On Nervous Grounds. Zwischen Wahn und Wirklichkeit

Die Ausstellung zeigt anhand ausgewählter Werke aus der Sammlung des Kunstmuseums Wolfsburg, wie Kunst seit den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart hinein emotionale Resonanzräume erzeugt. Im Mittelpunkt stehen Arbeiten, die emotionale Zustände thematisieren, diese selbst hervorrufen oder aus einer bestimmten Emotionalität heraus entstanden sind.

Die Ausstellung lädt dazu ein, an uns selbst zu beobachten, was uns emotional berührt oder uns in innerliche Aufruhr versetzt. Ohne die Realität zu interpretieren, nähert sich die Ausstellung auf dieser Weise unserer hoch emotionalisierten Gegenwart an.

Mit ihrem besonderen Potenzial, existenzielle Fragen aufzuwerfen und intensive sowie außergewöhnliche Momente festzuhalten oder zu erzeugen, regen die Kunstwerke auf besondere Weise zum Nachdenken über unser eigenes gefühlsmäßiges Erleben an. Sie machen unmittelbar erfahrbar, dass Gefühle nicht rein subjektiver und neutraler Natur sind, sondern eng mit gesellschaftlichen und politischen Ordnungen sowie eigenen Wertvorstellungen, Erfahrungen und Imagination verknüpft sind. Die unterschiedlichen künstlerischen Strategien geben zudem Auskunft darüber, wie Emotionen gezielt hervorgerufen, gelenkt, verstärkt aber auch kontrolliert, manipuliert und unterdrückt werden können.

Nicht nur reale, sondern auch fiktive oder imaginierte Situationen können intensive Gefühle auslösen. Die fotografisch inszenierten Wirklichkeiten von Cindy Sherman und Jeff Wall sind so komponiert, dass das Unbehagen der dargestellten Szenen auf die Betrachtenden übergeht: Die stilisierten Momente, die an bekannte Filmszenen erinnern, erzeugen eine innere Unruhe.

Noch mehr Raum für eigene Imagination lassen die Installationen von Rebecca Horn und Mithu Sen. Fern unseres gewohnten Erfahrungshorizonts wirken sie besonders exzessiv, theatral und zugleich sinnlich-poetisch. Dadurch erzeugen sie eine starke emotionale Spannung und machen ambivalente Empfindungen gleichzeitig erlebbar.

Emotionen sind jedoch nicht nur Ausdruck von Verletzlichkeit, sondern auch ein Weg, mit ihr umzugehen. Mit radikalen, oft ekstatischen Handlungen schaffen Künstler wie Christian Falsnaes oder Gilbert & George nicht nur verunsichernde Situationen, sondern setzen sich innerhalb ihrer Performances selbst ungewohnten Erfahrungen aus und machen sich bewusst verletzlich. Bereits vor einem halben Jahrhundert forderte Jürgen Klauke diese Verletzlichkeit heraus, indem er in seiner Kunst Genderkategorien und tradierte Vorstellungen überschreitet.

In dieser Ausstellung werden erstmalig neu erworbene Werke präsentiert von folgenden Künstlern: Christian Falsnaes, Kapwani Kiwanga, Jürgen Klauke, Sylvain Couzinet-Jacques, Gilbert & George, Douglas Gordon, Rebecca Horn, Olga Koumoundouros, Maix Mayer, Heinkuhn Oh, Ariel Reichman, Mithu Sen, Cindy Sherman, Jeff Wall und Jordan Wolfson.

Ausstellung bis 27.09.2026, Kunstmuseum Wolfsburg,
http://www.kunstmuseum.de

Bilder:
Oben: High Moon, 199, Rebecca Horn, VG Bild-Kunst, Bonn 2026 (Foto: Marek Kruszewski)
Mitte: Phantom Pain 2 (Detail), 2018, Mithu Sen (Foto: Marek Kruszewski)
Unten: Eine Ewigkeit ein Lächeln, aus dem Zyklus „70iger“ (Detail), 1973-1975 (Foto: Jürgen Klauke)