Kleinste Kunst: Miniaturen der Romantik in Hamburg

Mit der Ausstellung „FOR YOUR EYES ONLY. Miniaturen der Romantik“ widmet sich die Hamburger Kunsthalle bis zum 7. Juni 2026 erstmals der facettenreichen Kunst der Miniaturmalerei in Hamburg von ihrer Blütezeit um 1800 bis zu den 1840er Jahren, als sie von den frühen Techniken der Fotografie abgelöst wurde.

Den Ausgangspunkt bilden rund 100 Porträtminiaturen aus dem Bestand der Kunsthalle, daraus werden rund 60 Werke zusammen mit rund 150 Leihgaben aus europäischen Sammlungen und Privatbesitz zu sehen sein. Die Kleinstbildnisse werden durch Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafik und Fotografie komplettiert. So unter anderem durch ein Selbstbildnis des Malers und Miniaturisten Bernhard Peter von Rausch (1793–1865). Die Fertigung von Miniaturen und ihre besondere Funktion werden dabei ebenso beleuchtet wie ihre technischen Veränderungen.


Ein erstmals ausgestelltes Pult aus dem Nachlass des Miniaturisten Jean-Baptiste Jacques Augustin (1759–1832), Malutensilien und Messinstrumente wie ein Pantograf zur maßstabsgetreuen Verkleinerung von Zeichnungen veranschaulichen die traditionelle Herstellungsweise von Miniaturen auf Elfenbein und weiß grundiertem Papier ebenso wie die Ende des 18. Jahrhunderts entstehenden Vervielfältigungsverfahren Bou-Magie und Physionotrace.

Insgesamt präsentiert die Ausstellung im Harzen-Kabinett über 250 Objekte einer Epoche, die von gesellschaftlichem Wandel, europäischem Austausch und technischen Neuerungen geprägt war. Das Bedürfnis nach einem Erinnerungsbild eines geliebten Menschen, das stets bei sich getragen werden kann, besteht bis heute. Vor der Erfindung der Fotografie wurden die Kleinstbildnisse in stundenlanger Arbeit gemalt und stellten kostbare Unikate dar. Ihr kleines Format – meist etwa 6 bis 10 cm – sowie die kunstvolle Fertigung mit Aquarell- und Gouachefarben auf hauchdünnen Elfenbeinplättchen, teils mit Silberfolie hinterlegt, fasziniert bis heute. Die in Rahmen, Broschen oder Etuis gefassten, handlichen Kleinporträts zählten zu den persönlichsten und intimsten Bildnissen, die Menschen von sich malen ließen.


Dem Auftrag zur Fertigung einer Miniatur lag die innige Beziehung zweier Menschen zugrunde. Das Bildnis war tatsächlich für nur ein weiteres Paar Augen bestimmt. Es konnte stets bei sich – oftmals direkt am Herzen – getragen und jederzeit betrachtet werden. Die Bildnisse sollten die Erinnerung bei längerer Trennung wachhalten oder Trost beim Verlust eines geliebten Menschen spenden. Beigelegte Haarlocken, kunstvoll geflochtenes Haar, begleitende Inschriften oder aber im Bildnis versteckte Botschaften in Form von Blumen, Gegenständen oder Tieren unterstreichen den persönlichen Charakter der Werke und bieten Einblicke in die Gefühlswelt um 1800.

Hamburger Kunsthalle, http://www.hamburger-kunsthalle.de

Bilder:
Adélaïde Labille-GuiardAdélaïde Labille-Guiard (1749–1803) Selbstbildnis, um 1774 The Tansey Miniatures Foundation, Celle (Foto: Birgitt Schmedding) / Friedrich Carl Gröger (1766–1838) Selbstbildnis, um 1800 / Carl Ferdinand Stelzner Selbstbildnis, 1855 / Friedrich Karl Gröger Selbstbildnis, um 1800