Ziemlich beste Freunde: Hans Thuar & August Macke

Die Ausstellung im Museum August Macke Haus rückte Leben und Werk zweier expressionistischer Künstler in den Fokus, die durch eine berührende Freundschaft miteinander verbunden waren: August Macke (1887-1914) und Hans Thuar (1887-1945).

Die beiden Nachbarskinder sind neun und zehn Jahre alt, als sie sich in Köln kennenlernen und bald – Schiffe bauend, Pfeile schnitzend oder die japanischen Holzschnitte von Thuars Vater bestaunend – jeden Tag miteinander verbringen.

Ein Jahr später verunglückt Hans und verliert beide Beine – es ist August Macke, der ihn mit seiner humorvollen Art und seinen gezeichneten Geschichten aufheitert und wieder Lebensmut schenkt. Der Freundschaft tut auch der Wegzug von Familie Macke keinen Abbruch. Das gemeinsame Zeichnen und Malen mündete bei Beiden in dem Wunsch Künstler zu werden. Doch das akademische Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie befriedigt sie nicht.

Die Freunde neigen einer farbkräftigen, atmosphärischen Stimmungsmalerei zu, die Macke auf seinen Reisen studiert und Thuar, dessen Bewegungsradius eingeschränkter ist, sich im Rheinland, durch Zeitschriften und im Austausch mit dem Freund aneignet.

Beide gehören vor dem Ersten Weltkrieg zu den heftig angefeindeten expressionistischen Modernen. „Eine starke, lebendige Empfindung zu gestalten“ (Macke) ist das Motto, das sie bei ihren Experimenten antreibt. Während Macke nach einer Ausdrucksform für seine Vorstellung eines irdischen Paradieses sucht, spiegelt sich in Thuars Werken eine existentielle Beziehung zur Natur.

Mackes früher Tod als Soldat im Ersten Weltkrieg trifft den Freund hart und führt zum Abbruch seiner künstlerischen Arbeit. Als Thuar Anfang der 1920er Jahre wieder mit dem Malen beginnt, schafft er großartige, leuchtendfarbige und ganz eigenständige Kompositionen – „expressiv bis zum Bersten“, wie August Mackes Sohn Wolfgang urteilt. Gleichzeitig bringen Inflation und Wirtschaftskrise seine inzwischen fünfköpfige Familie immer wieder an den Rand des Existenzminimums. Darüber hinaus machen dem Künstler die körperlichen Einschränkungen oftmals zu schaffen.

Doch der Kontakt mit Mackes Frau, seinen Söhnen und dem dazugehörigen Freundeskreis setzt sich zeitlebens fort. Als August Mackes Sohn Wolfgang schließlich an Weihnachten 1937 Thuars Tochter Gisela heiratet, wachsen die beiden Künstlerfamilien endgültig zusammen.

Zu sehen waren rund 100 Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers, überwiegend Gemälde, aber auch kunsthandwerkliche Arbeiten und Zeichnungen. Viele davon stammen aus dem Nachlass und werden erstmals präsentiert. Im Dialog mit den Werken von August Macke zeigen sich einerseits Parallelen der Kunstauffassung, andererseits tritt Thuar als eigenständige Künstlerpersönlichkeit in Erscheinung.

Museum August Macke Haus, Bonn,
http://www.august-macke-haus.de

Bilder:
Titelbild: Museum August Macke Haus, Künstlerhaus: ehem. Wohnzimmer 1. OG (Foto: Axel Hartmann)
Oben: li: Hans Thuar (Nachlass Thuar), re: August Macke (Museum August Macke Haus)
Mitte: li: Thuar: Dorfstrasse, 1911 Privatbesitz (Foto: A. Hartman) / re: Macke: Straße mit Fuhrwerk 1911 (Courtesy E.ON Art Collection, Germany)
Mitte: li: Thuar: Begegnung im Park, 1921 (Privatbesitz, Foto: M. Hense) / re: Macke: Paar im Waldweg, 1914 (Privatbesitz, Foto: M. Hense)
Unten: Thuar: Ziegelei, 1912 (Privatbesitz, Foto: A. Küster) / re: Macke: Landschaft mit Fabrik, 1913 (Privatbesitz)