit meint er, dass beim Betrachten eines einzelnen Bildes eine endlose Reihe von Interpretationen eingeleitet werden kann. Auf diese Weise kann Dalí, der selbst unter Wahnvorstellungen leidet, seine Halluzinationen in etwas Produktives verwandeln. Darüber hinaus glaubt er, mit dieser Technik eine Alternative zum Automatismus und zum Traum als Inspirationsquelle bieten zu können, die seiner Meinung nach zu vorhersehbaren, stereotypen Bildern geführt haben.

Erotik und Begierde gehören zu den wichtigsten Themen des Surrealismus. Nach dem Vorbild des Wiener Psychiaters Sigmund Freud sind die Surrealisten davon überzeugt, dass der Mensch von unbewussten, instinktiven Impulsen kontrolliert wird. Diese können sich in getarnter Form beispielsweise in Träumen und Versprecher manifestieren. Zu Beginn der 1930er Jahre verlagerte sich der Schwerpunkt auf surrealistische Objekte.

Im Surrealismus werden Alltagsgegenstände verwendet, um ungewöhnliche Situationen zu schaffen, und René Magritte ist ein Meister darin. Magritte ist nicht sofort in der surrealistischen Bewegung enthalten. Sein maßgeschneiderter Anzug und seine Melone unterscheiden sich nicht nur von den in diesen Kreisen üblichen, er verwendet auch keine automatischen Techniken und zeigt keine Träume auf seinen Leinwänden. Stattdessen beginnt er zu malen, zum Beispiel über die Beziehung zwischen Wörtern und Bildern. In vielen seiner Werke mischt Magritte Realität mit Imaginärem und verleiht ihnen einen poetischen Titel. Das hier gezeigte Werk ‚La reproduction interdite (verbotene Darstellung)‘ von 1937 wurde im Laufe der Geschichte ebenfalls mit der Realität vermischt.

Im Surrealismus können Kunstwerke jede Form annehmen und sowohl figurativ als auch abstrakt sein. In vielen Werken gibt es sogar eine Kombination aus beiden. Zum Beispiel spritzt die sitzende Figur in Eileen Agars monumentalem Gemälde „Sitzende Figur“ in geometrische und florale Muster, Oberflächen und Linien. Andere Künstler, darunter Paul Delvaux und Carel Willink, evozieren mit ihren Gemälden eine Welt, die sowohl erkennbar als auch unwirklich ist. Alle gemalten Elemente – Skelette, Akte und Ruinen – stammen aus der Realität, nur ihre Konvergenz ist bemerkenswert.

Bis 27.09.2020, Cobra Museum, ZX Amstelveen, Niederlande, cobra-museum.nl

Bilder:

Oben: Galerieübersicht mit Salvador Dali, Mae West Lips Sofa, 1938, 
Sammlungsmuseum Boijmans Van Beuningen © Pictoright Amsterdam 2020
Galerie:
links oben: Ausstellungsübersicht mit Salvador Dali, Paar aux têtes pleines de nuages, 1936 Sammlungsmuseum Boijmans Van Beuningen © Pictoright Amsterdam 2020 (Foto: Peter Tijhuis)
links unten: Max Ernst, Le Ehepaar 1923 Sammlung Museum Boijmans Van Beuningen © Pictoright Amsterdam 2020
rechts: René Magritte, La Reproduktion Interdite, 1937 Sammlung Museum Boijmans Van Beuningen © Pictoright Amsterdam 2020