
In einer Zeit, die von digitaler Kommunikation geprägt ist, richtet die Ausstellung den Blick auf alternative Formen menschlicher Verständigung. Im Museum Tinguely werden fünf teils raumgreifende Videoarbeiten der australischen Künstlerin Angelica Mesiti (*1976) präsentiert.
Die Werke führen die Poesie des Alltäglichen unmittelbar vor Augen und zeigen, wie kulturelle Traditionen, Rituale, Musik und Klänge Identität formen und Gemeinschaft stiften.

Ihre jüngste Videoinstallation The Rites of When (2024) reiht sich in eine lange Tradition musikalischer Tribute an die sich wandelnden Jahreszeiten ein und denkt gesellschaftliche Rituale grundlegend neu. Ausgangspunkt sind althergebrachte Bräuche, die sich am Zyklus der Jahreszeiten und an der Natur orientieren. Oft sind diese eng mit dem Wissen über Sternbilder sowie Bewegungsabläufe von Mond und Sonne verknüpft, die lange Zeit landwirtschaftliche Tätigkeiten und spirituelle Handlungen bestimmten.
Die Rauminstallation ist von der Himmelsscheibe von Nebra inspiriert, die vor etwa 3600 Jahren möglicherweise als Kalender zur Bestimmung der Erntezeit diente und die Zyklizität saisonaler Veränderungen aufgreift. Sieben Bildschirme repräsentieren die Hauptsterne der Plejaden, um die sich zahlreiche Geschichten ranken, welche von der tiefen Verbundenheit mit der natürlichen Welt zeugen.
Die Videoarbeit selbst gliedert sich in zwei Akte, die der Winter- und der Sommersonnenwende gewidmet sind und den Kreislauf des Jahres versinnbildlichen. In den Videos verdichten sich Choreografien, vokale Chöre, kollektive Formen der Klangerzeugung und elektronische Sounds, um die zukünftige Rolle von Ritualen zu befragen.
Vor dem Hintergrund ökologischer Unsicherheiten, die durch den Klimawandel und die vom Menschen dominierte Umwelt entstehen, sowie eines gesellschaftlichen Wandels, in dem sich das Leben vieler Menschen zunehmend in Städten und Innenräumen abspielt, erkundet The Rites of When auf sinnliche Weise mögliche neue Formen des Miteinanders. Das Werk verdeutlicht auch, wie essenziell der gemeinsame Tanz über Jahrhunderte hinweg als Ausdruck gelebter kollektiver Energie geblieben ist.


Ausstellung bis 30.08.2026, Museum Tinguely, Basel
http://www.tinguely.ch
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