Caricatura Salon #5 – Stricheln und Sticheln – Satire in der Krise der Demokratie

Unsere demokratische Gesellschaft steht vor großen Herausforderungen: Wie sichern wir unsere stabile Grundordnung und ein geregeltes Miteinander, das auf humanistischen Grundwerten basiert? Wie umgehen mit Rechtspopulismus und Extremismus? Das Caricatura Museum Frankfurt ist diesen Fragen zum gegenwärtigen Zustand unserer Demokratie nachgegangen und präsentiert Cartoons, Karikaturen, Texte und satirische Gedichte namhafter zeitgenössischer Vertreter/innen der Komischen Kunst.

Karikaturen sind politische Bildung im Kurzformat, denn hier werden Komik und satirische Übertreibung zum kritischen Instrument. In ihrer Überspitzung provozieren sie Haltung und schaffen Raum für lebendigen Meinungsaustausch.

Als kritisches Korrektiv ermöglichen sie niederschwelligen Zugang zur politischen Debatte und bieten Orientierung. Als gewaltfreies Instrument können sie dazu beitragen, Tabus zu brechen und extremistische Positionen in ihrer Absurdität zu entlarven. Dabei zeigt Satire wie ein Seismograf die Verfasstheit einer Gesellschaft an: Je freier sie arbeiten kann, desto aufgeklärter ist ihr Umfeld.

Gezeigt werden ausgewählte Arbeiten der Cartoonistin und Comic-Zeichnerin Katharina Greve, der Karikaturisten-Duos Greser & Lenz und Hauck & Bauer sowie satirische Gedichte des Autors Thomas Gsella. Bestens bekannt sind alle durch ihre Veröffentlichungen in TITANIC. Sie gehören zu den renommiertesten Vertreter/innen ihrer Zunft.

Katharina Greve, geboren 1972 in Hamburg, studierte Architektur und zeichnet heute Comics und Cartoons in Berlin. Neben Arbeiten u. a. für TITANIC, Süddeutsche Zeitung und Das Magazin veröffentlichte sie bisher neun Bücher, zuletzt »Meine Geschichten von Mutter und Tochter« im Avant-Verlag.

Für ihre Arbeiten bekam sie zahlreiche Preise, z. B. 2016 den Max und Moritz-Preis (Kategorie bester Comic-Strip) für den Webcomic »Das Hochhaus« und 2021, 2024 sowie 2025 den Deutschen Karikaturenpreis in Bronze. 2026 wird sie in einer großen Einzelausstellung im Caricatura Museum Frankfurt präsentiert.

Greser & Lenz sind Achim Greser, geboren 1961 in Lohr am Main, und Heribert Lenz, geboren 1958 in Schweinfurt. Von Ende der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre waren sie Redaktionsmitglieder des Satiremagazins TITANIC. Seit 1996 arbeiten sie gemeinsam als Karikaturisten und Illustratoren für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Von 2004 bis 2013 waren sie zudem für den Stern tätig, von 2013 bis 2016 für den Focus.

Die Zeichnungen von Greser & Lenz wurden im Caricatura Museum Frankfurt in Sonderausstellungen 2009 und 2021 gezeigt. Das Duo wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter zweimal mit dem Deutschen Karikaturenpreis in Gold (2004 und 2018), zuletzt 2024 mit dem Göttinger Elch und dem Kulturpreis der Stadt Aschaffenburg. Greser & Lenz leben in Aschaffenburg.

Hauck & Bauer sind Elias Hauck und Dominik Bauer, beide Jahrgang 1978. Sie kennen sich bereits seit gemeinsamen Schultagen im unterfränkischen Alzenau.

Seit 2003 arbeiten sie als Cartoonisten-Duo zusammen. Bauer denkt sich die Witze in Frankfurt am Main aus, Hauck zeichnet sie in Berlin. Dazwischen streiten sich beide erbittert über Formulierungen und Gesichtsausdrücke.

Die Endergebnisse werden regelmäßig u. a. von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, der Süddeutschen Zeitung, dem Satiremagazin TITANIC und der Apotheken Umschaugedruckt. Hauck & Bauer sind sehr bescheiden geblieben, obwohl sie schon viele Preise gewonnen haben, z. B. den Sondermann-Preis für Komische Kunst 2020 oder den Deutschen Karikaturenpreis in Gold 2024. Ihre Cartoons wurden 2020 in einer Einzelausstellung im Caricatura Museum Frankfurt gewürdigt.

DAS VÖLKERRECHT
Thomas Gsella

Es steht auf teurem Schönpapier,
Wird gerne unterschrieben
Und gilt mal dort und gilt mal hier.
Sein Text ist zum Verlieben.

Zuweilen wird es respektiert.
Wenn nicht, na ja, dann setzt man᾿s
Halt außer Kraft, was oft passiert.
In diesem Fall verletzt man᾿s.

Erst neulich hat es nachgedacht,
Ob das nicht eher schlecht ist:
Dass auch die allerdümmste Macht
Stets mächtiger als Recht ist.

Thomas Gsella, geboren in Essen, lebt mit seiner Familie in Aschaffenburg. Er war viele Jahre Redakteur und von 2005 bis 2008 Chefredakteur des Satiremagazins TITANIC. Gsella reimt regelmäßig für den Stern und das Schweizer Magazin, die linke Zeitschrift Konkret, Frankfurter Rundschau, diverse ARD-Radiosender, den Seenotrettungsverein »Mission Lifeline« und natürlich die Apotheken Umschau. Er hat 31 Bücher veröffentlicht, zuletzt vorwiegend im Verlag Antje Kunstmann und bei Zweitausendeins. Für seine Werke wurde er ausgezeichnet mit dem Joachim-Ringelnatz-Nachwuchspreis 2004, dem Robert-Gernhardt-Preis 2011 und dem Jahresstipendium des Deutschen Literaturfonds 2014.

Ausstellung bis 07.06.2026, Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst,
http://www.caricatura-museum.de

Bilder:
Oben: Cartoon 01 (Hauck & Bauer)
v.o.n.u.:
Katharina Greve (Foto: Matthias Zuber) /Cartoon 02 Katharina Greve
Achim Greser und Heribert Lenz (Foto: Stefan Gregor) / Cartoon 01 Greser & Lenz
Elias Hauck und Dominik Bauer (Foto: Veit Hengst) / Cartoon 02 (Hauck & Bauer)
Thomas Gsella (Foto: Thomas Hintner)