
Das Museum Tinguely zeigt in dieser Ausstellung Werke der Schweizer Künstlerin Zilla Leutenegger (*1968). Sie gehört zu den prägendsten Stimmen der Schweizer Gegenwartskunst und ist mit zehn multimedialen Installationen und drei Monotypien an verschiedenen Orten im Museum präsent. Ihre leisen, poetischen Videozeichnungen treffen auf die mechanische Dynamik von Jean Tinguelys Maschinen. Wie in einem „Mietshaus“ teilen sich die Werke den Raum – ein spannungsvoller Dialog, der weder in Konkurrenz noch in reiner Gemeinsamkeit mündet, sondern durch gleichzeitige, dichte Präsenz besticht
Ortsspezifische Adaptionen: Ein Museum wird bewohnt.
Um Einblicke in diese poetisch-spielerische geheimnisvoll bewohnte Architektur zu gewähren, wurden fast alle ihre Arbeiten – bis auf die Monotypien – für das Museum Tinguely modifiziert und ortsspezifisch aufgearbeitet. So kauert ZillaGorilla (2021/2026), der im Bündner Kunstmuseum noch unter einer Treppe sass, nun in einer riesigen Kunsttransportkiste, die üblicherweise eine Tinguely-Skulptur birgt. In Plein Soleil (2026) baumeln die Beine der Protagonistin Zilla hoch oben von einer Traverse der Museumsbeleuchtung statt an einem Pool-Sprungturm. Vor einem Treppengeländer harrt in Sit&Wait (2020) eine Katze aus – ein Moment des Wartens, dessen exakter Grund sich dem Publikum entzieht und eine ganz eigene Spannung erzeugt. Immer wieder finden sich im Haus solche Spuren und Schatten einer Existenz.
Symbiose aus analoger Zeichnung und digitaler Projektion

Die in Zürich geborene Künstlerin hat sich als eine bedeutende Position der zeitgenössischen Schweizer Kunstszene etabliert. Ihr Werk fokussiert sich auf die Verschmelzung analoger und digitaler Medien. Dabei überlagert sie reduzierte Wandzeichnungen mit projizierten Videoelementen, wodurch eine statisch wirkende Raumsituation durch den Schattenwurf einer sich plötzlich bewegenden Figur zum Leben erwacht. Mit diesen raffiniert konstruierten Installationen betreibt sie ein tiefgründiges Storytelling. Häufig agiert ihr Alter Ego „Zilla“ – ob gefilmt, gezeichnet oder digital konstruiert – in alltäglichen Handlungen wie Lesen, Warten oder aus dem Fenster Blicken. Durch diese subtilen Narrative weckt die Künstlerin eigene Erinnerungen beim Publikum.

Atmosphärische Zustände und flüchtige Emotionen
Leuteneggers non-lineare Erzählungen fangen atmosphärische Zustände und flüchtige Emotionen ein. Stimmungen wechseln virtuos zwischen Ergriffenheit, Erleichterung und oftmals auch Erheiterung. Die durch Licht, Projektion und Skizze erschaffenen Räume wirken wie begehbare Traumsequenzen, in denen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen. Fläche und Raum scheinen zu verschmelzen. Im Museum Tinguely treten ihre poetischen Werke in einen spannungsvollen Dialog mit der Sammlung des Hauses. In diesem Austausch treffen Leuteneggers leise, raumgreifende Projektionen auf die mechanische Dynamik Tinguelys. Es entsteht eine neue Erzählung über Bewegung, Licht und Raum, die die Poesie des Alltags auf faszinierende Weise neu verhandelt.

Ausstellung bis 07.03.2027, Museum Tinguely,
http://www.tinguely.ch
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