Das Projekt „Treeline“ verbindet Musik und Naturschutz

Der britische Komponist und Pianist Graham Fitkin fährt seit Mitte Mai mit dem Fahrrad von Rumänien bis nach Großbritannien. Seine 4.000 km lange Route verläuft von den letzten noch erhaltenen europäischen Urwäldern gen Westen, wo die alten Baumbestände immer mehr abnehmen. An 20 Orten zwischen Bukarest und London macht er Station und gibt ein Konzert – am 4. Juli 2026 auch in der Rotunde und im Foyer der Tonhalle Düsseldorf.

Jede Partnerinstitution hat Fitkin zuvor Soundfiles eines bestimmten Baumes geschickt, die er für seine neue Komposition „Treeline“ verwendete. Die Tonhalle steuerte Umgebungsgeräusche und Audioaufnahmen aus dem Inneren des Blutahorns bei, den Adam Fischer im Hofgarten anlässlich eines Klimakonzerts im Dezember 2022 gepflanzt hatte. Musikvermittlerin Katrin Sedlbauer entwickelt zudem mit Seniorinnen und Senioren aus Düsseldorf und einem Bläserquintett der Düsseldorfer Symphoniker eine musikalische Performance.

Über eine Probenphase von drei Monaten kreiert Katrin Sedlbauer mit der Performancegruppe im ZentrumPlus Derendorf-Nord einen musikalischen Spaziergang, der das Publikum vor dem Konzert einlädt, den von Adam Fischer gepflanzten Blut- ahorn »Royal Red« auf künstlerische Weise zu erleben. Das Bläserquintett begleitet dabei nicht nur die Performance mit Auszügen aus Felix Mendelssohn-Bartholdys »Ein Sommernachtstraum« musikalisch, sondern ist auch integraler Bestandteil des anschließenden „Treeline“-Konzerts mit Graham Fitkin in der Rotunde der Tonhalle und macht somit das Konzert in Düsseldorf zur Uraufführung.

Mehr zu „Treeline“
Graham Fitkins Projekt hat Kooperationspartner in ganz Europa. Diese reichen von Konzerthäusern, Festivals und Umweltorganisationen bis hin zu Rathäusern, Universitäten, Dorfgemeinschaften und Schulen. Jeder Partner hat einen lokalen Baum ausgewählt, der für ihn von Bedeutung ist und ein „Profil“ des Baumes und seiner Umgebung erstellt, einschließlich Maßen, Zeichnungen, Umgebungsgeräuschen und Audioaufnahmen aus dem Inneren des Baumes. Graham ließ all diese Informationen einfließen in sein neues, einstündiges Werk für Klavier und Keyscanner, der als »Waldinstrument« alle Baumgeräusche über die Klaviertastatur zum Klingen bringt und somit die Bäume sprechen lässt – und das europaweit.

Im Mai 2026 hat Graham seine Reise von Rumänien nach Großbritannien gestartet und führt das neue Werk in ganz Europa in den Städten und Orten auf, in denen genau diese Bäume stehen. Manchmal – wie in Düsseldorf – wirken lokale Musikerinnen und Musiker bei den Aufführungen mit. Das erste Konzert fand in Rumänien in Bukarest statt, daran schließen sich 20 Konzerte in Ungarn, der Slowakei, Polen, der Tschechischen Republik, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Großbritannien an.

Die Strecke zwischen den Konzert-Locations legt Fitkin ausschließlich mit dem Fahrrad zurück. Der Beginn seiner Tour verläuft in Osteuropa noch durch bedeutende Bestände an Urwald, doch im Laufe der Reise nach Westen nehmen diese ab, und die Route folgt den Überresten der alten Wälder. Viele der europäischen Urwälder sind inzwischen verschwunden, und die verbleibenden stehen unter ständiger und zunehmender Bedrohung. Das „Treeline“-Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, Bäume zu würdigen und ihren Bestand zu dokumentieren, und dass ihre Geschichten Teil von Musik werden.

Graham Fitkins Aktivitäten und seinen Live-Standort kann man verfolgen: http://www.treeline.org.uk

http://www.tonhalle.de

Fotos:
Oben: Ruth Wall
Unten: Ryan Sharpe