
Kaum ein Tier fasziniert die Menschheit seit Jahrtausenden so sehr wie die Katze. Verehrt und gefürchtet, mystifiziert und vermenschlicht, wild und zugleich vertraut – das Übersee-Museum Bremen widmet diesem außergewöhnlichen Tier die große Sonderausstellung und spannt dabei einen Bogen von der kulturgeschichtlichen Bedeutung majestätischer Großkatzen – Löwen, Tiger, Leoparden und Jaguare – bis zur Hauskatze als geliebter Schnurrer, Pop-Ikone und Internetstar.

Die Ausstellung beginnt mit einem atmosphärisch inszenierten „Cat Walk“. Entlang dieses Entrees begegnen man verschiedenen präparierte Katzen – vom Löwen und Schneeleoparden über den Ozelot bis zur Hauskatze. Hier erfährt man, dass Katzen seit über 30 Millionen Jahren zu den erfolgreichsten Raubtieren der Erde gehören.
Großkatzen wie Löwe, Leopard und Tiger standen in ihren jeweiligen Lebensräumen an der Spitze der Nahrungskette und verkörperten damit Überlegenheit und Dominanz. Herrscher ebenso wie Eliten griffen gezielt auf diese Symbolik zurück, um ihre Macht zu inszenieren und zu legitimieren.
Im Bereich der „mächtigen Katze“ verdeutlichen ein mit Kaurimuscheln geschmückter Leopardenthron aus dem ehemaligen Königreich Bamum oder ein Ensemble aus Kopfschmuck und Umhang aus Löwenfell aus dem ehemaligen Königreich Abessinien wie Leopard und Löwe in den verschiedenen Weltgegenden als Herrschaftssymbol verwendet wurden.
Katzen galten in vielen Kulturen als höhere Wesen mit übernatürlichen Kräften und wurden als Träger göttlicher Kraft verehrt. Sie waren Teil religiöser Weltbilder und symbolisierten die Kräfte der Natur und des Kosmos. Figürliche Darstellungen der löwenköpfigen Göttin Sachmet und der katzenköpfigen Bastet oder auch das Exponat einer Katzenmumie – im Alten Ägypten wurden die Katzen als Opfergabe für die Göttin Bastet eigens gezüchtet – verdeutlichen im Bereich der „göttlichen Katze“, wie im alten Ägypten Löwe und Hauskatze in die Götterwelt integriert wurden.

In Mittel- und Südamerika galt der Jaguar als Herr der Nacht und der Unterwelt, wie etwa in der vorspanischen Kultur der Maya (Klassische Periode 250–900 n. Chr.).
In Asien griff man im Buddhismus, Daoismus und Hinduismus auf Darstellungen von Gottheiten und Heiligen, die auf Großkatzen reiten, zurück. Diese Figuren symbolisierten die Beherrschung der Naturgewalten durch die Kraft der Religion.
In Japan glaubt man, dass Katzen das Glück herbeiwinken können. Eine Legende besagt, dass die Katze Tama den Fürsten Li Naotaka (1590–1659) vor einem Blitzeinschlag rettete, indem sie ihn mit ihrer Pfote in den Tempel hineinwinkte. Ihre Figur mit erhobener und winkender Tatze wird seither als Glücksbringer oder Opfergabe, die am Tempel hinterlassen wird, verkauft.

Doch Katzen bedeuteten nicht immer ein gutes Omen. Der Bereich der „dämonischen Katze“ zeigt auf, dass Katzen seit jeher auch als Dämonen auftraten. Und Katzen – ob groß oder klein – haben auch eine aufmüpfige und mutige Seite. Im Laufe der Geschichte wurden sie immer wieder zu Symbolen des Widerstands. In der Rastafari-Bewegung auf Jamaika wurde der Löwe vom Zeichen äthiopischer Herrschaft zum Symbol der Befreiung von Sklaverei und Kolonialismus.
Bereits ab 500 n. Chr. halfen Hauskatzen in China und dann 100 Jahre später in Japan, Reisvorräte vor Mäusen und Ratten zu schützen. Besondere Wertschätzung erfuhr die Katze durch ihre Fähigkeit, die kostbaren Kokons des Seidenspinners vor Nagerbefall zu bewahren – eine Inszenierung der Seidenraupenzucht veranschaulicht dies. Mit wachsender Bedeutung der Seidenproduktion stieg auch der Bedarf an Katzen. Nach 1821 führte eine Katzenknappheit in Japan dazu, dass einzelne Tiere zum Fünffachen des Preises eines Pferdes gehandelt wurden. Viele Haushalte der Edo-Zeit (1600 1868) konnten sich keine Katze mehr leisten und hängten stattdessen möglichst realistische Katzenbilder zur Abschreckung von Nagern – sogenannte Nezumi Yoke – in Häusern und Speichern auf. Ein solches Bild ist auch in der Ausstellung zu sehen. Auch noch heute gibt es prominente „Arbeitskatzen“:

Ein Ausstellungsbereich widmet sich der Ausbreitung der Hauskatze. Vom Nahen Osten und von Ägypten aus gelangte die „reisenden Katze“ über Handels- und Schifffahrtswege erst nach Europa und über die Seidenstraße nach China und Japan. Mit den europäischen Seefahrernationen und Kolonialmächten, vermutlich bereits mit der ersten Expedition von Christoph Kolumbus 1492, gelangten Katzen ab dem 15. Jahrhundert bis nach Amerika und schließlich in nahezu alle Regionen der Erde. Nur die Antarktis blieb und bleibt bis heute katzenfrei.
Ausstellung bis 28.05.2027, Übersee-Museum, Bremen
http://www.uebersee-museum.de
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