
Das Museum Würth 2 in Künzelsau widmet dem französischen Künstler François Morellet seines 100. Geburtstags eine Werkschau. Morellet, geboren 1926 in Cholet, schafft seit den 1950er-Jahren auf strengen Regeln und geometrischen Formen basierende Werke aus verschiedenen Materialien.

Jede Arbeit folgt einem seiner definierten Ordnungsprinzipien: Aneinanderreihung, Überlagerung, Zufall, Interferenz oder Fragmentierung.
Ausgehend von der Malerei gehört er in den 1960er-Jahren zu den Pionieren, die mit künstlichem Licht arbeiten, und zählt zu den Hauptvertretern der Op-Art. 1961 ist er zudem in Paris Mitbegründer der erfolgreichen Künstlergruppe „GRAV“ (Groupe de recherche d’art visuel, dt. Forschungsgruppe für visuelle Kunst). Darüber hinaus schafft er zahlreiche Projekte im öffentlichen Raum, darunter Realisierungen für den Pariser Louvre oder das Paul-Löbe-Haus, ein Parlamentsgebäude des Deutschen Bundestags in Berlin.
Der Autodidakt gilt als einer der international bedeutendsten Vertreter der Konkreten Kunst. Die Ausstellung zeigt mit rund 25, teils mehrteiligen Werken einen Querschnitt durch sein Schaffen, von strengen systematischen Arbeiten und spielerischen Versuchsanordnungen bis hin zur Lichtkunst.
Zudem treten Morellets Werke in einen Dialog mit Arbeiten von 14 weiteren Vertreterinnen und Vertretern der Geometrischen Abstraktion, darunter Anni Albers, Max Bill, Günter Fruhtrunk, Almir Mavignier und Aurélie Nemours. Alle Kunstwerke stammen aus der Sammlung Würth.
Eine Besonderheit im Werk Morellets ist sein Umgang mit der Sprache. In wortspielerischen Titelzugaben, die im Französischen besonders gut gelingen, kreiert er unterhaltsame Deutungsmöglichkeiten für seine abstrakten Werke. So etwa im Bild „π piquant n° 1, 1 = 10°, 51 Dezimalen“, das sich systematisch auf die Kreiszahl π bezieht und zugleich humorvolle, mehrdeutige Assoziationen über das französische Wort piquant (dt. prickelnd oder stachelig) beim Betrachtenden hervorruft.

Die Verbindung von System und Zufall ist eine wesentliche Komponente des Morellet’schen Gesamtwerks. So auch in der ikonischen Serie „Zufällige Verteilung von 40.000 Quadraten, den geraden und ungeraden Ziffern eines Telefonbuchs folgend“.
Das vorgegebene Konzept ermöglicht es, eine Ambivalenz aus Ordnung und Chaos zu erschaffen und das Ernsthafte mit dem Spielerischen zu kombinieren. „Mir gefiel, dass diese Störungen, diese Unfälle aus einem programmierten Zufall heraus entstanden und nicht aus der Subjektivität meiner Künstlerlaune,“ ordnet Morellet 1984 ein.
Ausstellung bis 24.01.2027
http://www.kunstkultur.wuerth.com
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