
Er hat die Kunst des 20. Jahrhunderts revolutioniert wie kaum ein anderer: Pablo Picasso (1881-1973). Mit seiner unermüdlichen Schöpferkraft erfand er sich ein Leben lang immer wieder neu. Die Lindauer Sonderausstellung im Cavazzen Museum zeigt über 90 Arbeiten des Jahrhundertkünstlers – Zeichnungen und Keramiken aus all seinen Schaffensphasen: von frühen Skizzen, Werken aus der Blauen Periode über die radikale Formauflösung des Kubismus bis zu den kostbaren Keramiken.
Zu sehen sind Arbeiten, die vom Suchen und Finden erzählen und Zeugnis davon geben, wie Picasso seine ganz eigene Handschrift entwickelt, verwirft und wiederfindet.
„Wie andere Tagebuch schreiben, so zeichne ich“, beschreibt Picasso selbst sein Experimentieren mit Bleistift oder Kreide. Und so wird in der die Lindauer Ausstellung Strich für Strich das künstlerische Denken des Meisters sichtbar, in einer frappierenden Sicherheit der Linie und Form und seiner Unmittelbarkeit. Dabei treten die Zeichnungen in Dialog mit Picassos Keramiken – Vasen, Schalen, Gefäße, entstanden vor allem im südfranzösischen Vallauris – von Hand geformt, bemalt und schließlich im Feuer gebrannt.
Mit den Zeichnungen und Keramiken begegnen sich zwei Ausdrucksformen, zwei Welten des Künstlers: hier das skizzenhafte Herangehen an ein Thema, dort das Formen mit erdigem Ton. Auf beiden Seiten: Picasso, der nicht einfach abbildet, sondern verwandelt, ja neu erschafft.
Zur Keramik fand Picasso in seiner zweiten Lebenshälfte: Seit 1947 arbeitete er im südfranzösischen Vallauris und entdeckte das Material, das vielgestaltig formbar und dauerhaft zugleich ist. In der Beschäftigung mit dem Werkstoff Ton fand er eine neue Möglichkeit, schöpferisch tätig zu sein – Formen entstehen, werden verändert, bemalt und im Brennvorgang dauerhaft fixiert. Seine Leidenschaft für die Keramik war auch ein schöpferisches Aufbäumen gegen den Tod, ein Versuch, der Vergänglichkeit etwas entgegenzusetzen.
Zu den Besonderheiten der Lindauer Ausstellungen gehört es seit Beginn, dass Leihgaben aus privaten Sammlungen gezeigt werden. Auch in diesem Jahr wird den Besucherinnen und Besuchern wieder das Privileg zuteil, neben Werken aus namhaften Museen (wie dem Picasso Museum Barcelona) Arbeiten zu entdecken, die ansonsten unzugänglich für die Öffentlichkeit hinter verschlossenen Türen ruhen. So etwa drei zarte, unscheinbare Figuren, die Pablo Picasso einst für seine Kinder aus Karton bastelte und bemalte. Oder ein Buch, vom Künstler signiert und mit einer seiner ikonischen Tauben illustriert.
Der berühmten Friedenstaube ist das letzte Kabinett der Ausstellung gewidmet: Die gezeichnete Taube begegnet hier einer von Picasso handgeformten Keramik-Taube: ein Werk, das durch seine Seltenheit und schlichte Schönheit besticht. Nur wenige dieser Tauben existieren weltweit. Das Motiv der Taube wurde als Friedenssymbol weltberühmt.
Das Barockpalais im Herzen der Bodenseeinsel wurde im vergangenen Jahr nach seiner umfangreichen Sanierung wiedereröffnet und erstrahlt außen wie innen in neuem – oder besser altem – Glanz.
http://www.kultur.lindau.de/cavazzen-museum
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