Julien Gendre – Gitarren aus der Bretagne

Mit der Bretagne verbindet man nicht unbedingt Gitarrenmusik. Dennoch kommen aus Frankreichs rauer Atlantikregion hochwertige Gitarren. Der Instrumentenbauer Julien Gendre richtete vor kurzem im Haus einer früheren Bar in Le Bono sein Domizil sowie seine Gitarrenwerkstatt ein. Le Bono war früher einmal ein wichtiger Fischerort mit Austernzüchterei und entzückt immer noch mit seinem romantischen kleinen Hafen.

Die Frankfurter Journalistin Petra Kammann besuchte Julien Gendre in seiner neuen Heimat, sprach mit ihm und hatte die Gelegenheit zum Fotografieren. Sie stellt fest: „Dieser Experte baut Gitarren, bei denen er auf die Tradition heimischer Hölzer zurückgreift. Dem besonderen Klang des Holzes fügt er jedoch eine neue Gestalt hinzu. Viele Musiker wissen die damit verbundene Holzkenntnis und Präzision zu schätzen. So hat er zum Beispiel für Woody Guthrie eine Gitarre entworfen und gebaut, die der amerikanischen Folklegende und dem Songwriter gewidmet ist.“

In Zusammenarbeit mit Django-Reinhardt-Preisträger Nguyên Lê entwickelte Gendre  zudem sehr eigenwillige Gitarrenformen. Der vietnamesische Weltmusiker gab zwei  Gitarren in Auftrag und spielt auf ihnen, so auch die Akustikgitarre „Bamboo”, die mit taoistischen Symbolen wie Bambuszweigen verziert ist. Für die elektrische Jazz-Gitarre „Tiger’s Tail“ baute der französische Instrumentenbauer auf Wunsch des Künstlers den Schweif des Tigers ein. Nguyên Lê, der zuvor eine schwere Erkrankung überwunden hatte, legte ihm den Gedanken an den Tigertod nahe. “Walking on the Tiger’s Tail” bedeutet sich angesichts einer Gefahr klug zu verhalten, sich ihrer bewusst zu sein, ohne sie herauszufordern und gleichzeitig ruhig und entschlossen zu bleiben. Musikalisch verwandelte der Musiker mithilfe des Instruments seine Erlebnisse in eine filigrane, schwebende Klanglandschaft.

Petra Kammann: „Der zierliche, sympathische Gitarrenbauer Julien Gendre ist nicht nur mit viel Eifer, sondern auch mit viel Überlegung bei der Sache. Er liebt die Gitarre als Instrument und sucht dazu den Kontakt mit den Musikern. Er selbst begann als Jugendlicher Gitarre zu spielen. Im Lauf der Zeit entwickelte er eine Leidenschaft für den natürlichen Werkstoff Holz mit seiner Farbigkeit und dem spezifischen Geruch. Heute möchte er es vermeiden tropische Hölzer wie Palisander oder Mahagoni zu benutzen, um den Regenwald nicht weiter zu gefährden. Daher konzentriert er sich vor allem auf heimische Hölzer wie Birnbaum, Fichte, Nussbaum, Ahorn, Buchsbaum und Esche.“

Mit seinen Erfahrungen will Gendre auch Kunden aus der Umgebung von Le Bono gewinnen, die eine Gitarre nach Maß wünschen. Dabei können sie nicht nur Einfluss auf die individuelle Gestaltung, sondern auch auf das besondere Timbre nehmen. Keine schlechte Idee, da in der Bretagne renommierte Festivals und Musik-Workshops stattfinden wie etwa das „Festival Interceltique de Lorient“oder die „Brittany Winterschool” mit irischen Musikern der „Masterclass of traditional irish music & dance”.

juliengrendre.com

(Fotos: Petra Kammann)