Federico Fellini. Von der Zeichnung zum Film

Das Museum Folkwang präsentiert mit der Ausstellung Federico Fellini rund 200 Zeichnungen des Filmemachers und Drehbuchautors. Seit rund vierzig Jahren ist es das erste Mal, dass seine Papierarbeiten wieder in größerem Umfang zu sehen sind. Am Beispiel ausgewählter Filme stellt die Ausstellung die Zeichnungen den realisierten Szenen gegenüber und taucht so in die faszinierenden Bildwelten und den einzigartigen Schaffensprozess des Regisseurs ein.

Federico Fellini (1920–1993) zählt zu den bedeutendsten Filmemachern des 20. Jahrhunderts. Mit Produktionen wie La Dolce Vita, Amarcord oder Die Stadt der Frauen schreibt er Filmgeschichte. Unverzichtbares Arbeitsmittel bei der Konzeption seiner Filme ist die Zeichnung – skizzenhaft oder detailreich ausgearbeitet.

Die in der Schau gezeigten Werke stammen aus der Sammlung Jakob und Philipp Keel (Zürich) und umfassen fast den gesamten Zeitraum der Filmproduktion Fellinis, vom Beginn der 1950er Jahre bis in die frühen 1980er Jahre. Einen Schwerpunkt der Auswahl bilden Zeichnungen zu den Filmen Amarcord (1973), Casanova (1976), Die Stadt der Frauen (1980) und Fellinis Schiff der Träume (1983).

Im Zusammenspiel mit Filmausschnitten, Aufnahmen vom Set und Auszügen aus den Drehbüchern macht die Ausstellung unmittelbar anschaulich, welch besondere Rolle das Zeichnen im kreativen Schaffensprozess des Regisseurs spielt. Seine künstlerische Handschrift entwickelt Fellini bereits als junger Mann: Am Strand von Rimini eröffnet er 1936 ein kleines Portraitstudio für Urlauber. Ab 1938 veröffentlicht er mehrere Jahre lang humoristische Zeichnungen und Kurzgeschichten in diversen italienischen Zeitungen und Zeitschriften.

Nach der Einnahme Roms durch die Amerikaner im Sommer 1944 betreibt er mit Freunden den Funny Face Shop, in dem die Soldaten Musik hören und sich porträtieren lassen können. Auch wenn Fellini mit der Hinwendung zum Film diese Aktivitäten bald einstellt, bleibt
das Zeichnen ein wichtiger Teil seiner Arbeit.

Die oft auf handelsüblichem Schreibpapier minutiös ausgearbeiteten Zeichnungen oder rasch entworfenen Skizzen nutzt er dabei, um seine Ideen zu visualisieren: „Ebenso wie das Drehbuch die verbale Phase bei der Herstellung eines Films darstellt, kommt es oft vor, dass ich während der Vorbereitungszeit Entwürfe und Figuren zeichne, weil ich eine Szenerie, eine Rolle, das Kostüm einer bestimmten Figur oder eine Stimmung festhalten und visuell klarstellen möchte“ (Federico Fellini, 1973).

Ausstellung bis 20.02.2022, Museum Folkwang, Essen,
www.museum-folkwang.de

Bilder:
Die Marktfrauen auf Rädern, um 1972, Zeichnung zu Amarcord,
„Frau Carla“, 1961–62, Zeichnung zu „Achteinhalb“

Sammlung Jakob und Philipp Keel, VG Bild-Kunst, Bonn, 2021