
Ein spektakuläres Gemälde sorgte 1887 in Berlin für eine Sensation: „Mors Imperator“ (übersetzt: „Der Tod ist der Herrscher“), gemalt von der Künstlerin Hermione von Preusschen (1854–1918). Das Werk galt als Majestätsbeleidigung: Kaiser Wilhelm I. war zum Zeitpunkt seiner Entstehung bereits 90 Jahre alt und sollte im Folgejahr sterben. Obwohl der Kaiser mitteilen ließ, er habe nichts gegen das Bild einzuwenden, wurde es von der Jury der Königlichen Akademie der Künste zurückgewiesen. Daraufhin stellte die Malerin das monumentale Gemälde in eigener Regie in Berlin aus. Die Schau wurde ein enormer Publikumserfolg. Die Alte Nationalgalerie zeigt dieses lange als verschollen geglaubte Gemälde nun erstmals wieder öffentlich.
„Das Genie [ist] so frei, sich nicht ans Geschlecht zu kehren, es fliegt in die Seelen wem und wie es will“. Diese Worte äußerte die Malerin, Dichterin und Weltreisende Hermione von Preuschen auf dem „Internationalen Frauenkongress“ in Berlin 1896, auf dem sie sich mit ihrer Rede „Über das künstlerische Studium der Frau“ für die Emanzipation der Frauen ein setzte, denen damals die Ausbildung an den Akademien verwehrt war. Die 1854 in Darmstadt geborene Künstlerin hatte ab 1872 für drei Jahre Malunterricht bei Ferdinand Keller in Karlsruhe genommen, unter dessen Einfluss sie ihren dekorativen, pathetischen Stil entwickelte und das „historische Stillleben“ für sich entdeckte.
1887 schuf sie ihr bemerkenswertes Gemälde „Mors Imperator“, mit dem sie eine Reihe großformatiger symbolistischer Kompositionen eröffnete. Im Zentrum des Gemäldes steht ein Skelett als Herrscherfigur im Purpurmantel mit Hermelinpelz. Mit der rechten Hand auf ein Schwert gestützt, stößt es mit der linken in einer autoritären Geste den prächtigen Thron um. Die Gestalt trägt auf dem Schädel eine eiserne Zackenkrone, während eine mit Edelsteinen besetzte Krone zu Boden fällt. Der rechte Fuß steht auf einer Erdkugel – der Tod erscheint hier als triumphierender Herr scher über die Welt.
Von Preuschen sandte das Werk 1887 nach Berlin zur Akademieausstellung. Deren Jury lehnte das Bild jedoch ab, weil sie in der Darstellung eine Anspielung auf den 90-jährigen Kaiser Wilhelm I. sah. Auch nach dem es der Malerin gelungen war, die Erklärung des Kaisers zu erwirken, keinen Einwand zu erheben, verweigerte die Akademiejury weiterhin die Annahme des Gemäldes. Inzwischen war auch die künstlerische Ausführung kritisiert worden, die man zuvor noch gelobt hatte: „Der unkünstlerische Ausdruck eines schiefen Gedankens.“

Der weitere Verlauf offenbart von Preuschens hervorragendes Verständnis für die Mechanismen des Kunstbetriebs und die Macht öffentlicher Aufmerksamkeit sowie ihr ausgeprägtes Selbstbewusstsein in einer Zeit, in der Künstlerinnen erheblichen Widerständen begegneten. Als taktischen Gegenzug mietete sie in Berlin Räume in der Leipziger Straße 43, um das umstrittene Gemälde, dessen Zurückweisung bereits in der Presse diskutiert wurde, gegen Eintritt öffentlich zu zeigen.
Der Erfolg war überwältigend. Zahlreiche Besucher strömten herbei, Zeitungen berichteten ausführlich, und nicht wenige Kritiker stellten die Entscheidung der Jury offen infrage. Die damals 33-jährige Malerin konnte ihren Triumph feiern: Der Skandal um „Mors Imperator“ wurde zum Stadtgespräch und machte sie schlagartig berühmt.
Neben dem Gemälde werden Publikationen, Briefe und Fotos präsentiert, die sowohl den Skandal um von Preuschens wohl bekanntestes Bild als auch ihr Wirken als Schriftstellerin, Weltreisende und Bauherrin des „Tempio Hermione“ in Lichtenrade bei Berlin dokumentieren.
Ausstellung bis 15.11.2026, Museumsinsel Berlin, Alte Nationalgalerie
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