
Es gibt kaum einen wegweisenden Namen der Moderne, der nicht in der Scharf Collection vertreten ist. Jetzt wird die bedeutendste deutsche Privatsammlung des französischen Impressionismus und Post-Impressionismus der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit rund 180 Exponaten zeigt der Kunstpalast bis zum 9. August 2026 die beeindruckende Bandbreite einer Sammlung, die vom frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart reicht. Bislang war die Scharf Collection ausschließlich anonym und nur durch wenige Leihgaben öffentlich zu sehen. Neben Meisterwerken von Claude Monet, Auguste Renoir, Paul Cézanne und Pierre Bonnard werden nun in Düsseldorf Arbeiten von Henri de Toulouse-Lautrec und Henri Matisse präsentiert.
„Wir freuen uns sehr, die Scharf Collection erstmals in großem Umfang zu zeigen“, so Felix Krämer, Generaldirektor des Kunstpalastes. „Die gemeinsam mit der Alten Nationalgalerie in Berlin konzipierte Ausstellung wird bei uns um über 60 Werke ergänzt. Darunter sind Werke von Edgar Degas und Henri Matisse sowie japanische Farbholzschnitte aus dem 19. Jahrhundert.“
Sammler René Scharf: „Es war uns wie auch den Generationen vor uns wichtig, einzelne Werke der Sammlung für Museumsausstellungen zur Verfügung zu stellen, um sie mit möglichst vielen Menschen zu teilen. Dennoch ist es für meine Frau und mich eine neue Erfahrung, jetzt mit der gesamten Kollektion unter unserem Namen in die Öffentlichkeit zu gehen. Dass die Ausstellung auch in meine Geburtsstadt Düsseldorf kommt, freut mich sehr.“
Die Scharf Collection geht auf einen Zweig der renommierten Berliner Sammlung Otto Gerstenbergs (1848 – 1935) zurück. Als Generaldirektor der Victoria-Versicherung – später ging diese in der Düsseldorfer ERGO Group auf – trug Gerstenberg maßgeblich zum Erfolg des Unternehmens bei. Um 1900 begann er im großen Stil Kunst zu sammeln. Zunächst galt sein Interesse der deutsche n und niederländische n Grafik des 15. Jahrhunderts. Bald erweiterte er seine Sammlung mit Künstlern wie Francisco de Goya, John Constable und Gustave Courbet um europäische Malerei des 19. Jahrhunderts, bevor er sich der Kunst seiner Zeitgenossen zuwandte. Er trug hochkarätige Werke unter anderem von Edgar Degas, Claude Monet und Auguste Renoir zusammen, welche die Ausrichtung der heutigen Scharf Collection auf den französischen Impressionismus begründeten. Ein weltweit einzigartiges Highlight der Sammlung ist das nahezu vollständige grafische Werk von Henri de Toulouse-Lautrec .

Gerstenbergs Tochter Margarethe Scharf (1889 – 1961) konnte einen großen Teil der Sammlung während des Zweiten Weltkriegs retten und an die beiden Söhne Walther (1923 – 1996) und Dieter Scharf (1926 – 2001) vererben. Die aktuelle Scharf Collection geht auf den Familienzweig Walther Scharfs zurück, der gemeinsam mit seiner Frau Eve und ihrem Sohn René an den französischen Schwerpunkt anknüpfte und die Sammlung um Schlüsselwerke ergänzte. Dazu zählt etwa Monets „Waterloo Bridge“ (1903), Teil einer rund vierzig Gemälde umfassenden Serie, welche die berühmte Londoner Brücke im stetig wechselnden Farb- und Lichtspiel zeigt.
Heute widmet sich das Sammlerehepaar René und Christiane Scharf zeitgenössischen Positionen und setzt damit das familiäre Engagement für künstlerische Innovationen bereits in vierter Generation fort. René Scharf, der von 1984 bis 2003 zunächst für Christie’s und das Museum of Modern Art arbeitete und dann als Kunsthändler in New York tätig war, erweiterte den Kern der Sammlung um Werke der klassischen Moderne und des Abstrakten Expressionismus. Zu den neueren Erwerbungen mit Blick auf die zeitgenössische Kunst gehören internationale Positionen wie Robert Longo und Sean Scully, aber auch Künstler*innen der aufstrebenden Berliner Kunstszene.
Die einzige nicht aus der Sammlung der Scharfs stammende Leihgabe in der Ausstellung steuert die ERGO Group bei: ein von dem deutschen Impressionisten Max Liebermann gemaltes Porträt des Sammlers Otto Gerstenberg. „Die historische Verbindung der ERGO zu Otto Gerstenberg verleiht dieser Ausstellung für uns eine besondere Bedeutung. Umso mehr freuen wir uns, sie als Partner des Kunstpalastes zu unterstützen“, betont Markus Rieß, Vorsitzender des Vorstands der Versicherungsgesellschaft.

Die Scharf Collection zeigt im Übrigen auch, wie Künstler*innen voneinander lernen, aufeinander Bezug nehmen und künstlerische Ideen weiterentwickeln. Einige dieser Bezüge sind in der Ausstellung zu entdecken. Sichtbar wird dies zum Beispiel an der Farblithografie Bonnards Bath des amerikanischen Pop-Art-Künstlers Mel Ramos von 1979, die direkt auf Pierre Bonnards post-impressionistisches Gemälde „Die große Badewanne“ anspielt. Auch der US-amerikanische Maler Sam Francis fand während seines Frankreichaufenthalts in den 1950er Jahren Anregungen in den Werken von Monet und Bonnard. Der chronologische Gang durch die elf Ausstellungsräume des Kunstpalasts mit der Scharf Collection wird so zu einer Entdeckungsreise durch unterschiedliche künstlerische Ansätze – und bestätigt die Idee, dass Erneuerung selten aus einem Bruch mit dem Alten entsteht, sondern darauf aufbaut.
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