Frau darf… 100 Jahre Künstlerinnen an der Akademie

Vor rd. 100 Jahren wurden Frauen das das erste Mal an der Akademie der Bildenden Künste in München als Studierende zugelassen wurden: Im Oktober 1920 musste sich die Akademie nach längerem Sträuben weiblichen Studierenden öffnen. Obwohl einige, wenige Frauen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Akademiezulassungen erhielten, verschloss man den Künstlerinnen ab 1853 diesen Weg. Die Künstlerinnen der Zeit um 1900 hatten mit dem Ausschluss aus der Akademie nicht nur auf akademischen Unterricht verzichten müssen, sondern es fehlten ihnen auch die mit der Institution verbundenen Netzwerke und Aufträge.

Künstlerinnen konnten vor diesem Zeitpunkt nur an einer der zahlreichen privaten Malschulen studieren. Im Gegensatz zum staatlich geförderten Akademiebesuch war das Studium an den Malschulen teuer. Nur Wohlhabende konnten sich so eine Ausbildung leisten.

Dies war nicht immer so: 1813 wurde Maria Ellenrieder als erste Frau an der Münchner Akademie immatrikuliert. Bis 1839 folgten ihr 47 Studentinnen (von insgesamt rund 2.500 Studierenden), mit einer Ausnahme: Der Bildhauerin Elisabeth Ney gelang es als einziger Frau, sich zwischen 1839 und 1920 offiziell einzuschreiben. Von 1839 bis 1919 blieb Frauen über mehrere Generationen hinweg der Zugang zur Münchner Kunstakademie versperrt.

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Forderungen nach dem Frauenwahlrecht und einer verbesserten Frauenbildung immer lauter. Es formierten sich unterschiedliche Vereine für „Fraueninteressen“. Ausdruck des neuen Selbstverständnisses der Frauen war auch die Kleidung.

Der Erste Weltkrieg mit seiner „Emanzipation auf Zeit“, in der Frauen ihren Mann stehen mussten, und vor allem die Ausrufung der Republik beschleunigten den Emanzipationsprozess. Die Novemberrevolution des Jahres 1918 brachte den Frauen schließlich die formale Gleichberechtigung und das Wahlrecht. Nun konnte auch die Akademie der Bildenden Künste Frauen den Zugang nicht mehr länger verweigern.

Im Oktober 1920 öffnete sich die Akademie nun wieder auch weiblichen Studierenden. Unter den 70 frisch immatrikulierten Student*innen befanden sich 17 Frauen. Von Gleichstellung war in der männerdominierten Gesellschaft aber noch lange keine Rede.

Die Ausstellung beschreibt die Bedingungen an der Akademie der Künste und macht sichtbar, wie hart umkämpft der Kunstmarkt in den 1920er Jahren war. Sie zeigt die kurze Phase, in der Künstlerinnen versuchten, sich zu etablieren ehe der weibliche Aufbruch von den Nationalsozialisten wieder im Keim erstickt wurde. Nicht zuletzt wird deutlich, welchen Themen sich die Künstlerinnen widmeten und wie sich das Selbstverständnis der Frauen in der Kunst wandelte.

Bis 26.09.2021, Museum Fürstenfeldbruck, http://www.museumffb.de

Bilder:
Oben: v.li.n.re.: Malschule Heymann München, 1920er Jahre, Privatbesitz / Maria Fuss, 1920er Jahre, Stadtarchiv Düsseldorf (Foto: Erna Hemke-Winterer) / Malschule Heymann München, 1920er Jahre, Privatbesitz
Mitte: Unbekannt, Malende Frauen, o.J., Privatbesitz (Foto: Wolfgang Pulfer)
Unten: Franziska Bilek, Brief an Olaf Gulbransson, aus: Lieber Olaf! Liebe Franziska! München 1950, Alice Rauch-Wendlinger