
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte widmet die Fondation Beyeler eine Einzelausstellung Paul Cézanne (1839–1906) – einem Pionier der modernen Kunst und zentralen Künstler ihrer Sammlung. Mit rund 80 Werken konzentriert sich die Ausstellung auf die letzte und bedeutendste Phase im Schaffen des französischen Malers und zeigt Cézanne in Hochform: Zu sehen sind geheimnisvolle Porträts, paradiesische Badende, Sehnsuchtslandschaften aus der Provence und sein Lieblingsberg, die Montagne Sainte-Victoire, die der Künstler in immer neuen Ansichten darstellte.
In seinem Atelier im Süden Frankreichs brachte Cézanne mit meisterhaftem Gespür Licht, Farbe und Form in ein kraftvolles Spannungsverhältnis. Er gestaltete revolutionäre Bilder, die Generationen von Künstlern und Künstlerinnen bis heute inspirieren. Die Ausstellung macht anschaulich, wie Cézanne die Malerei veränderte und er so, wie Pablo Picasso sagte, zum ‚Vater von uns allen‘ wurde.

Anhand von 58 Ölgemälden und 21 Aquarellen aus renommierten institutionellen und privaten Sammlungen aus der Schweiz, Frankreich, Deutschland, England, Spanien, den Niederlanden, Dänemark und den USA ermöglicht es die Ausstellung den Besucherinnen und Besuchern, Cézannes bahnbrechendes Spätwerk zu erleben. Neben ikonischen Werken aus wichtigen öffentlichen Sammlungen wie dem Museum of Modern Art und dem Metropolitan Museum of Art, beide New York, dem Musée d’Orsay in Paris, dem Philadelphia Museum of Art, der National Gallery of Art in Washington und der Tate in London stammt die Hälfte der ausgestellten Gemälde aus privaten Sammlungen, wovon viele selten öffentlich zu sehen sind.
Zeitlich setzt die Ausstellung in der Mitte der 1880er-Jahre ein. Damals hatte sich Cézanne von der Auseinandersetzung mit dem Impressionismus emanzipiert und zu dem Stil gefunden, der ihn zu einer Schlüsselfigur der Moderne macht. Der aus Aix-en-Provence stammende Künstler hatte um die Jahrhundertwende einen radikalen Neuanfang der Kunst gewagt, indem er die Malerei von traditionellen Konventionen wie der Zentralperspektive oder der Darstellung der Anatomie befreite. Cézannes erklärtes Ziel war es, nicht mehr die Natur abzubilden, sondern den Vorgang des Malens von Motiven der Natur in seinen Werken zu analysieren und anschaulich zu machen.
Aus dieser neu gewonnenen künstlerischen Freiheit heraus wandte sich Cézanne verstärkt jenen Motiven zu, die sein weiteres Schaffen bestimmen sollten, allen voran die Landschaft seiner provenzalischen Heimat. Gerade dort fand er jenes Experimentierfeld, auf dem er seine Vorstellungen von einer erneuerten Malerei weiterentwickeln und entfalten konnte. In Cézannes Werk war die Landschaft der Provence weit mehr als eine malerische Kulisse; sie wurde zum Herzstück einer neuen, modernen Bildsprache. Mit seinen Ansichten der Montagne Sainte-Victoire und der Wälder im südlichen Licht prägte Cézanne nicht nur die Entwicklung der Kunst, sondern auch die Art und Weise, wie die Region bis heute wahrgenommen wird.


Seine Bilder machten die Provence zu einem Sehnsuchtsort, in dem Natur, Stille und zeitlose Schönheit miteinander verschmelzen. Indem Cézanne die Landschaft in kraftvolle Farben übersetzte, verlieh er ihr eine ikonische Ausstrahlung, die weit über die Malerei hinauswirkt. Für heutige Betrachterinnen und Betrachter offenbart sich in seinen Provence-Motiven sowohl die Wurzel der Moderne als auch jener magische Zauber, dem die Region ihre ungebrochene Anziehungskraft verdankt.
Die Ausstellung versucht zu zeigen, wie Cézanne die Strukturen seiner Bilder sichtbar macht und damit die Betrachtenden einlädt, sich mit seinem Malprozess auseinanderzusetzen und daran zu partizipieren. Insbesondere betrifft das die Werke, die unvollendet erscheinen. In ihnen nahm sich der Künstler die Freiheit, Teile der Leinwand unbemalt zu lassen, und gerade im Unvollendeten erzielte er eine neue Harmonie. Diese Kompositionen kennzeichnet eine Art offenes Ende, das den aktiv Betrachtenden die Möglichkeit gewährt, sie in ihrer Vorstellung gedanklich selbst weiterzumalen und zu vervollständigen.

Den Abschluss der Ausstellung bildet der Kurzfilm Cézanne on art, 2025, von Albert Oehlen, einem der bedeutendsten zeitgenössischen Maler, und dem renommierten Regisseur Oliver Hirschbiegel, bekannt für internationale Filmproduktionen wie ‚Der Untergang (2004)‘, und ‚Das Experiment (2001)‘. Indem der Film Inspiration aus den Gesprächen zwischen Cézanne und seinem Freund, dem Schriftsteller Joachim Gasquet, bezieht, verbindet er Kunst, Philosophie und Landschaft zu einer atmosphärischen Annäherung an den Künstler – in den Hauptrollen sind Sean O’Brien, Sam Riley und Nichole Galicia zu sehen. Gedreht an den Originalschauplätzen der Montagne Sainte-Victoire und im Steinbruch von Bibémus, fängt der Film das Licht und die faszinierende Atmosphäre jener Landschaft ein, die Cézannes Malerei prägte. In der Fondation Beyeler feiert er seine Premiere.
Ausstellung bis 25.05.2026, Fondation Beyeler, CH–4125 Riehen/Basel
http://www.fondationbeyeler.ch
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