Die ‚Blauen Reiterreiterinnen‘

Das Lenbachhaus München spannt mit dieser Ausstellung einen Bogen von der Bedeutung Münchens um 1900 als Ort einer starken Frauenrechtsbewegung über den Blauen Reiter bis hin zum Wirken der Künstlerinnen der Weimarer Republik, im Exil und bis in die 1940er Jahre. Schirmherrin der Ausstellung ist Iris Berben.

Das internationale Ausstellungsprojekt rückt nun erstmals die Künstlerinnen des Blauen Reiter gemeinsam ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Vier Museen in Deutschland und der Schweiz haben sich zusammengetan, um die Rolle der Frauen im Blauen Reiter zu erforschen und mit diesem Ausstellungsprojekt umfassend zu würdigen. Mit dem Fokus auf Fragen nach Eigenwahrnehmung, Fremdbezeichnung und ihren Netzwerken zwischen München, Paris und Moskau wird ihre Bedeutung für den Blauen Reiter neu bewertet. Die Ausstellungen zeigen: Ohne diese Künstlerinnen hätte es den Blauen Reiter, wie wir ihn heute kennen, nicht gegeben.

Der Blaue Reiter war eine der bedeutendsten Avantgardebewegungen des 20. Jahrhunderts und ist heute weltberühmt. Von 1911 bis 1914 prägte dieser Kreis von München aus die Kunst der europäischen Moderne entscheidend mit. Eine Besonderheit des Blauen Reiter ist, dass etliche Künstlerinnen im Umfeld des Kreises aktiv waren und wesentlichen Anteil an der Entstehung und am Erfolg des Netzwerks hatten. Sie waren Kosmopolitinnen, Mäzeninnen, Managerinnen und Pionierinnen einer neuen Kunst. Sie wagten es, nationale, gesellschaftliche und künstlerische Grenzen zu überschreiten. Dennoch verbinden viele mit dem Blauen Reiter bis heute vor allem Wassily Kandinsky sowie Franz Marc, August Macke, Paul Klee und Alexej von Jawlensky.

„Ab nach München“ schrieb Gabriele Münter euphorisch, als sie ihr Kunststudium aufnahm. Es war mutig, die Kunst als Beruf zu wählen: Der Zugang zu Kunstakademien war Frauen verwehrt. Gleichstellung wurde durch Gesetze unterbunden. Die selbstorganisierte Damenakademie in München bot jedoch erste Ausbildungsmöglichkeiten für Künstlerinnen und verschiedene Vereine kämpften für das Frauenwahlrecht. Die revolutionäre Haltung der Künstlerinnen übertrug sich auch auf ihre Kunst. In ihren Bildern, Briefen und Texten suchten sie einen neuen Zugang zur Welt.

Die vorgestellten Künstlerinnen waren Freundinnen und Konkurrentinnen, Mitbegründerinnen der Neuen Künstlervereinigung München (NKVM) und aktiv im Kreis des Blauen Reiter. In Marianne von Werefkins ‚Rosa Salon‘ wurden künstlerische und politische Themen diskutiert und eine neue Geschichte der Kunst auf den Weg gebracht.

Mit Ausstellungen in der renommierten Galerie Der Sturm suchte Gabriele Münter die Öffentlichkeit. Dank Elisabeth Epsteins grenzüberschreitendem Netzwerk und ihrem Kontakt zu Delaunay und Sonia Delaunay-Terk sich die französische Avantgarde am Blauen Reiter. Carla Pohle vermittelte in ihrer Grafik eine soziale und politische Botschaft, die sich mit Armut, Klasse und Krieg auseinandersetzte.

Mit Werken von: Erma Bossi — Sonia Delaunay-Terk — Emmi Dresler — Epstein — Elisabeth Erdmann- Macke — Natalja Gontscharowa — Else Lasker-Schüler — Maria Franck-Marc — Olga Meerson — Gabriele Münter — Carla Pohle — Marianne von Werefkin.

Ausstellung bis 23.04.2027, Lenbachhaus München,
http://www.lenbachhaus.de

Bilder:
Reihe 1: Elisabeth Epstein, Selbstporträt 1911, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, im Andenken an Jerome Pustilnik / Natalia Goncharova, Porträt Michael Larionow, 1913, Museum Ludwig, Köln, Schenkung Sammlung Ludwig 2011 (Foto: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv, RBA 180 541, VG Bild-Kunst, Bonn 2026) / Marianne von Werefkin, Der Tänzer Sacharoff,  1990, Fondazione Marianne Werefkin, Ascona
Reihe 2: Gabriele Münter, Olga von Hartmann, ca. 1910, Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung München (Foto: Lenbachhaus, VG Bild-Kunst, Bonn 2026) / Gabriele Münter, Bildnis Marianne von Werefkin, 1909, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957, VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Erma Bossi, Selbstbildnis (als Bildnis von Marianne von Werefkin 1970 erworben) ca. 1910, Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung München, (Foto: Lenbachhaus)
Mitte: Gabriele Münter, In der Trambahn (Nach dem Einkauf), ca. 1912, Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung München, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Unten: Maria Franck-Marc, Blumen und gelbe Disteln, ca. 1913, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Ankauf des Förderverein Lenbachhaus e. V. 2022 (Foto: Lenbachhaus)