Im Mittelpunkt der Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) steht das Ausprobieren und Spielen: Besucher/innen sind eingeladen, diese Fragen spielerisch und kindzentriert zu erkunden. Eine Auswahl von über 130 historischen und aktuellen Kinderstühlen aus der Privatsammlung Reinke sowie der Sammlung des MK&G zeigt die gestalterische Vielfalt kindgerechter Möbel über zwei Jahrhunderte: von volkstümlichen Hochstühlen und Modellen des frühen 19. Jahrhunderts wie der „Stabelle“ über Jugendstil- und Bauhaus-Objekte sowie Popdesign der 1960er-Jahre bis heute.

Welche Funktionen kann oder sollte ein Stuhl haben?
Wollen Kinder sich lieber bewegen, schaukeln und spielen, als still zu sitzen?
Aus Sicht von Kindern: braucht es überhaupt einen Stuhl?
Ikonische Entwürfe treffen dabei auf weniger bekannte Designobjekte – das Spektrum reicht von Miniaturen klassischer Erwachsenenstühle wie zum Beispiel des „Panton Junior“ von Verner Panton bis zu Stühlen mit fixierender Funktion sowie pädagogische Spiel- und Reformmöbel, die die motorische, soziale und kreative Entwicklung von Kindern unterstützen.
Der Fokus der Ausstellung liegt auf dem Mitmachen – dazu werden die Besucher/innen an interaktiven Stationen eingeladen: Auf mobilen Gefährten der „Wirbel Wichtel“ können Kinder bunte Spuren malen und so wird die Verbindung von Möbel, Bewegung und Spiel sichtbar gemacht.
Mit einem überdimensionalen Steckspiel lassen sich unterschiedliche Sitzhöhen ausprobieren – und dabei spielerisch verschiedene Körperhaltungen entdecken. An einer Stempel- und Malstation können große und kleine Designer/innen ihre individuellen Stuhlentwürfe gestalten und mit den vier Figuren der Ausstellung – Dös, Wackel, Hotzl und Pling – kreativ werden.






Die Ausstellung umfasst vier Kapitel: Das Thema Vielfalt zeigt die große Bandbreite von Kinderstühlen – von unterschiedlichen Materialien und gestalterischen Ansätzen. Die Objekte laden in einer an ein Magazinregal erinnernden Präsentation zum Entdecken ein. Neben Miniaturen erfolgreicher Entwürfe für Erwachsene – wie beispielsweise Marcel Breuers berühmter Freischwinger „B34 (3/4)“ (1929) oder der „Lou Lou Ghost“ (2008) von Philippe Starck – werden hier auch technologische und gestalterische Entwicklungen sichtbar, die parallel zum Möbeldesign für Erwachsene verlaufen.
Einige Möbel zeichnen sich durch ihre verspielte Gestaltung aus, dazu gehören „Hippo“ (1993) von Wolfgang Rebentisch und der „Schaukelwagen“, entworfen 1950 von Hans Brockhage. Damit reagieren sie auf einen grundlegenden Widerspruch zwischen kindlichem Bewegungsdrang und der statischen Ausrichtung von Sitzmöbeln. Dynamische Haltungs- und Nutzungsmöglichkeiten eröffnen hier neue Spielräume.
Die Gestaltung orientiert sich häufig an kindlichen Interessen und Erfahrungswelten. Einige Sitzgelegenheiten lassen sich verwandeln, andere Stühle erinnern in ihrer Form an sympathische Tiere, die zu Gefährten werden. Der 1945 von Charles und Ray Eames entworfene „Elefant“ zählt zu den bekanntesten Beispielen. Historisches Vorbild für diese Verbindung von Möbel und tierischem Spielobjekt ist das Schaukelpferd.
Der Bereich Farbe widmet sich der Bedeutung von Farbgestaltung im Design von Kinderstühlen. Helle, bunte Töne sprechen Kinder besonders an, fördern positive Emotionen und können entwicklungspsychologische Effekte unterstützen. Die Auswahl konzentriert sich auf das Farbspektrum von Gelb über Orange bis Rot. Ikonische Kunststoffstühle der 1960er- und 1970erJahre wie der „Zocker“ (1972) von Luigi Colani und „Jumbo“ (1968) von Alberto Rosselli treffen auf einen hölzernen Armlehnstuhl von Bauhausgestalter Erich Dieckmann aus den 1920er Jahren sowie dem bekannten Spaghetti-Stuhl von Giandomenico Belotti aus Metall und Kunststoffschnüren in sogenannter Spaghetti-Bespannung.
Ausstellung bis 01.11.2026, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G)
http://www.mkg-hamburg.de
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