
Als Auftakt der neuen Reihe „SWANA Remix“ zeigt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) bis 27. Juni 2027 zeitgenössische Teppichkunst aus Iran unter dem Titel „Hamdeli – Teppiche erzählen Geschichten“. Die Teppiche treten in einen Dialog mit der Sammlungspräsentation „Inspiration SWANA“ (Südwestasien und Nordafrika), die im Oktober 2025 neu eröffnet wurde.
Zu sehen sind rund 13 hochwertige Teppiche aus der Sammlung der Familie Ipektchi, die in sechster Generation unter der Marke Rugtales Teppiche unter anderem aus Iran vertreibt. Als Intervention in der Sammlung SWANA veranschaulichen die Werke, dass dieses jahrhundertealte Kunsthandwerk eine lebendige Praxis ist, die sich kontinuierlich weiterentwickelt und immer wieder neue gestalterische Ausdrucksformen hervorbringt. Ergänzt wird die Präsentation durch eine zeitgenössische Installation der iranisch-kanadischen Künstlerin Rah Eleh.
Hamdeli (persisch همدلی) bedeutet „geteiltes Herz“ und beschreibt ein Gefühl von Nähe, Empathie und Verbundenheit. In der Teppichkunst wird dieses Prinzip sichtbar: Teppiche entstehen aus gemeinsamem Wissen, aus Weitergabe, Geduld und Sorgfalt – und bewahren Erinnerungen über Generationen hinweg. Die Intervention mit 15 Teppichen greift die bestehenden Themen der Sammlungspräsentation auf und macht Perspektiven sichtbar, die bislang weniger präsent sind. Sie erweitert den Blick auf die Vielfalt textiler Praktiken in Iran, die sowohl in urbanen als auch in regionalen Kontexten entstehen. Teppiche erscheinen als Teil eines kulturellen Gefüges, das von Austausch, Bewegung und Weitergabe geprägt ist.
Ein Teppich, in den auf Persisch „Herzlich willkommen“ ein geknüpft ist, begrüßt die Besucher*innen und lädt dazu ein, Teppiche neu zu sehen – etwa als Träger vielschichtiger, überlieferter Bildwelten regionaler Traditionen. Dazu gehören neben geometrischen, figürlichen und floralen Mustern auch Architekturelemente und ganze Geschichten wie die persische Liebesgeschichte zwischen dem Sassanidenkönig Khoswrow und der Prinzessin Shirin. Teppichkunst ist dabei seit jeher in Austauschprozesse eingebunden. Motive wie das gole farangi („europäische Blume“) oder figürliche Darstellungen zeigen, wie sich europäische Bildtraditionen in textile Gestaltungen einschreiben und lokal weiterentwickelt werden. So eröffnen die Teppiche eine Perspektive auf transkulturell verflochtene Bildkulturen. Zugleich strukturieren Teppiche selbst Räume und schaffen Orte des Sitzens und des Zusammenkommens. Musterteppiche, sogenannte wagireh, geben Einblick in Gestaltungs- und Herstellungsprozesse und zeigen, wie Kompositionen für Teppiche entwickelt werden.



Auch Alltagsobjekte wie Taschen aus Kelimresten sind Teil der Präsentation. Sie nutzen ähnliche Materialien und Techniken und veranschaulichen die enge Verbindung von Textil, Gebrauch und Alltag. Gleichzeitig wird ihre Weiterverwendung sichtbar: Aus Taschen entstehen kleinere Teppiche, aus Kelimresten neue Designs. Teppichkunst zeigt sich so als nachhaltige und wandlungsfähige Praxis.
Die eigens für die Ausstellung entwickelte Lichtinstallation der iranisch-kanadischen Künstlerin Rah Eleh (* 1985 in Teheran) beschäftigt sich mit dem Teppich als Objekt von Bewegung, Migration und kulturellen Zuschreibungen. Ein Teppich mit geöffnetem Schlitz gibt den Blick auf einen leuchtenden Lichttunnel frei und weckt Assoziationen von Übergang, Erinnerung und räumlicher Verschiebung.
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