Edvard Munch und Maria Lassnig: „Malfluss – Lebensfluss“

In einer großen Doppelschau führt die Hamburger Kunsthalle bis zum 30. August 2026 erstmalig Werke der österreichischen Künstlerin Maria Lassnig (1919–2014) und des norwegischen Malers Edvard Munch (1863–1944) zusammen. Obwohl die beiden ein halbes Jahrhundert trennt, gibt es erstaunliche Parallelen, die Munchs Einfluss auf das Schaffen von Lassnig nachvollziehbar machen und umgekehrt neue Aspekte im Œuvre ihres Vorgängers eröffnen.

Auf zwei Geschossen in der Galerie der Gegenwart werden Gemälde, Arbeiten auf Papier, eine Skulptur, Filme und Fotografien präsentiert. Zu den knapp 200 Exponaten der umfangreichen Schau zählen berühmte Arbeiten wie Madonna (1893–1895) von Edvard Munch und weniger bekannte wie Traditionskette (1983) von Maria Lassnig, ein Schlüsselwerk der Schau. 

Die Exponate bieten einen Einblick in die jeweilige Biografie ihrer Erschaffer/innen und zeichnen ein vielschichtiges Porträt ihrer Entstehungszeit. Beiden gemeinsam ist nicht nur ihr einzigartiger Umgang mit Farbe als Gestaltungs- und Ausdruckselement, auch in ihrer lebendigen Pinselführung und in ihren freien Experimenten der Maltechnik finden sich verblüffende Parallelen.

Zugleich sind es auch oftmals unbeachtete Empfindungen und ihre besonderen Wahrnehmungsweisen, die künstlerisch reflektiert zu neuen Bilderfindungen führen. Innere und äußere Welten erzeugen auf diese Weise eine unmittelbare emotionale Spannung, der man sich kaum entziehen kann.

Während bei Munch die großen Emotionen – Trauer, Verzweiflung, Angst, Zorn, Freude – im Mittelpunkt stehen, widmet sich Lassnig, insbesondere körperlichen Empfindungen. Der Untertitel der Ausstellung Malfluss = Lebensfluss ist dem Titel eines Kunstwerks von Lassnig entnommen und drückt eine untrennbare Verflechtung von Kunst und Leben aus. 

Die Ausstellung ist in 13 Kapitel plus Prolog und Epilog eingeteilt und bietet einen Rundgang, der sich von den frühen Selbstporträts über die Doppelporträts, Geschlechterbeziehungen und anderes immer weiter ausdehnt, bis er in die Dimension des Weltalls hineinführt. Exemplarische Themen wie Frauenbilder, die Beziehung von Mensch und Tier, Resonanzraum Natur, das Innere sehen, Hände, Krankheit & Tod oder auch Lebenszyklus sind einzelne Stationen auf diesem choreografischen Gang durch die Ausstellung.

Diese entstand in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich – beide Häuser besitzen zusammen den größten Munch-Bestand außerhalb Oslos – sowie in Zusammenarbeit mit der Maria Lassnig Stiftung in Wien und dem Munchmuseet in Oslo. Die aus diesen Institutionen erstmalig zusammengeführten Werke werden um Leihgaben weiterer internationaler Museen und Privatsammlungen ergänzt.

Ausstellung bis zum 30.08.2026, Hamburger Kunsthalle
http://www.hamburger-kunsthalle.de

Bilder:
Oben: Maria Lassnig, Malfluss = Lebensfluss, 1996, Maria Lassnig Stiftung / VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Mitte: li: Maria Lassnig, Mit einem Tiger schlafen, 1975, ALBERTINA, Wien – Dauerleihgabe der Oesterreichischen Nationalbank, Maria Lassnig Stiftung / VG Bild-Kunst, Bonn 2026 Foto: Neumann) / re: Edvard Munch, Der Tiger, 1909, Aus der Serie: Alpha und Omega, Kupferstichkabinett, Hamburger Kunsthalle (Foto: Christoph Irrgang)
Unten: li: Maria Lassnig, Ehepaar, 2001 Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Sammlung KiCo, Maria Lassnig Stiftung / VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / re: Edvard Munch, Zwei Menschen. Die Einsamen, um 1935, Munchmuseet, Oslo (Foto: Ove Kvavik)