ITALIENSEHNSUCHT! Auf den Spuren deutschsprachiger Künstlerinnen und Künstler 1905-1933

Italien – spätestens seit Goethes Reise (1786–88) Sehnsuchtsziel und Inbegriff eines paradiesischen Arkadiens für „Nordländer“! Allein die Fülle der Kunstwerke in den Kirchen, Palazzi und Museen zog Bildungsreisende, aber auch Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt an. Daneben lockten die südliche Sonne, die mediterrane Landschaft, das gute Leben. Auch wenn Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Kunstmetropole Europas avancierte, blieb Italien für die junge Künstlergeneration ein begehrtes Reiseziel – zumal, wenn dies mit einem Stipendium in den deutschen Künstlerhäusern, der Villa Romana in Florenz oder der Villa Massimo in Rom verbunden war.

Beide Einrichtungen formierten sich 1905 bzw. 1910 – in der Hochzeit des Expressionismus. So kamen etwa Karl Schmidt-Rottluff, Helmuth Macke oder Max Peiffer Watenphul als Stipendiaten nach Rom. In der von Max Klinger erworbenen Villa Romana arbeiteten u. a. Ernst Barlach, Max Beckmann, Dora Hitz oder Hans Purrmann. August Macke, Erich Heckel, Max Pechstein und Walter Ophey erkundeten vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs auf eigene Faust Italien. Wassily Kandinsky und Gabriele Münter verbrachten kostbare Monate der Zweisamkeit an der ligurischen Küste. Weitere Künstlerpaare, wie Gertrud Alber-Eberz und Josef Eberz oder Maria Caspar Filser und Karl Caspar entdeckten gemeinsam die italienische Landschaft rund um Florenz, an der Amalfi-Küste oder in Umbrien.

In Positano entstand in den frühen zwanziger Jahren eine quirlige Künstlerkolonie, in der sich u. a. Anita Rée, Carlo Mense oder Richard Seewald niederließen. Adolf Erbslöh malte dort heroisch-pathetische Landschaften – vergleichbar mit den monumentalen Kompositionen seines Freundes Alexander Kanoldt. Für Werner Gilles, Hans Kuhn oder Eduard Bargheer wurde Italien zur zweiten Heimat.

Erstmals widmet sich eine Ausstellung den Italienreisen der deutschen Künstlerinnen und Künstler zwischen 1905 und 1933: Expressionistische Dramatik und neusachliche Kühle – beide Temperaturlagen finden sich in der Auseinandersetzung mit dem Land, seinen Städten und Orten, seinen Leuten, seiner Landschaft und seinen Legenden. Die Ausstellung mit ca. 100 Gemälden, Papierarbeiten, Fotografien und Skulpturen von 30 Künstlerinnen und Künstlern zwischen 1905 und 1933 macht die große Bedeutung Italiens für die deutsche Avantgarde eindrucksvoll sichtbar.

Ausstellung bis 19.09.2021, MUSEUM AUGUST MACKE HAUS, Bonn, http://www.august-macke-haus.de

Bilder:
Oben: Hans Purrmann, Landschaft mit Villa Gorki, 1924 Privatsammlung (Foto: Hans Purrmann-Archiv, München)
Unten: li:  August Macke, Venedig, 1905, LWL Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Westfälisches Landesmuseum, Münster/ Leihgabe aus Privatbesitz (Foto: LWL-Museum für Kunst und Kultur, Westfälisches Landesmuseum, Münster / Hanna Neander) / re: Walter Ophey, Positano in der Sonne, 1910, Dr. Axe Stiftung (Foto: Dr. Axe-Stiftung, Bonn)