
Die 70. Jahresausstellung der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde gibt Einblick in das vielschichtige Spannungsfeld zwischen Menschen, Natur und Kunst in den Gemälden und Aquarellen Emil Noldes. Seine Darstellungen offenbaren eine kompromisslose und zugleich zutiefst poetische Auseinandersetzung mit den Grundfragen menschlicher Existenz. In der Betrachtung treten wir selbst in eine reale Beziehung zu den von Nolde dargestellten Menschen, Blumen, Tieren und Landschaften, die für den Kosmos des Lebens stehen.
2026 ist ein besonderes Jahr für die Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde: Am 13. April 1956 starb Emil Nolde, seine Frau Ada zehn Jahre zuvor am 2. November 1946. Ihre Todestage jähren sich also zum 70. und 80. Mal. Mit dem Tod Emil Noldes wurde das gemeinsame Testament eröffnet und in Folge ihre Stiftung anerkannt, die mithin seit 70 Jahren besteht. Im Rahmen der 70. Jahresausstellung erinnern wir mit einer Fotoausstellung an unsere Stifter, die 44 Jahre lang gemeinsam durch alle Höhen und Tiefen des Lebens gingen.
Emil Nolde (1867–1956) verfügt in seiner Kunst über nahezu unerschöpfliche Bildideen: Sie entstammen den Themenkreisen Menschen, Landschaften und Meere, Blumen, dazu Figurenbilder, zu denen seine „biblischen und Legendenbilder“ zählen. Die Ausstellung beleuchtet das vielschichtige Spannungsfeld zwischen Menschen, Natur und Kunst in Noldes Œuvre. Sein kraftvolles Werk ist geprägt von einer tief empfundenen Beziehung zu Mensch und Natur. Blumen, Landschaften, Meere und Figuren sind nicht bloßes Abbild, sondern als inneres Erleben sichtbar.

Nolde entwickelt im Dialog zwischen Menschen, Natur und Kunst eine Bildwelt von unvergleichlicher Intensität und emotionaler Kraft. Er lädt uns in der Betrachtung ein, die Beziehung zu Menschen, Natur und Kunst neu zu erfahren. Nolde schafft keine intellektuelle Kunst, deren Inhalt erst nach intensiver Lektüre verständlich wird.
Sein langjähriger Assistent Joachim von Lepel, ab 1956 Gründungsdirektor der Stiftung, erinnert daran: „Das Werk Noldes ist weniger mit dem Intellekt als vom Ereignis her, vom Naturhaften zu erfassen.“ In seiner Kunst verknüpft Nolde die existentiellen Themen des Lebens miteinander: Er malt weite Landschaften, in die wir uns versenken können, farbenprächtige Blumen, die uns ein glückliches Lächeln ins Gesicht zaubern, in seine emotional wogenden Meeresdarstellungen können wir gleichsam eintauchen. In seinen Bildern zeigt er uns Menschen, deren Empfindungen von intimer Nähe bis zu kühler Distanz wir nachvollziehen können, weil wir sie selbst auch im Jahrhundert nach ihrer Entstehung genauso erleben.
Heute ist das Wohn- und Atelierhaus Seebüll ein dem Maler und seinem Leben und Werk gewidmetes Museum. Das Nolde-Haus, das von 1927 bis 1937 nach Plänen des Künstlers errichtet wurde, ist ein herausragendes Künstlerhaus der Moderne. Nach mehr als sechzig Jahren Museumsbetrieb hat die Nolde Stiftung das Haus von 2020 bis 2022 einer umfassenden denkmalgerechten Sanierung und technischen Ertüchtigung unterzogen. Die Wohnräume sind in ihrer originalen, farbintensiven Gestaltung erhalten und vermitteln teils noch mit der Originalmöblierung einen lebendigen Eindruck des expressionistischen Lebensgefühls.
Der von Emil und Ada Nolde angelegte Bauerngarten gehört untrennbar zum Leben im Gesamtkunstwerk. Der prachtvolle Garten wurde von Nolde zusammen mit Ada entworfen. Grundlegend ist der ausgeklügelte Windschutz, damit die Pflanzen dem rauen Nordseeklima standhalten können. Dank der Aufzeichnungen von Noldes letztem Gärtner, der bis in die 1970er-Jahre für die Stiftung gearbeitet hat, kann das heutige Gärtnerteam den Garten im Sinne des Künstlers erhalten. Der Garten zeugt von Noldes Leidenschaft für die Natur, die sich vielfach in seiner Kunst widerspiegelt. Die ursprünglichen Nolde-Pflanzen und deren sorgsam aufgezogene Nachkömmlinge laden die Besucher ein, den Garten so zu erleben, wie Nolde ihn einst gestaltet hat.


Regelmäßige Kunst- und Gartenführungen werden in der lichtdurchfluteten Malschule, die einen beeindruckenden Blick in die weite Marschlandschaft bietet, spannende Kurse und Workshops angeboten.
Das Nolde Museum Seebüll verbindet Kunst, Natur und Architektur zu einem eindrucksvollen Gesamterlebnis. Besucherinnen und Besucher aus aller Welt tauchen tief in das Leben und Werk Emil Noldes ein und erleben die einzigartige Begegnung mit der Kunst eines der bedeutendsten Expressionisten – eingebettet in die inspirierende Atmosphäre des Gesamtkunstwerks Seebüll.
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