
Was haben Salwa Elsadik aus dem Sudan und Jacques Tilly aus Deutschland gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Doch bei näherer Überlegung wird klar: Beide setzen sich ein für Freiheit und Frieden – mit ganz unterschiedlichen Mitteln und doch von einem Gedanken beseelt: Es lohnt sich für das Recht eines jeden Menschen auf ein sicheres und selbstbestimmtes Dasein zu kämpfen. Ihr Einsatz wurde Ende März 2026 gewürdigt: Principal Conductor Adam Fischer verlieh im Rahmen des Menschenrechtskonzerts mit den Düsseldorfer Symphonikern den Menschenrechtspreis der Tonhalle Düsseldorf 2026 an die sudanesische Frauenrechtlerin und einen Solidaritätspreis an den Düsseldorfer Künstler.
Im vollbesetzten Mendelssohn-Saal begründete Adam Fischer seine Wahl der diesjährigen Preisträgerin damit, einen vergessenen Krieg stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken zu wollen: „Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die fürchterliche Eskalation im Nahen Osten dominieren die Schlagzeilen. Vom Sudan spricht niemand.“ Seit drei Jahren herrscht im Sudan ein mörderischer Bürgerkrieg, den die Vereinten Nationen als die derzeit größte humanitäre Katastrophe weltweit bezeichnen. Salwa Elsadik gründete und leitet die Women Advocacy and Development Initiative (WADI), die sich für Frauen und Mädchen im Sudan einsetzt und an vorderster Front humanitäre Hilfe leistet. Trotz Gewalt und politischer Instabilität kämpft sie unermüdlich für Frieden, Gleichberechtigung und Menschenrechte.
In einer bewegenden Dankesrede bat Salwa Elsadik um Solidarität für die Frauen im Sudan: „Frauen zu unterstützen ist keine Wohltätigkeit. Es ist eine Investition in den Frieden. Wenn Frauen unterstützt werden, erholen sich Familien. Gemeinschaften stabilisieren sich. Und Gesellschaften kommen Gerechtigkeit und dauerhaftem Frieden näher.“

Während Salwa Elsadiks Arbeit im Sudan vor den Augen der Weltöffentlichkeit verborgen bleibt, lösen die politisch-satirischen Mottowagen, die Jacques Tilly mit seinem Team alljährlich für den Düsseldorfer Rosenmontagszug baut, stets ein breites Medienecho aus. Immer wieder nimmt Tilly in seinen bissigen Entwürfen auch den russischen Präsidenten Putin aufs Korn. Im Dezember 2025 wurde Jacques Tilly in Moskau wegen „Verunglimpfung der russischen Staatsorgane und Verbreitung von Falschinformationen über die Armee“ angeklagt. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm eine Geldstrafe oder sogar bis zu zehn Jahre Haft.
„Putin greift mit seiner Anklage gegen Tilly uns alle an und unsere demokratische Kultur. Nicht nur Jacques Tilly als Person wird bedroht, es ist ein Angriff auf fundamentale Menschenrechte wie die Meinungsfreiheit und die Kunstfreiheit“, so Adam Fischer. Jacques Tilly bedankte sich für die zahlreichen Solidaritätsbekundungen, die er in den vergangenen Wochen aus allen Teilen der Gesellschaft, aus dem Brauchtum, aus der Politik und aus den Medien erhalten habe. Außerdem bedankte er sich „bei Präsident Putin, seiner Entourage, seinem Regime und natürlich Putins willfährigen Helfern in der russischen Unrechtsjustiz. Denn jeder kann nun deutlich sehen, dass das russische Regime tatsächlich Angst vor närrischen Pappfiguren hat.“
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