Hella Jongerius: Whispering Things

Diese Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) bietet einen umfassenden Überblick über das Werk von Hella Jongerius (* 1963), einer der prägenden Persönlichkeiten des zeitgenössischen Designs. Seit mehr als drei Jahrzehnten entwickelt die Niederländerin ein neues Verständnis von Gestaltung, das mit der Erforschung von Farbe, Materialien und Herstellungsverfahren neue Wege beschreitet. Dabei verbindet sie experimentelle Materialforschung mit einer Haltung, die Verantwortung, Langlebigkeit und die kulturelle Bedeutung von Design in den Mittelpunkt stellt.

Hella Jongerius: „Als Designerin fühle ich mich verantwortlich dafür, wie Objekte und Materialien unsere Welt, unsere Kultur und unser Menschsein prägen. Sie spiegeln wider, wer wir sind – und wer wir sein möchten.“

Mit mehr als 400 Objekten, darunter Möbel, Textilien, Keramiken, Prototypen, Skizzen, Collagen und Filmen, gewährt die Ausstellung Einblicke in den Arbeitsprozess und das vielseitige Werk der Designerin und Künstlerin – von frühen experimentellen Arbeiten über ikonische Produkte bis hin zu skulpturalen Keramiken, darunter etliche Projekte für Unternehmen wie Camper, IKEA und Vitra sowie für Institutionen wie das Museum of Modern Art in New York. Bis heute inspiriert Hella Jongerius mit ihrem Werk jüngere Generationen von Gestalter/innen.

Wie gestaltet man für eine Welt, die eigentlich schon genug hat? Welche Dinge fördern Wertschätzung und Achtsamkeit statt Konsum und Wegwerfkultur? Mit dem Manifest „Beyond the New: A Search for Ideals in Design“ von 2015 formulierten Hella Jongerius und die Kunst- und Designtheoretikerin Louise Schouwenberg ein Plädoyer für ein langsameres, verantwortungsbewusstes und kulturell verankertes Design. Qualität, Langlebigkeit und gesellschaftliche Relevanz stehen dabei über bloßer Innovation und ständigem Konsum. Diese Fragen stehen bis heute im Zentrum von Jongerius’ Arbeit und bilden den Ausgangspunkt der Ausstellung.

Die Einzelausstellung zeichnet ihren Weg von den frühen Arbeiten in den 1990er Jahren mit dem niederländischen Kollektiv Droog über ihre internationalen Kooperationen mit internationalen Unternehmen seit den 2000er Jahren bis hin zu den freien, skulpturalen Arbeiten der jüngsten Zeit. Dabei wird deutlich, wie Jongerius eine unverwechselbare Formensprache entwickelt hat, die von Vielschichtigkeit, Experimentierfreude und einer besonderen Sensibilität für Materialien geprägt ist.

Die Ausstellung versammelt zahlreiche Arbeiten aus dem umfangreichen Archiv der Designerin, das sich seit 2024 in der Sammlung des Vitra Design Museum befindet. Für Jongerius ist das Archiv mehr als ein Ort der Aufbewahrung: Es steht sinnbildlich für ihre Arbeitsweise und ermöglicht unerwartete Entdeckungen und neue Perspektiven auf frühere Arbeiten. Neben prägenden Entwürfen werden daher auch Skizzen, Muster, Studien und Prototypen gezeigt, die den Entstehungsprozess nachvollziehbar machen und den Blick auf Hintergründe und Querverbindungen des Designs lenken.

Ausstellung bis 13.06.2027, MKG Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg
http://www.mkg-hamburg.de

Bilder:
Oben: Hella Jongerius in ihrem Studio. Vorbereitungen für den Archiv-Umzug, 2023, Vitra Design Museum (Foto: Roel van Tour)
Mitte: v.li.n.re.: Pushed Washtub, 1996, Jongeriuslab / Polder Sofa, 2015, Vitra / The Worker Chair mit Maharam Layers,
Gestaltungsentwurf, Vitra, 2006, Jongeriuslab / The Worker Chair mit Maharam Layers, 2006, Vitra,
Unten: v.li.n. re.: Long Neck and Groove Bottles, 2000, Vitra Design Museum (Foto: Andreas Sütterlin) / Angry Animal (Erica), 2025,
Jongeriuslab / Falling Vases Paintings, 2008, Vitra Design Museum, (Foto: Andreas Sütterlin) / Coloured Vases, Series 3, 2010,
Jongeriuslab (Foto: Gerrit Schreurs)